Mit dem ÖPNV fahren wird teurer

MVV erhöht Ticketpreise: Stimmung der Münchner im Keller - „In anderen Städten bessere Angebote“

S-Bahn-Verkehr in München (Symbolbild).
+
S-Bahn-Verkehr in München (Symbolbild).

Der ÖPNV soll in München angeblicher attraktiver werden. Doch bald steht mal wieder eine Preiserhöhung beim MVV an. Pendler sind wenig begeistert von der Maßnahme.

  • Viele Städte legen Wert auf eine Verkehrswende - und unterstützen den Wandel zum Öffentlichen Nahverkehr.
  • In München ist der Fall anders gelagert. Statt "Grüner Mobilität" wird demnächst der MVV die Preise erhöhen.
  • Und das, obwohl Bayern an die MVG aufgrund von Corona Finanzhilfen überweist. Pendler sind entsetzt.

Update vom 11. September, 8.15 Uhr: Die Preise für die MVV-Tickets in München werden angehoben, darauf hat sich die Gesellschafterversammlung verständigt. Die Erhöhung sei unumgänglich, heißt es. Wir stellen das Tarifsystem und eine Übersicht auf die Fahrpreise vor.

Update vom 9. September, 22.15 Uhr: Am Donnerstag wird’s ernst. In einer gemeinsamen Sitzung wollen der Verbundrat und die Gesellschafterversammlung die künftigen Preise für MVV-Fahrkarten (ab Dezember) beschließen. Klar ist bereits, dass es teurer wird (siehe unten). Die Rede ist von vier Modellen, die unterschiedliche Preissteigerungen vorsehen – zwischen 2,8 und 5,1 Prozent. Die Varianten unterscheiden sich offenbar nur in der Frage, wie die Erhöhung auf Zeit- und Präsenzkarten umgelegt wird. Im Vorjahr hatte es eine Nullrunde gegeben – als Bestandteil einer umfassenden Tarifreform. Jetzt wird’s teurer. Wir haben MVV-Passagiere nach ihrer Meinung gefragt:

MVV dreht in München an der Preisschraube: Grüne Mobilität? Die Preise werden immer teurer

Sophia W. (Studentin): Ich bin Studentin und München ist für uns sowieso schon sehr teuer. Ich zahle 196 Euro für meine IsarCard Semester und auch andere Ausbildungstarife werden teurer anstatt günstiger. Da gibt es in anderen Städten bessere Angebote für Studenten: In Regensburg zum Beispiel ist das Ticket für die Öffis gleich im Studentenausweis integriert. So was würde ich mir für München auch wünschen.

Rüdiger S. (Purser bei Lufthansa): Ich fahre nur gelegentlich mit den Öffentlichen und kaufe dann Einzeltickets. Trotzdem finde ich einen teureren Preis einfach nicht mehr zeitgemäß. Wir brauchen Grüne Mobilität, die kann aber nicht kommen, wenn die Preise für die Öffentlichen immer teurer werden. Ein gutes Vorbild sind die Wiener: Da kostet das Ticket 365 Euro – Söder hatte es auch mal angekündigt, aber da kommt nichts. Ich wäre der erste, der alle Autos aus der Innenstadt schmeißen würde. Dafür braucht’s aber Mut, und ob den unser rot-grüner Stadtrat hat, ist fraglich. 

David M. (Gewerkschaftssekretär Verdi): Das ist das falsche Zeichen. Die Mehrwertsteuer wird gesenkt und die MVG wird teurer. Wir brauchen mehr Anreize für den ÖPNV. Das klappte ja auch mit dem neuen M-Tarif, bei mir hatte sich das richtig gelohnt, dadurch zahle ich 10 Euro weniger pro Monat. Jetzt wird die Wirkung wieder ausgehebelt. Schade.

