MVG Ärger

„Der Fahrer hat doch gesehen, dass ich ein Gehwagerl habe“ - Busfahrer lässt Frau mit Rollator einfach stehen

Angelika Kammerer mit ihrem Gehwagerl an der Haltestelle Caracciolastraße
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Angelika Kammerer mit ihrem Gehwagerl an der Haltestelle Caracciolastraße.

Sie steht pünktlich an der Haltestelle und hat ein gültiges Ticket - doch der Bus fährt ihr einfach vor der Nase weg. Keiner nahm von der Frau Notiz. Wie kann das sein?

  • Eine Frau hat eine erschütternde Erfahrung mit den Öffentlichen in München gemacht.
  • Ein Bus fuhr einfach davon. Keiner nahm Notiz.
  • Die 61-Jährige blieb hilflos mit dem Ticket in der Hand zurück.

München - Einsteigen und mitfahren – so sollte es eigentlich bei den öffentlichen Bussen funktionieren. Doch Angelika Kammerer hat andere Erfahrungen gemacht: Ihr fährt der Bus direkt vor der Nase weg – trotz gültigen Tickets. Dabei ist sie rechtzeitig an der Haltestelle und wartet schon mit ihrem Rollator auf die Linie 171, beladen mit den Einkäufen des Tages. Der Bus kommt pünktlich, hält an – und fährt dann weiter. Die gehbehinderte Frau bleibt zurück. Sie hat es ohne fremde Hilfe nicht hinein­geschafft.

„Die haben einfach in ihre Handys gestarrt und mich ignoriert“

Die 61-Jährige schüttelt heute noch den Kopf, wenn sie an den vergangenen Mittwochnachmittag denkt: „Der Fahrer hat doch gesehen, dass ich ein Gehwagerl habe und nicht allein hineinkomme.“ Auch von den Fahrgästen nimmt niemand Notiz von ihr. „Die haben einfach in ihre Handys gestarrt und mich ignoriert.“ Kammerer schaut hilflos zu, wie sich die Türen direkt vor ihren Augen wieder schließen, das Ticket hält sie noch in der Hand. 

Der Frau bleibt nichts übrig, als den Heimweg zu Fuß anzutreten. Drei Stationen mit dem Bus wären es bis zu ihrer kleinen Wohnung in der Glockenbecherstraße im Hasenbergl gewesen. So wird der Gang zur Tortur – wie viele andere Dinge des Alltags. Sie hat sich vor drei Monaten die Schulter gebrochen, schon seit Längerem hat sie ein künstliches Kniegelenk. Allein die wenigen Treppenstufen hinauf zur Wohnung sind für sie eine Herausforderung.

Münchner Busfahrer sollen „kundenorientiert auftreten“

MVG-Sprecher Matthias Korte.

Grundsätzlich sind die Münchner Busfahrer angehalten, auf solche Situationen an den Haltestellen zu reagieren, heißt es von der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Das gilt natürlich auch für die Fahrer von Kooperationspartnern – wie im konkreten Fall auf der Linie 171, die die MVG nicht selbst bedient. Die Chauffeure sollen „kundenorientiert auftreten“ und „im Rahmen ihrer Möglichkeiten hilfsbereit“ sein. Zum Beispiel durch eine umsichtige Fahrweise oder auch das Absenken (Keeling) des Busses. „Falls das Keeling im konkreten Fall nicht zur Anwendung kam, bitte ich um Entschuldigung“, so MVG-Sprecher Matthias Korte. Gleichzeitig wirbt er um Verständnis dafür, dass ein Fahrer hinterm Steuer sitzen bleibt. Wenn er an jeder Haltestelle seinen Platz verlässt, passt an anderer Stelle der Plan nicht mehr. Korte: „Dann gibt’s den nächsten Ärger.“

Mit dem Gehwagerl in den Öffentlichen

Wer mit dem Rollator in Bus und Bahn unterwegs ist, steht oft vor besonderen Herausforderungen. Nicht nur beim Einsteigen – wie im Fall von Angelika Kammerer, sondern auch, wenn man reinkommt und der Fahrer Gas gibt. Die MVG bietet deshalb regelmäßig Schulungen für gehbehinderte Menschen an. Beim Kurs „Mit Bus und Tram sicher ans Ziel“ üben die Teilnehmer beispielsweise das Busfahren in einem eigens zur Verfügung stehenden Fahrzeug. Die Trainer gehen dabei auf die besonderen Anforderungen bei der Nutzung von Rollator oder Rollstuhl ein. Das Modul „Sicherheit und Service im öffentlichen Nahverkehr“ befasst sich mit Fragen wie: Warum darf man mit einem Rollator nicht Rolltreppe fahren? Wo bekomme ich Hilfe, wenn an der U-Bahn-Station der Aufzug defekt ist? Wie bedient man eine Notrufsäule? Weitere Infos zu den Angeboten im Internet unter mvg.de.

Schwangere Mutter mit Kinderwagen - Zugbegleiter verweigert Hilfe

Ein andere Fall macht aktuell Schlagzeilen: Eine junge Mutter wollte mit Kinderwagen mit der Bahn verreisen. Beim Einsteigen verweigert ihr eine Schaffnerin Hilfe. Über diesen Ärger twittert die Schwangere. Die Antwort der Bahn macht sprachlos.

Ärger mit dem MVV gibt es auch von einer ganz anderen Seite. Denn, wie streng Kontrolleure die Regeln des MVV durchsetzen, hat ein Ehepaar bei einer Busfahrt erlebt: Der Münchner half seiner derzeit gehbehinderten Frau auf ihren Platz. Ein Fehler, wie sich zeigte.   

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Nico Rading

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