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Muttertag: Münchner Familien-Chefinnen erklären, wie Sie all ihre Aufgaben unter einen Hut bringen

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Von: Nina Bautz

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Sieglinde Feller über ihre Zeit als Mutter: „In unserer Ein-Zimmer-Wohnung in Sendling stand eine Wanne auf zwei Stühlen, da habe ich die Kinder gebadet.“
Sieglinde Feller über ihre Zeit als Mutter: „In unserer Ein-Zimmer-Wohnung in Sendling stand eine Wanne auf zwei Stühlen, da habe ich die Kinder gebadet.“ © Marcus Schlaf

Zum Muttertag rücken wir sie ganz besonders in den Fokus: Unsere Mamas. Fünf Geschichten aus dem Leben von Münchner Müttern.

München - Sie stehen für bedingungslose Liebe, für Stärke, für Schutz: unsere Mamas! Wie oft schon standen sie uns bei – in Nöten, haben Tränen getrocknet. Ein Vollzeit-Job. Dazu kommt: Die Mutter-Rolle hat sich in unserer Gesellschaft in den vergangenen Jahren immens verändert. Viele Familien-Chefinnen sind in ihrem Job voll eingebunden, machen Karriere. Am Sonntag ist Muttertag: Zeit, mal wieder laut Danke zu sagen. Wir haben mit Müttern gesprochen – und gefragt, wie sie es schaffen, ihre Aufgaben unter einen Hut zu bringen.

Münchner Mamas: Sieglinde Feller

Wenn Sieglinde Feller (93) aus Schwabing das Leben der heutigen Mütter sieht, stellt sie fest, dass damals „eigentlich alles“ anders war. Als sie in den 1950er-Jahren ihre Söhne Gerhard und Harald großgezogen hat, hatte sie weder ein Badezimmer oder eine Waschmaschine noch Kinderbetreuungsplätze. „In unserer Ein-Zimmer-Wohnung in Sendling stand eine Wanne auf zwei Stühlen, da habe ich die Kinder gebadet. Die Windeln habe ich immer ausgekocht. Und die Babynahrung habe ich selbst aus Spinat, gelben Rüben oder Kartoffeln zubereitet. Es war alles sehr primitiv, aber auch schön.“ Besser sei früher beispielsweise gewesen, dass Mütter nicht gearbeitet haben und viel mehr Zeit für die Kinder hatten. „Die waren länger Kinder und hatten auch kein technisches Spielzeug. Für ihre Seele war das besser.“

Dass Sieglinde gar keine Zeit für sich hatte, empfand sie nicht als schlimm. „Ich hatte selbst eine schwere Kindheit. Meine Mutter ist früh verstorben und wir waren sechs Kinder. Und plötzlich hatte ich meine eigene kleine Familie, meine heile Welt.“ In der sie die meiste Zeit allein verantwortlich war. Damals habe man dem Mann, der das Geld verdiente, Ruhe zugestanden. „Mein Mann war Lehrer. Und da es in der kleinen Wohnung mit Kindern laut war, war er viel bei seiner Mutter in Waldtrudering, um dort zu arbeiten.“ Dass der Vater beispielsweise Windeln wechselt, sei undenkbar gewesen.

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Münchner Mamas: Penka Donnert

Während der Pfannkuchen brutzelt, macht Penka Donnert (48) aus der Blumenau ihre Stretching-Übungen. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern zwischen fünf und elf Jahren muss jede Sekunde nutzen, wenn sie etwas für sich tun will. Einmal in Ruhe allein im Café sitzen – das schafft die selbstständige Heilpraktikerin nur, wenn der Vater die Kinder hin und wieder zu sich nimmt. „Manchmal denke ich schon: Ich kann nicht mehr kämpfen, ich schmeiße alles hin. Aber das sind nur kurze Momente.“ Und am nächsten Tag macht die tapfere Mutter wieder weiter. „Meine Kinder sind zum Glück sehr verständnisvoll. Als zum Beispiel meine Tochter Geburtstag hatte, ich einen Arbeitstermin hatte und mein Sohn bei einem Kindergeburtstag eingeladen war, habe ich es nicht mehr geschafft, ihn hinzubringen – aber er war gar nicht böse.“

Als Penka Donnert es nicht zu den Elternabenden von zweien ihrer Kinder schaffte, haben die Lehrer ihr einen separaten Termin gegeben. „Ich muss zugeben: In einer Großstadt wie München gibt es kaum Vorurteile gegen Alleinerziehende – dafür aber viele Hilfsangebote.“ Schwierig ist trotzdem die Wohnungssuche gewesen – vier Jahre hat sie gebraucht, um eine Bleibe für sich und ihre Kinder zu finden. Auch die Beziehung zu ihrem neuen Partner, der weiter weg wohnt, ist nicht immer einfach. „Vier Kinder und Distanzbeziehung – da ist es sehr schwer, sich zu sehen …“

Am Sonntag ist Muttertag. Der Klassiker unter den Geschenken bleibt wohl der Blumenstrauß. Doch wo bekommt man diesen auf die Schnelle noch her? Hier die besten Tipps für München und Bayern.

Münchner Mamas: Katrin Habenschaden

Mitten in der Sitzung klingelt das Telefon: Das Kind ist krank und muss von der Schule abgeholt werden! Keine leichte Aufgabe für Katrin Habenschaden (44). Die Grünen-Politikerin ist seit zwei Jahren Münchens Bürgermeisterin – ihr Terminplan ist fast immer voll. Als berufstätige Mutter einer Tochter (13) und eines Sohnes (16) ist auch sie schon an ihre Grenzen gestoßen.