MVV erhöht in München die Ticketpreise - Nach zwei Jahren Pause wird‘s wieder teurer

Ursprungsartikel vom 8. September: München – Corona hat enorme finanzielle Auswirkungen auf die Verkehrsbetriebe. Allein der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sind durch den Fahrgastrückgang Einnahmen in Höhe von rund 190 Millionen Euro weggebrochen. Erst vor Kurzem hatte der Freistaat mitgeteilt, als erstes Bundesland überhaupt Finanzhilfen an die Verkehrsbetriebe zu überweisen. Insgesamt erhalte Bayern für den Nahverkehr 381 Millionen Euro vom Bund. Dennoch will der Münchner Verkehrsverbund (MVV) nun die Ticketpreise anheben.

Nach Informationen unserer Zeitung sollen in einer gemeinsamen Sitzung der Verbundrat sowie die Gesellschafterversammlung des Verkehrsverbundes am morgigen Donnerstag eine Erhöhung der Fahrkartenpreise beschließen. Die Rede ist von vier Varianten, die unterschiedliche Preissteigerungen vorsehen – dem Vernehmen nach zwischen 2,8 und 5,1 Prozent.

München/MVV: Preiserhöhung sei unumgänglich, heißt es aus Kreisen des Verkehrsverbundes

Die Varianten unterscheiden sich offenbar lediglich in der Frage, wie die Erhöhung auf Zeit- und Präsenzkarten umgelegt werde. Die Erhöhung selbst gilt demnach als sicher. Im Vorjahr hatte es erstmals eine Nullrunde gegeben. Grund war die Tarifreform. In deren Folge waren die Preise für die Pendler im Schnitt um 7,2 Prozent abgesenkt worden.

Die Tariferhöhung nun sei allerdings unumgänglich, heißt es aus Kreisen des Verkehrsverbundes. Aber sie werde maßvoll sein. Robert Niedergesäß (CSU), Landrat in Ebersberg und Sprecher der Landräte im MVV-Gebiet, sprach am Dienstag von einer „sehr moderaten Erhöhung im unteren einstelligen Bereich“. Die Pendler hätten drei sehr erfreuliche Jahre mit einer nur kleinen Erhöhung, einer Nullrunde und sogar einer Preissenkung gehabt. „Es war klar, dass das nicht ewig so weiter gehen kann.“

Ursache für die Preiserhöhung in München* seien Kostensteigerungen etwa bei den Löhnen. Auch eine Großraumzulage für die Münchner Beschäftigten trage zu den Kostensteigerungen bei. Mit den Einnahmeausfällen während der Corona-Krise habe die neuerliche Erhöhung aber nichts zu tun. „Diese Verluste dürfen wir nicht an die Fahrgäste weitergeben.“ Dafür sei ein ÖPNV-Rettungsschirm des Bundes und der Länder beschlossen. Das Fahrgastaufkommen im MVV-Raum, zu Anfang der Corona-Krise um 90 Prozent eingebrochen, habe sich mittlerweile auf 70 Prozent der Vor-Corona-Zeit stabilisiert.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

München als reales „Monopoly“? Milliardär kauft sich nächste Immobilie - mitten im Herzen der Stadt
München als reales „Monopoly“? Milliardär kauft sich nächste Immobilie - mitten im Herzen der Stadt
Erst letzte Woche verordnet: München kippt Corona-Regel - einschneidende Maßnahme fällt wieder weg
Erst letzte Woche verordnet: München kippt Corona-Regel - einschneidende Maßnahme fällt wieder weg
Frau radelt durch München, dann macht sie widerliche Entdeckung - Polizei schickt prompt mehrere Streifen los
Frau radelt durch München, dann macht sie widerliche Entdeckung - Polizei schickt prompt mehrere Streifen los
Münchner Wirt fühlt sich von seiner Versicherung im Stich gelassen - „Es geht um meine Existenz“
Münchner Wirt fühlt sich von seiner Versicherung im Stich gelassen - „Es geht um meine Existenz“

Kommentare