Magische Zahlen und Kampf mit dem Teufel

Münchner Mythen: Besondere Geschichten zu bekannten Sehenswürdigkeiten - Ein Überblick

Eine Taube flattert auf, im Hintergrund ist der Turm des Alten Peter zu sehen
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Das Werk des Teufels? Die Turmspitze des „Alten Peter“ ist etwas schief.

München bietet allerhand überraschende Sehenswürdigkeiten. Hinter einigen verbergen sich besondere Geschichten. Wir stellen ein paar Mythen vor.

München - Wer mit der Hand über die Nasen der Löwen an der Residenz* reibt, wird viel Glück haben. Pech hatte dagegen der Teufel, als er einst entdeckte, dass in der Frauenkirche Fenster waren - und beim Aufstampfen einen Fußabdruck im Boden hinterließ. Zwei bekannte Mythen aus unserer Stadt. Aber es gibt noch viele weitere sagenhafte Geschichten in München.

Christopher Weidner (54), Chef der Reiseführer „Stadtspürer“, hat 23 verwunschene Orte mit passenden Spaziergängen in einer Broschüre zusammengefasst: „Mystisches München*“. Mit der tz ist Weidner sieben Mythen auf der Spur.

Münchner Mythen: Die Mariensäule

Die meisten Menschen blicken hier nach oben auf die vergoldete Maria*. „Dabei geht es zu ihren Füßen sehr mystisch zu“, weiß Christopher Weidner: „Hier kämpfen vier bewaffnete Putti gegen die vier Grundübel der Menschheit.“ Gegen die Schlange (steht für Ketzerei), den Drachen (Hunger), den Löwen (Krieg) und gegen den Basilisken, der die Pest symbolisiert.

Duell am Fuß der Mariensäule: Ein bewaffneter Putti (l.) nimmt es mit einem Basilisken auf.

Geschichten zu Sehenswürdigkeiten in München: Das Affentürmchen

Der Alte Hof ist als erste Burg Münchens belegt und wurde von Herzog Ludwig dem Strengen im 13. Jahrhundert ausgebaut. Eine Sage rankt sich um den Fachwerk-Erker an der Fassade, das Affentürmchen: „Der Herzog hielt sich einen Affen am Hof, der frei herumlaufen durfte“, erzählt Christopher Weidner. „Eines Tages nahm der Affe Ludwigs achtes Kind aus der Wiege.“

Mit dem Baby, dem späteren Kaiser Ludwig IV., kletterte das Tier aufs Dach und erklomm die Spitze des Türmchens. Erst ein Koch konnte den Affen mit einem Stückerl Wurst zurück in die Burg locken, wo er das Baby unversehrt zurück in die Wiege legte. Es schlief selig!

Münchner Mythen: Die Bedeutung von magischen Zahlen

Neuere Forschungen ergaben, dass München nach magischen Zahlen erbaut wurde, sagt Christopher Weidner. „Nimmt man die Kreuzung der beiden Hauptachsen der von Osten nach Westen führenden Salzhandelsroute und der von Süden nach Norden führenden Straße als Ausgangspunkt, sieht man, dass die fünf Tore der ersten Stadtbefestigung auf zwei konzentrisch angelegten Kreisen liegen.“

Der Abstand vom östlichen Oberen Tor zu diesem Mittelpunkt betrage 700 Fuß, von hier zum Unteren Tor (heutiger Turm des Alten Rathauses) genau 500 Fuß. Zusammen: 1200. „Die Stadtbauer waren bestrebt, die heiligen Zahlen im Stadtplan zu verewigen. Die Fünf als Zahl des Menschen (fünf Finger), die Sieben als Zahl Gottes (sieben Gaben des Heiligen Geistes und die Zwölf als Zahl des Kosmos.

Münchner Mythen: Das Wunder in der Heilig-Geist-Kirche

Gutmütig lächelt die im 15. Jahrhundert geschnitzte Madonnenstatue auf die Besucher in der Heilig-Geist-Kirche: Es ist die Hammerthaler Muttergottes, die angeblich Wunder bewirken kann. Entdeckt hat sie Anfang des 17. Jahrhunderts die Wirtsgattin Ursula Hammerthaler im Kloster Tegernsee.

