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MVV: Überlegungen zu Tarifen für Gelegenheitsfahrer

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Von: Marc Kniepkamp

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Kommt das 365-Euro-Ticket nach Bayern? Die DGB fordert diese Entlastung für Azubis - und einen Ausbau der Strecken. (Symbolbild)
Kommt das 365-Euro-Ticket nach Bayern? Die DGB fordert diese Entlastung für Azubis - und einen Ausbau der Strecken. (Symbolbild) © Fredrik Von Erichsen/dpa

Die klassische Fünf-Tage-Woche im Büro ist heute längst nicht mehr Standard. Die Verkehrsunternehmen haben auf diesen Umstand in ihrer Tarifgestaltung bisher kaum reagiert, sie setzen vor allem auf Zeitfahrkarten und Jahresabonnements. Diese werden für Menschen, die häufig im Homeoffice arbeiten immer unattraktiver. Ein Umsteuern ist dem Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) jedoch zu teuer.

In vielen Unternehmen ging der Trend bereits vor der Pandemie zum Homeoffice, mit Corona hat das Thema aber einen unvorstellbaren Aufschwung erlebt. Diese veränderten Arbeitsstrukturen stellen auch die Tarifstruktur des MVV vor große Herausforderungen: Viele Kunden mit Monats- oder Jahreskarten fragen sich, ob sich diese Fahrscheine für sie überhaupt noch lohnen, wenn sie nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren müssen. Allerdings gibt es bisher kein attraktives Angebot für Gelegenheitsfahrer im MVV.

ÖDP-Stadträtin Sonja Haider hatte deshalb in einem Antrag gefordert, die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen müssten zu einer Neugestaltung der Tarifstruktur führen. Der MVV hält die Idee zwar für „durchaus nachvollziehbar“ und dazu geeignet, Neukunden für den ÖPNV zu gewinnen, lehnt sie aus Kostengründen jedoch ab. Es sei „zu beachten, dass preislich reduzierte Angebote, seien es auch nur für eine bestimmte Anzahl an Nutzungstagen gebundene Angebote, zu Mindereinnahmen bei den Verkehrsunternehmen führen“. Diese könnten nur durch Verteuerungen an anderer Stelle oder durch Zuschüsse der öffentlichen Hand ausgeglichen werden.

Zudem testet der MVV derzeit ein eTarif-Projekt - dabei werden einzelne Fahrten per App bezahlt. Der Preis richtet sich nach der Entfernung zwischen Start und Ziel. „Es gibt einen Tagesdeckel sowie Boni für den Folgemonat ab der vierten Fahrt pro Monat“, heißt es beim MVV. Dieses Pilotprojekt könne den Weg in eine neue Angebotsstruktur weisen, allerdings ist es dafür jetzt noch zu früh. „Selbstverständlich wird das Pilotprojekt kontinuierlich weiterentwickelt – beispielsweise wird hier im kommenden Jahr die sogenannte ‚geglättete Strecke‘ eingeführt, welche die Luftlinienkilometer noch feiner zwischen den einzelnen durchfahrenen Haltestellen und nicht nur – wie im anfänglichen Modell – zwischen Ein- und Ausstiegshaltestelle zugrunde legt“, heißt es vom MVV weiter.

Man könne sich also durchaus flexiblere Tarifmodelle vorstellen. „Über das Pilotprojekt eTarif hinaus gibt es Überlegungen zur Weiterentwicklung des Abonnements hin zu abgestuften Angeboten – ähnlich den Produkten von Anbietern aus anderen Branchen, z.B. Stromversorgung oder Telekommunikation. Auswählbare Zusatzoptionen erhöhen dabei die Flexibilität und Individualität für die Kunden. Diese Überlegungen befinden sich aber noch im Anfangsstadium.“

Letztlich ist es an der Politik zu entscheiden, wie viel ihr ein solcher Kurswechsel wert ist. „Auf Grund der Tatsache, dass ein großer Teil der Kosten des ÖPNV von der öffentlichen Hand ausgeglichen werden muss, wird letztlich der Politik die Aufgabe zufallen, die Weichen für Veränderungen zu stellen, und deshalbist eine gemeinsame Diskussion darüber in den entsprechenden Gremien auf jeden Fall begrüßenswert“, heißt es vom MVV.

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