Fund löst Debatte aus

Polizei findet Brandsätze in Freimann: Politisch motivierter Anschlagsplan auf Münchner Moschee?

Gut gesichert: Die Moschee des Vereins Ikre an der Lindberghstraße
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Gut gesichert: Die Moschee des Vereins Ikre an der Lindberghstraße.

Die Münchner Polizei beschäftigt der Fund von zwei Molotowcocktails. Wurde in Freimann der Anschlag auf eine Moschee geplant? Bei den Grünen folgt ein Sturm der Entrüstung.

München - Es war ein ungewöhnlicher Fund, den ein Anwohner der Lindberghstraße in Freimann am frühen Morgen des 23. Dezember machte: Gegen 6.30 Uhr fand der Mann auf dem Gehweg zwei Molotowcocktails: Kompottgläser, die mit einer zunächst undefinierbaren Flüssigkeit gefüllt waren. Oben am Schraubverschluss der Gläser befand sich jeweils ein Stück Stoff, das als Lunte dienen sollte. Zur Sicherheit nahm der Finder die beiden Molotowcocktails mit nach Hause und stellte sie in seine Garage. Anschließend informierte er die Polizei. Aus dem Polizeipräsidium* und dem Landeskriminalamt rückten sogleich Spezialisten an, die die Brandsätze mitnahmen und untersuchten. Das Urteil: Es handelt sich um einen sogenannten Wurfbrandsatz, die Flüssigkeit war zündfähig.

München-Freimann: Kripo geht von linksextremer Straftat aus - Das sorgt politisch für Ärger

Der Staatsschutz nahm die Ermittlungen auf, genauer gesagt, das Kommissariat K 43, das für Taten aus dem linksextremen Spektrum zuständig ist. Denn in der Nähe des Fundorts befinden sich nicht nur ein Auslieferungslager von BMW, sondern auch Bahnanlagen mit Lokomotiven. Doch genau diese Einordnung einer linksextremen Straftat sorgt nun politisch für Ärger. Denn in der Nähe der Fundstelle befindet sich die Moschee des Vereins Ikre München.

Das und der Umstand, dass die Molotowcocktails einen Tag vor Heiligabend aufgefunden wurden, veranlasst den Fraktionsvize der Münchner Grünen im Stadtrat, Dominik Krause, an der Einordnung der Beamten zu zweifeln. „Ich verstehe es nicht, man hat den Eindruck, die Polizei schaut nicht auf den Rechtsextremismus, sondern einfach woanders hin“, rügt der Politiker. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Bedrohungslage und auch der Wahrnehmung in der Bevölkerung ist das unverständlich.“ Krause sieht durchaus Parallelen zu dem Amoklauf am Olympiaeinkaufszentrum in München. „Da war eigentlich relativ schnell klar, dass der Täter im rechten Milieu unterwegs war. Dennoch gab es eine jahrelange Diskussion, ob man es als rechtsextreme Straftat einordnen soll.“

Die beiden Molotowcocktails wurden in der Lindberghstraße im Viertel Freimann entdeckt.

München: Politisch motivierte Tat in Freimann? Ermittlungen gehen in alle Richtungen

Am Mittwoch war die „Sicherheit jüdischer und muslimischer Einrichtungen“ Thema im Stadtrat. Wie schon 2020 soll es auch in diesem Jahr wieder ein Hearing geben. „Die Vertreter der Gemeinden haben im Vorjahr den Wunsch nach einem zentralen Ansprechpartner bei der Polizei formuliert“, sagt Krause. Dieses Ansinnen hatte OB Dieter Reiter (SPD)* seinerzeit in einem Brief an den Polizeipräsidenten unterstrichen. Laut Krause gab es bis heute dazu keine Antwort. „Es wäre schön, wenn der neue Präsident die Thematik zur Chefsache macht.“

Mittlerweile scheint der politische Druck etwas bewirkt zu haben. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte, ermittelt nun das Kommissariat 44 in dem Fall. Das ist für politisch motivierte Kriminalität zuständig – vor allem für rechtsextreme Taten. „Die Ermittlungen gehen aber in alle Richtungen“, heißt es. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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