Sie ließ sie in ihre Hauskapelle nach München bringen - und wurde plötzlich von ihren langjährigen Gelenkschmerzen geheilt. „Das Wunder sprach sich in der ganzen Stadt herum, bald wurde die Hauskapelle überlaufen von Menschen, die sich heilen lassen wollten“, erzählt Christopher Weidner.

Mythen aus München: Teufel stürmte den Alten Peter

Sie ist die älteste Pfarrkirche der Stadt - die Peterskirche, von den Münchnern liebevoll „Alter Peter“ genannt. Um diesen 1294 geweihten Bau drehen sich allerhand Mythen. Die Turmspitze ist zum Beispiel etwas verdreht. Weidner dazu: „Einst soll der Teufel in die Kirche gestürmt sein. Der mutige Türmer schlug mit einem Holzkreuz solange auf ihn ein, bis er ihn vertreiben konnte - das Gemäuer bekam wohl auch was ab in diesem Kampf.“

Das Turmkreuz ganz oben zeigt übrigens entgegen dem Brauch nicht nach Westen, sondern nach Norden. Weidner: „Der Tritt des Teufels soll das Kreuz verbogen haben.“ In Wahrheit ließ man unter Ludwig II. das Kreuz drehen, damit es der starke Westwind nicht weiter verbiegen konnte.

Wurmeck am Neuen Rathaus: Diese Drachen-Statue soll auf einen echten Lindwurm zurückgehen, der einst die Münchner Bürger bedrohte.

Münchner Mythen: Der Drache und das Wurmeck

Am westlichen Eck des Neuen Rathauses* klettert ein großer Drache den neugotischen Turm empor: Hier ist das Wurmeck. Die drei Steinreliefs über dem furchteinflößenden Lindwurm erzählen die Sage. Christopher Weidner: „Hier soll einst ein Drache über München geflogen sein und mit seinem Giftatem die Pest verbreitet haben.“

Nachdem er auf dem Marktplatz gelandet war, hätten mutige Münchner ihn mit dem Schuss aus einer Kanone erlegt. Auch die Schäffler sind auf dem Turm zu sehen. „Sie waren die Ersten, die nach dem Wüten des Schwarzen Todes durch die Gassen tanzten, um die Menschen wieder nach draußen zu locken.“

Münchner Mythen: Schauerliche Geschichten zum Jungfernturm

Nahe des Salvatorplatzes steht in der Jungfernturmstraße einer der letzten Reste der ehemaligen Münchner Stadtmauer. Um diese Ruine des Jungfernturms ranken sich schauerliche Geschichten: „In diesem Turm soll einst die gefürchtete Eiserne Jungfrau aufgestellt gewesen sein. Diese Statue musste jeder zum Tode Verurteilte küssen“, so der Stadtspürer. Dann hat sich unter ihm eine Falltür geöffnet - und er verschwand für immer.

Tatsächlich wurde im 18. Jahrhundert eine Falltür gefunden, die in ein Verließ führte, in dem zwei Leichen lagen. Weidner: „In anderen Mythen hat die Jungfrau mit Dornen gespickte Arme, die sich um die Verdammten geklammert hätten, bis sie qualvoll starben. Ihre Schreie soll man immer wieder gehört haben.“

Mystischer Stein: Reiseführer Christopher Weidner befindet sich auf den Spuren von Herzog Christoph dem Starken.

Münchner Mythen: Der schwarze Stein der Residenz

Wer von der Residenzstraße zum Brunnenhof geht, sieht neben dem Eingang zur Staatlichen Münzsammlung einen großen schwarzen Stein. Gut drei Meter darüber sind drei Nägel in die Wand geschlagen. Weidner: „Herzog Christoph der Starke soll diesen Stein im Jahr 1490 ohne Mühe neun Schritte durch die Luft geschleudert haben.“ Der Stein soll 364 Pfund schwer gewesen sein.

„Außerdem konnte Christoph den obersten Nagel an der Wand mit dem Fuß treffen.“ Der starke Herzog soll auch Menschen aus einem brennenden Haus befreit und eine Mauer eingerissen haben, um die Flammen zu ersticken. (Martina Williams) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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