Weggefährten würdigen sein Wirken

Münchner Top-Mediziner überraschend gestorben - Kollegen in Schockstarre: „Unfassbar brutal“

Professor Chris P. Lohmann galt unter anderem als Spezialist für Netzhaut-Chirurgie.
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Professor Chris P. Lohmann galt unter anderem als Spezialist für Netzhaut-Chirurgie.

Er war einer der Top-Spezialisten für Netzhautchirurgie. Plötzlich und völlig überraschend ist der beliebte Münchner Mediziner im Alter von 58 Jahren verstorben. Ein Schock.

München - Ein Leben lang hat er alles gegeben, um anderen zu helfen. Doch ihn selbst traf der Tod viel zu früh und wie aus dem Nichts: Professor Dr. Dr. Chris Patrick Lohmann hat im Schlaf einen Herzinfarkt erlitten. Er wachte nicht mehr auf. Lohmann wurde nur 58 Jahre alt.

Herztod im Schlaf: Große Trauer um Münchner Top-Spezialisten

Der beliebte Münchner* Mediziner leitete bereits seit 2004 die Augenklinik des Uniklinikums rechts der Isar. Er zählte zu Deutschlands renommiertesten Ophthamologen, galt als Top-Spezialist für Netzhautchirurgie und forschte zuletzt unter anderem an neuen Therapieansätzen im Kampf gegen die gefürchtete -altersabhängige Makuladegeneration, die zur Erblindung führen kann. „Mit ihm verlieren der Freistaat, das Klinikum sowie die Patienten einen erfahrenen Spitzenmediziner“, sagte Wissenschaftsminister Bernd Sibler der tz. „Meine Gedanken und mein Mitgefühl sind bei den Angehörigen.“

Professor Chris P. Lohmann ist im Alter von 58 Jahren gestorben.

Uniklinikum rechts der Isar: Todesnachricht sorgt Schockstarre

Im Uniklinikum rechts der Isar* sorgte die Todesnachricht regelrecht für Schockstarre. „Das ist so schrecklich, ich bin entsetzt und unendlich traurig“, sagte Prof. Marion Kiechle, Chefin der Frauenklinik, der tz. „Chris war so ein toller Kollege, empathischer Arzt und liebevoller Vater.“ Das bestätigte auch Orthopädie-Chef Prof. Rüdiger von Eisenhart-Rothe: „Es war beeindruckend zu erleben, wie lieb und verständnisvoll Chris mit Kindern umgegangen ist. Wenn jemand seine Hilfe brauchte, hat er keine Sekunde gezögert.“ Marion Kiechle erinnert sich an ein Beispiel: „Ich war bei ihm, weil ich meine Brille im Zug liegen gelassen hatte, er schenkte mir sofort zwei seiner Lesebrillen. Als ich sie zurückbringen wollte, winkte er ab - typisch Chris. Er war einfach sehr großzügig.“

Für Prof. Peter Biberthaler ist Lohmanns Tod „unfassbar brutal“: „Chris war ein super Typ, der mitten im Leben stand“, erinnert sich der Chef der Unfallchirurgie. Verlässlichkeit sei Lohmanns Markenzeichen gewesen, berichtet Prof. Bernhard Meyer, der Chef der Neurochirurgie. „Und er hatte Humor, nahm sich auch mal selbst auf die Schippe.“ Sogar dann, wenn es ihm nicht so gut ging.

„Einen Schönheitspreis werde ich mit meinem Bein nicht mehr gewinnen. Aber immerhin passe ich jetzt wieder in einen Skischuh, da fällt’s nicht so auf“, sagte Lohmann der tz letzte Woche - nachdem er sich gerade vom Biss einer gefährlichen Giftspinne im Urlaubshotel in Dubai erholt hatte - inklusive vier Operationen und einer Hauttransplantation vom Oberschenkel an den Fuß. Er hat nie viel Aufhebens darum gemacht. Wer wissen wollte, wie es ihm geht, dem stellte Lohmann meist rasch eine Gegenfrage: Wie kann ich dir helfen?“

Herztod im Schlaf: Diese Alarmsignale sollten Sie nicht ignorieren

In deutschen Kliniken werden jedes Jahr etwa 212.000 Herzinfarktpatienten behandelt. 44.000 Menschen erreichen das Krankenhaus nicht mehr lebend, und nicht wenige versterben im Schlaf - so wie Prof. Lohmann. Auch Schlaganfälle treffen die Patienten häufig im Bett. „Es gibt Anhaltspunkte, dass bestimmte Schlafcharakteristiken das Risiko, einen Herz- oder Hirninfarkt zu erleiden, beeinflussen“, berichtet Prof. Andreas Stang. Er leitet ein entsprechendes Forschungsprojekt, das von der Deutschen Herzstiftung gefördert wird. „Man weiß zum Beispiel, dass sich durch den ansteigenden Blutdruck beim morgendlichen Aufwachen bei Menschen, deren Gefäße bereits angegriffen sind, Blutgerinnsel lösen und damit einen Herz- oder Hirninfarkt zur Folge haben können“, erläutert Dr. Anna-Therese Lehnich.

In manchen Fällen kündigt sich ein Herzinfarkt durch Alarmsignale an: starke Schmerzen, ein Druck- und Engegefühl im Brustkorb, heftiges Brennen, Angstschweiß mit kalter, fahler Haut, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch. Die Herzstiftung warnt davor, Vorboten eines Herzinfarkts zu ignorieren: „Sie treten nach neueren Daten bei circa 50 Prozent der Herzinfarktpatienten auch 24 bis 48 Stunden vor dem eigentlichen Infarkt auf.“ (bez) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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