MVG rechnet mit weiteren Streiks

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München - Der Tarifstreit bei der Deutschen Bahn und im Nahverkehr: Am Freitag verhandeln die Gewerkschaften Transnet und GDBA wieder für einen einheitlichen Tarifvertrag für die Mitarbeiter der DB und der Privatbahnen.

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Am Mittwoch geht es mit den Tarifverhandlungen für den Nahverkehr in Bayern weiter. Hier sind die Fronten verhärtet. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer ist mit dem Ergebnis von 3,5 Prozent mehr Lohn, das die Gewerkschaften Verdi und GÖD erreicht haben, nicht zufrieden. Sie fordern die Bezahlung von Anfahrten vom und zum Dienst und für die Sicherheitskon­trolle der Fahrzeuge vor Dienstbeginn.

Der Verhandlungsführer der kommunalen Arbeitgeber und Personalchef der Stadtwerke München, Reinhard Büttner, zeigt sich im Interview mit der tz nicht bereit, von seinem Standpunkt abzurücken. Damit werden neue Streiks wahrscheinlich. Büttner zur tz: „Diese Entscheidung liegt ausschließlich bei der GDL.“

„Wir können nicht nachgeben“

Herr Büttner, warum verhandeln die Arbeitgeber nicht mehr mit der GDL?

Reinhard Büttner: Wir haben am 3. November wieder Gespräche vereinbart. Nach zwei Monaten Pause.

Ihr Angebot war schlechter als der Abschluss mit den Gewerkschaften Verdi und der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst GÖD.

Büttner: Wir haben mit allen Gewerkschaften verhandelt. Die GDL hat die Verhandlungen für gescheitert erklärt, während wir mit den anderen Gewerkschaften zu einem Abschluss gekommen sind. Die Verhandlungen mit der GDL knüpfen da an, wo sie aufgehört haben.

Was wollen die Leute von der GDL eigentlich?

Büttner: Sie haben bei den Themen Arbeitszeit und geteilte Dienste andere Forderungen als Verdi und die GÖD. 

Bei geteilten Diensten müssen die Fahrer früh zum Arbeitsplatz, nach vier Stunden nach Hause, um dann abends wieder für vier Stunden anzurücken. Für jemanden, der außerhalb wohnt, ein Problem. Wäre es also nicht gerechtfertigt, einen Teil der Fahrzeiten als Arbeitszeit zu anzurechnen?

Büttner: Gerade die geteilten Dienste werden von vielen Fahrern ausdrücklich gewünscht, weil sie mittags zu Hause sind und ihre Kinder betreuen können. Müssten wir diese Zeiten anrechnen, wären diese geteilten Dienste unbezahlbar. Wir müssten die entsprechende Betriebsvereinbarung kündigen.

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Wieso kann man keine Sondervereinbarung mit der GDL abschließen?

Büttner: Dann hätten wir zwei verschiedene Tarifabschlüsse mit unterschiedlicher Zeitplanung. Das würde bedeuten, dass die Diensteinteilung sehr chaotisch würde. Außerdem würde ein besserer GDL-Abschluss wiederum die anderen Gewerkschaften dazu ­zwingen, sie in der nächsten Tarifrunde zu überbieten. Eine kostspielige Spirale.

Wie teuer wäre ein GDL-Abschluss?

Büttner: Wir rechnen mit 6 Millionen Euro Mehrkosten jährlich. 

Die MVG-Mutter SWM macht heuer voraussichtlich 373 Millionen Euro Gewinn. Wäre da die GDL-Forderung nicht finanzierbar?

Büttner: Die Gewinne der SWM gehen an die Stadt und werden in Zukunftsaufgaben wie den Ausbau regenerativer Energien investiert. Im übrigen muss der Verkehr getrennt finanziert werden.

Die MVV-Preise sind seit 1999 ja schon um 35 Prozent gestiegen…

Büttner: Die Fahrgeldeinnahmen dienen nur zum Ausgleich der Betriebskosten. Die Infrastrukturkosten müssen ohnehin überwiegend aus dem SWM-Ergebnis und damit von der Stadt finanziert werden.

Für wie viele Mitarbeiter spricht die GDL überhaupt?

Büttner: Beim Fahrdienst der MVG gehen wir von 40 Prozent aus, insgesamt von einem ein Viertel der Belegschaft.

Früher war Verdi stärker, warum?

Büttner: Viele Fahrer fühlen sich offenbar von der GDL besser vertreten. 

Es geht ja beim Tarifstreit auch darum, dass viele der bei der GDL organisierten Fahrer Altverträge haben und durch die tarifliche Umstellung 2005 jedes Jahr auf Geld verzichten. Wie würden Sie reagieren?

Büttner: Es ist verständlich, dass man sein Einkommen verteidigt. Den seiner Zeit vereinbarten Kürzungen stehen Abfindungen von 3000 bis 12000 Euro gegenüber, die die Betroffenen damals bekommen haben.

Was kostet der Streik die MVG?

Büttner: Er kostet uns viel Nerven, wir müssen Fahrer von auswärts requirieren und Überstunden machen. Zahlen haben wir noch nicht.

Wie geht es weiter mit den Verhandlungen? Oberbürgermeister­Christian Ude, selbst Verdi-Mitglied, spricht bereits von Aussperrung.

Büttner: Er ist verärgert, wie die Sache abläuft. Es bleibt abzuwarten, ob wir dieses Instrument anwenden.

Wie sind die Aussichten auf eine ­Einigung am Mittwoch?

Büttner: Wir können nicht nach­geben, weil wir dann schon verloren hätten.

Interview: Johannes Welte

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