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Keine Mehrheit für Müll-Schnüffler – Münchner sollen am Wertstoffhof nicht ausspioniert werden

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Von: Sascha Karowski

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Ärgerliche Zustände herrschen immer wieder an Münchner Wertstoffinseln. Unbelehrbare deponieren hier alles vom Rest- bis zum Sperrmüll.
Ärgerliche Zustände herrschen immer wieder an Münchner Wertstoffinseln. Unbelehrbare deponieren hier alles vom Rest- bis zum Sperrmüll. © Privat

Grüne und SPD lehnen es ab, Münchner Wertstoffinseln durch Detektive überwachen zu lassen. Das hatte Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU) vorgeschlagen.

München – In Wien gibt es sie, und auch Städte wie Hagen in Nordrhein-Westfalen greifen auf eine Gruppe Männer und Frauen zurück, die eingreifen, wenn Müll in der Öffentlichkeit entsorgt wird: die Waste Watchers. Beim Beispiel aus Österreich handelt es sich um Mitarbeiter der Verwaltung, die Delinquenten zur Beseitigung des Unrats auffordern und auch Anzeige stellen können.

Nun soll sich auch das Münchner Kommunalreferat mit der Idee beschäftigen. Den Vorschlag von Referentin Kristina Frank, die Wertstoffinseln in der Stadt von einer Detektei überwachen zu lassen, lehnte der Kommunalausschuss am Donnerstag mehrheitlich ab. Einzig die CSU votierte für den Antrag ihrer Parteifreundin.

München: Trotz vieler Beschwerden - künftig keine Detektive auf Wertstoffhöfen

Hintergrund des Vorstoßes war, dass es immer mehr Beschwerden von Bürgern gibt, dass an Wertstoffinseln Restmüllsäcke, Elektroaltgeräte und sogar Sperrmüll illegal entsorgt werden. Probleme gibt es vor allem in Riem, Allach, Aubing, Fürstenried, Feldmoching und Milbertshofen. Eine Detektei hätte testweise an 25 Schwerpunkten Wertstoffinseln überwachen und Verstöße gegen die Müllentsorgung dokumentieren sollen. Das Ausstellen der Bußgeldbescheide hätte weiterhin die Verwaltung übernommen – eine Praxis, die etwa in Ebersberg und Poing erfolgreich praktiziert wird.

„Auch uns ist das Thema Sauberkeit an Wertstoffinseln wichtig“, sagte SPD-Stadträtin Kathrin Abele. „Wir wissen, dass es viele Beschwerden gibt.“ Gleichwohl gefalle ihr der Ansatz nicht, Münchnern hinterherzuspionieren. Vielmehr solle nach Alternativen gesucht werden, die Stadt zudem auf Aufklärung setzen. „Wir möchten, dass man mit den Menschen reden kann.“

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München: Kommunalausschuss gegen CSU-Vorschlag - „Müll-Detektive lösen das Problem nicht“

Ähnlich argumentierte Sibylle Stöhr (Grüne). Und: Würde man den Test an 25 Wertstoffinseln durchführen, würde man nur rund 2,6 Prozent der 950 Anlagen abdecken. „Müll-Detektive lösen das Problem nicht“, sagte Stöhr. Es gehe generell auch darum, mal wegzukommen von den Gedanken an „Wacht, Wehr und Streife“. Sie warnte zudem davor, kommunale Aufgaben an Privatfirmen zu delegieren.

Mit Aufklärung und gutem Wille habe man es ja lange versucht, sagte CSU-Stadträtin Heike Kainz. Der Erfolg sei überschaubar, wie sie auch aus 20 Jahren Tätigkeit im Bezirksausschuss Allach-Untermenzing wisse. „Wir wollen die Detektive ausprobieren, nicht, weil wir den Münchnern hinterherspionieren wollen, sondern weil das Thema Sauberkeit an Wertstoffinseln sonst immer wieder aufkommt.“ Natürlich könne man nicht alle Wertstoffinseln überwachen, aber sie glaube, dass sich das rumsprechen würde.

Müll-Schnüffler in Münchner: CSU hatte auf abschreckende Wirkung gehofft

Man solle doch aus dem Problem eine Tugend machen, sagte Nicola Holtmann (ÖDP). Einem Vorschlag von Grünen-Stadtrat Christian Smolka folgend, könne man zusätzliche Container aufstellen, etwa für Elektrogeräte, wenn diese vermehrt an den Wertstoffinseln abgelegt würden.

CSU-Stadtrat Andreas Babor wies darauf hin, dass Falschparken beispielsweise auch kontrolliert werde, weil es eine abschreckende Wirkung habe. Auch er habe die Hoffnung an die Vernunft der Menschen noch nicht aufgegeben. „Aber anscheinend wird das ja nicht überall etwas.“

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