Eindämmung der Infektionsgefahr

Schweigepflicht in Bus und Bahn: Spanische Verhältnisse in München? MVG-Chef fordert Maßnahme

Unterstützt ein Schweigegebot im öffentlichen Nahverkehr ausdrücklich: MVG-Chef Ingo Wortmann
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Unterstützt ein Schweigegebot im öffentlichen Nahverkehr ausdrücklich: MVG-Chef Ingo Wortmann.

Dem ÖPNV wird weiter eine hohe Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus attestiert. Der Chef der MVG macht sich für eine Maßnahme nach spanischem Vorbild stark: Schweigepflicht.

München - Maske rauf, Mund zu! Geht es nach Ingo Wortmann, dann soll es ruhig in Bussen und Bahnen werden. Der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hat sich im Deutschlandfunk für die Einführung eines Schweigegebots in öffentlichen Verkehrsmitteln nach spanischem Vorbild ausgesprochen. Dazu gehört auch die dringende Empfehlung, dass man in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr telefonieren soll. „Das würden wir sehr stark unterstützen“, sagte Wortmann in seiner Funktion als Vorsitzender des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen.

In Deutschland gibt es bisher keine Initiative des Bundes oder der Länder, so eine Regelung einzuführen. Und auch in München* liegen keine Pläne für ein Telefonverbot auf dem Tisch. „Wir setzen auf den Appell“, sagt MVG-Sprecher Michael Silva. Also eine Bitte, „dass die Menschen ihre Gespräche auf ein Minimum reduzieren“.

München: Telefonierverbot im ÖPNV? Schweigen hilfreich, aber „schwer zu kontrollieren“

Hintergrund: Wird im öffentlichen Nahverkehr geschwiegen, könnten weniger potenziell infektiöse Aerosole in die Luft* geschleudert werden. Denn Wortmann sagt, er habe immer wieder beobachtet, dass Leute zum Telefonieren die Maske abziehen. Das trägt in diesen Zeiten nicht dazu bei, die Pandemie einzudämmen. Wortmann räumte aber auch ein, dass ein Schweigegebot zwar gegen die Verbreitung von Aerosolen hilfreich, aber „schwer zu kontrollieren“ wäre.

Er würde auf die Vernunft der Menschen setzen, zum Schutz anderer auf das Telefonieren zu verzichten. So handhaben es auch die Behörden auf den Balearen-Inseln Mallorca und Ibiza. Dort gibt es seit vergangener Woche wegen hoher Infektionszahlen eine dringende Schweigeempfehlung der Regierung für den öffentlichen Nahverkehr.

München: Wegen Corona mehr Fahrzeuge im Nahverkehr? MVG wiegelt ab - „Geht nicht“

In Deutschland wird angesichts überfüllter Waggons auch darüber diskutiert, die angespannte Situation mithilfe zusätzlicher Züge und Busse zu entspannen. Ein Vorstoß, den Wortmann für München aber zurückweist. „Das schaffen wir nicht“, stellte er mit Blick auf die angespannte finanzielle Lage klar. Es gebe 20 Zusatzbusse, die zum Einsatz gekommen sind. Etwa, als die Schulen noch geöffnet waren. „Mehr geht nicht.“

Dabei gab es für das Unternehmen zuletzt aufgrund der Corona-Krise einen Geldsegen. Die MVG ist „sehr dankbar“ - Sparmaßnahmen wurden dennoch angekündigt. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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