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Bahnsteigtüren für die U-Bahn: MVG beerdigt für 2023 geplanten Pilotversuch – wegen der Kosten

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Von: Sascha Karowski

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Bei der neuen U-Bahn-Linie 9 sollen Bahnsteigtüren eingebaut werden.
Bei der neuen U-Bahn-Linie 9 sollen Bahnsteigtüren eingebaut werden. Einen Pilotversuch am Olympiazentrum wird es aber vorerst nicht geben. © MVG

Das Projekt Bahnsteigtüren für die U-Bahn in München steht vor dem Aus. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) wollte das System am Bahnhof Olympiazentrum testen. Doch dann kam Corona.

München – In München wird es vorerst doch keine Bahnsteigtüren in der U-Bahn geben. Wie unsere Redaktion exklusiv erfahren hat, verabschiedet sich die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) von dem Pilotprojekt am Olympiazentrum. Dort hätten bereits im kommenden Jahr Bahnsteigtüren installiert werden sollen. Jedoch sind die Kosten zu hoch. Die Verkehrsbetriebe müssen sparen. „Wann das Testsystem realisiert werden kann, ist aufgrund der Auswirkungen der Pandemie derzeit wieder offen“, heißt es in einem internen Schreiben.

München: Bahnsteigtüren in der U-Bahn sollten für mehr Sicherheit sorgen

Die Idee, U-Bahnhöfe mit Bahnsteigtüren sicherer zu machen, kam im Jahr 2017 auf. Eine Machbarkeitsstudie verlief positiv. Nach dem Tod eines 41-jährigen Blinden am U-Bahnhof Josephplatz entbrannte erneut die Diskussion über Bahnsteigtüren in München. Das Pilotprojekt am U-Bahnhof Olympiazentrum hatte die CSU beantragt. Der Bahnhof im Norden bötet sich an, weil er über vier Gleise verfügt. Die Bahnsteigtüren hätten eingebaut werden sollen, ohne dass es zu Einschränkungen für die Fahrgäste kommt. Das neue System hätte aus einer Wand mit Einlässen bestanden – diese Zugänge öffnen sich erst, wenn der Zug steht.

U-Bahnhöfe in London und Paris sind damit bereits ausgestattet. Die MVG hatte sich 2019 zu dem Pilotversuch entschieden. Das Vorhaben stieß bundesweit auf große Beachtung, weil kurz zuvor in Frankfurt ein Bub vor einen ICE gestoßen wurde. München wäre die erste Stadt in Deutschland gewesen, die Bahnsteigtüren eingeführt hätte. Zuletzt hatte auch die S-Bahn signalisiert, Bahnsteigtüren an den Bahnhöfen testen zu wollen.

Die MVG hätte den Pilotversuch ausschließlich auf die neueren C-Züge abgestimmt sein, die ab 2030 auf allen Linien fahren sollen. Bislang sind lediglich für die Neubauten der Bahnhöfe für die U9 Bahnsteigtüren vorgesehen, die MVG unterhält über 100 U-Bahnhöfe. Der Test hätte ein bis zwei Jahre dauern sollen. Die Kosten waren damals auf rund eine Million Euro taxiert worden.

Bahnsteigtüren in München: CSU will am Projekt festhalten - „Stadt darf nicht noch mehr Zeit verlieren“

Mit Bahnsteigtüren können nicht nur Unfälle verhindert werden, da diese Zwischentüren sich erst öffnen, wenn der Zug zum Stillstand gekommen ist. Auch Betriebsstörungen würden minimiert. 2018 hatte der Betrieb 340 Mal unterbrochen werden müssen. 215 Mal waren Personen im Gleis, zudem wurden 21 Menschen verletzt oder getötet. In 115 Fällen sorgten Gegenstände für Behinderungen im U-Bahn-Verkehr, in zehn Fällen waren es Tiere.

CSU-Chef Manuel Pretzl will auch vor diesem Hintergrund unbedingt an dem Verkehrsversuch festhalten. Auf Anfrage sagte er: „Um Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV zu bewegen, müssen wir ihnen ein attraktives, dicht getaktetes und verlässliches Angebot machen.“ Bahnsteigtüren steigerten nicht nur die Sicherheit im ÖPNV, sondern ermöglichen auch eine höhere Taktung und einen stabileren Betrieb. „Sie verhindern Personen im Gleisbett und Verzögerungen beim Zu- und Ausstieg. Wir fordern die Weiterführung des Pilotprojekts. Die Stadt darf hier nicht noch mehr Zeit verlieren.“

Mehr als 50 Jahre bringt die Münchner U-Bahn die Menschen in der Landeshauptstadt schon an ihr Ziel. Wir verraten Kurioses und Geheimnisvolles aus dem Münchner Untergrund.

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