„In diesem Fall konnte mein Mann kurzfristig einspringen. Ich bin dann heimgefahren, habe den nächsten Termin auf dem Weg mit dem Laptop auf den Knien erledigt und danach von zu Hause aus gearbeitet“, erinnert sich Katrin Habenschaden. Das digitale Arbeiten und das Teenager-Alter ihrer Kinder mache ihren Alltag inzwischen ganz gut „organisierbar“. Früher, als die Kinder kleiner waren und die Betriebswirtin für die Sparkasse tätig war, haben Habenschaden und ihr Mann beide in Teilzeit gearbeitet. Nun schaut ihr Mann, Geschäftsführer in einem Beratungsinstitut, dass er nachmittags für die Kinder da ist und abends weiter arbeitet. Und die Politikerin versucht, immer morgens und abends zuhause zu sein. „Und spätestens seit zwei Jahren, in denen ich weniger daheim bin, achte ich bewusst darauf, für Gespräche und Sorgen da zu sein. Deshalb nehme ich mir beim Zubettgehen und Aufwecken mehr Zeit, lege bewusst mein Handy weg und bin voll und ganz da.“ Da auch die Wochenenden einer Bürgermeisterin nie ganz frei sind, bemüht sich die Aubingerin, zumindest immer einen ganzen Tag freizuhalten, an dem die Familie Ausflüge macht oder zusammen Karten spielt.

Bevor Katrin Habenschaden für das Bürgermeister-Amt kandidierte, hat sie ihre Kinder dazu befragt. Beide waren dafür. Dennoch war die Realität im Wahlkampf nicht leicht. Oft ging die Mutter aus dem Haus, als die Kinder noch schliefen und kam heim, als sie bereits wieder schlummerten. „Ich erinnere mich, dass es auch mal Ärger gab, als ich früher als die anderen aus dem Urlaub zurückfahren musste oder einen Termin der Kinder nicht wahrnehmen konnte …“

Heute kann sich Katrin Habenschaden zumindest einen Teil der Termine so einteilen, dass sie mal aufs Sommerfest eines Kindes oder ähnliches gehen kann. „Meine Kinder sind aber groß genug zu verstehen, dass es in meinem Job auch Verpflichtungen gibt, die Mama einfach nicht absagen kann. Und es hilft, dass sie sehen, dass ich meinen Traumjob mache.“

Münchner Mamas: Silja Schrank-Steinberg

Solange sich Silja Schrank-Steinberg (50) erinnern kann, hat sie nie auf der Wiesn gefehlt. Klar: Sie ist Tochter der Wiesnwirt-Urgesteine Günter und Margot Steinberg und mittlerweile selbst Wirtin vom Hofbräuzelt und dem Hofbräukeller. 2001 musste sie fast passen: Denn da ist ihr Sohn am dritten Wiesn-Tag auf die Welt gekommen. „Aber am letzten Festtag habe ich es nicht ausgehalten und bin mit ihm in der Babyschale gleich in der Früh ins Zelt gegangen und habe ein Hendl gegessen.“

Die Wiesnzeit zu organisieren war immer eine Mammutaufgabe für die Mutter eines Sohnes (20) und einer Tochter (16). Unterm Jahr hat die Wirtin anfangs darauf geachtet, nur halbtags im Büro des Hofbräukellers zu arbeiten. Klar: Ihre Kinder waren und sind auch mal im Lokal oder Zelt, um die Mama zu sehen. „Aber mir war immer wichtig, dass sie da nicht noch um 22 Uhr rumhupfen, sondern dass sie pünktlich ins Bett gehen.“ Wenn es gar nicht anderes ging, sprangen ihre Eltern ein, bei denen die Kinder schon früh auch übernachteten. Heute sind Tochter und Sohn froh, eine Wiesn-Wirtin zur Mutter zu haben: Wenn der Sohn heute Geburtstag hat, kann er mit seinen Kumpels im Zelt feiern – und hat garantiert einen Platz.

Münchner Mamas: Claudia Koreck

Sie war mit gerade einmal 23 Jahren eine der ersten im Freundeskreis, die schwanger wurde. Die Singer-Songwriterin Claudia Koreck (35) war gerade voll auf der Erfolgsspur und viele rieten ihr aus Karrieregründen ab. „Aber ich habe geantwortet: Ich mache Musik aus dem Leben – da darf ich das Leben nicht vernachlässigen.“ Denn für sie war immer klar, dass zu ihrem Leben Kinder dazugehören.

Ein Sohn (heute 11) und eine Tochter (heute 8) sollten es werden. Am Anfang fühlte sich die Sängerin zwischen ihren Kindern und der Musik zerrissen. „Als Timmi ein halbes Jahr alt war, habe ich mich zu einer Tour überreden lassen. Ich habe ihn eine Woche lang schrecklich vermisst“, sagt sie. Bei Tochter Lani habe sie dann langsamer gemacht. Dennoch sei es noch immer schwierig, beide Welten zu vereinbaren. „Wenn ich viel mit Haushalt und Kindern um die Ohren habe, aber Ideen für neue Songs habe – dann muss ich oft nachts arbeiten.“ Ihr Mann Gunnar ist auch mit in der Band, das heißt, beide gehen immer gemeinsam auf Tour. „Wir schauen, dass wir immer nur ein paar Tage weg sind. Und die Kinder sind bei meinen Eltern glücklicherweise gut aufgehoben.“ Claudia ist eine glückliche Mutter. „Schön ist, dass man die Welt wieder aus Kinderaugen sieht. Und man dreht sich nicht mehr nur um sich selbst, das tut gut.“

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