Das wilde Wochenende

Tunnel-Party, Kocherlball und Co.: So feierte München

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DJ ­Enrico Ostendorf am Mischpult im Tunnel.

München - Nicht nur New York, auch München schläft nicht. Jedenfalls nicht am ­vergangenen Wochenende, da ging’s nämlich richtig rund, und zwar rund um die Uhr. Unsere Reporter und Fotografen waren dabei.

Vom Tag der Offenen Tür im Rathaus (Nachmittag) über die große Tunnel-Party am Luise-Kiesselbach-Platz (Nacht) bis hin zum Kocherlball am Chinesischen Turm (Morgendämmerung) steppte der Bär. München Tag und Nacht – auf geht’s!

Tunnel-Party: Eine Feier mit Vollgas

Knapp 10.000 Partygänger haben am Wochenende den Heckenstaller-Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz in eine riesige Partyzone verwandelt. Eine Woche vor der Eröffnung tanzten die Münchner auf einem 382 Meter langen Tunnelabschnitt auf zwei Areas.

Die abgefahrenste Disco der Stadt: Unter dem Luise-Kiesselbach-Platz ging’s hoch her – und die Leute hatten ihren Spaß.

Die Tanzbereiche hatte der Event-Manager Alex Wolfrum eingerichtet (Er hatte auch schon den Petuel und Richard-Strauß-Tunnel mit Parties eröffnet). Zwischen den Tanz-Zonen gab’s Bars und Lounges – und sogar Liegestühle vor einer Espresso-Theke.

Hier, wo in wenigen Tagen nach rund achtjähriger Bauzeit die Blechlawine unter der Stadt dahinrollt. „Komplett irre, das Gefühl“, findet die 22-jährige Jasmin, eine der Tanzwütigen im Tunnel. Sie sagt: „Ich werde hier bald jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit vorbeifahren – und jetzt feiere ich genau an dieser Stelle.“

Eine Party mit Vollgas. Als kleiner warnender Hinweis leuchtete obendrüber bereits die Geschwindigkeitsbegrenzung auf: 60 km/h!

Für den Herzschlag der Musik und die Stimmung gibt’s dagegen kein Limit. Hinterm Mischpult provoziert gerade DJ Enrico Ostendorf von seiner Bühne aus die Menge mit einem neuen Track. Die Hände gehen nach oben, Gejohle, die komplette Abfahrt an der Auffahrt zum Kiesselbach-Tunnel. Alles bereits fertig. Fast alles.

Nur die Radaranlage an den Wänden wollte man dann doch noch nicht ausgelassenen Nachtschwärmern aussetzen. Doch auch sie wird bald in Betrieb gehen: Am 27. Juli wird der Tunnel in nördlicher Richtung freigegeben, am 28. Juli in südlicher.

Bevor endgültig die Autos durch den Luise-Kiesselbach-und Heckenstaller-Tunnel rollen, gibt es noch einen großen Tunnellauf am Donnerstag. Sieben Kilometer durch den Untergrund geht’s dabei für die Läufer. Die Startplätze sind alle schon vergeben.

Bilder von der Tunnelparty

Tunnelparty am Luise-Kiesselbach-Platz: Bilder

Kocherlball: Der Tanz in den Morgen

Ab September geht Simon Westermair (25) mit einem amerikanischen Luxuskreuzer auf große Reise. Ein Jahr lang wird der Bursch aus Wolznach Touristen in Südamerika und in der Karibik als Kellner bedienen. Zusammen mit Freundin Julia Meyer tauchte er davor am Sonntag beim Kocherlball am Chinesischen Turm noch mal so richtig in die Münchner Tradition ein. In der tz erzählt er vom Tanz in den Morgenstunden.

Julia Meyer und Simon Westermair tanzen auf dem Kocherlball zu Blasmusik.

Sonntagmorgen, 2 Uhr: Simon und Julia sind glücklich. Sie haben im Biergarten einen freien Tisch ergattert. „Es war einer der besten Plätze überhaupt“, schwärmt er. „Wenn du später kommst, hast du eigentlich keine Chance mehr. Und um 2 Uhr öffnet ja bereits die erste Schenke.“ Kampf um Biertische mitten in der Nacht? Ja! Obwohl das bunte Treiben mit traditionellen und exotischen Gewändern, Brotzeit im Kerzenschein und volkstümlichem Tanz erst um 6 Uhr beginnt, ist der Biergarten schon Stunden zuvor voll.

Bier plus Brotzeit plus Tanz – macht miteinander eine Riesengaudi am Chinesischen Turm.

Letztendlich meinte es der Wettergott auch heuer wieder gut mit den rund 12.000 Besuchern. Nur ein paar Regentopfen vor Beginn ließen die Veranstalter kurz zittern. „Wir haben in unserer Tracht so geschwitzt, da wurde der Regen sogar zum Segen“, sagt Westermair. Das Bier: süffig. Die Brotzeit: gschmackig. Die Stimmung: ausgelassen! Westermair und seine Begleiterin hatten sogar Musik im Gepäck. Die Wiesn-Buam heizten der Menge schon vor dem offiziellen Beginn ein.

Als die Tanzmeister Katharina Mayer und Magnus Kaindl die ersten Landler zeigten, war die Tanzfläche schnell voll. Alle ließen sich begeistern von den Klängen der Wiener Tanzgeiger und der traditionellen Wirtshausmusik der Fränkischen Straßenmusikanten. Auch Simon und Julia schwangen das Tanzbein, wollten zeigen, was sie im Volkstanzkurs in Wolznach gelernt haben. „Bei uns gab es in der Fastenzeit einen kostenlosen Kurs für volkstümliche Tänze. Jetzt hat mich auch das Fieber gepackt“, sagt Westermair.

Bis in die Mittagszeit feierten die beiden mit den anderen Besuchern. Danach gab’s noch eine Erfrischung im Eisbach.

Bilder vom Kocherlball

So sah's auf dem Kocherlball in München aus

Rathaus-Öffnung: Hereinspaziert: So ist es beim OB

Wie schaut das Büro von Dieter Reiter (57, SPD) aus? Welche Geschenke bekommt man so als Oberbürgermeister? Wie fühlen sich Manuel Neuer, Philipp Lahm und Jeroma Boateng bei ihren Meisterfeiern auf dem Rathausbalkon? Am Samstag wurden all diese Fragen beantwortet – beim Tag der offenen Tür der Stadt. Hereinspaziert in die Machtzentrale! Über 20 000 Besucher wollten am Samstag hinter die Kulissen der Stadt blicken. Dieter Reiter stellte seinen Tagesablauf vor, das Goldene Buch wurde ausgestellt. Die Besucher konnten in der Juristischen Bibliothek im feinen Jugendstil stöbern oder das gewaltige 15 Meter breite und knapp fünf Meter hohe Wandbild Monarchia von Karl von Piloty im Sitzungssaal ansehen – oder eben vom Meister-Balkon aus in Richtung Marienplatz jubeln! Wer dann ein bissl Entspannung nötig hatte, konnte in den Hof runtergehen, wo bei kühlem Radler und Blasmusik der Hammer-Hitze getrotzt werden konnte. Und das schon voller Vorfreude auf das nächste Jahr … Florian Fussek

Es wird Zeit für eine Frau als OB

Der Sitzungssaal des Stadtrats ist der perfekte Ort für mich – schließlich rede ich gern. Ich wäre gern mal OB. Es ist nun mal Zeit für eine Frau! Ich fände es interessant, ob ich es schaffen würde, Dinge, die mich beschäftigen zu verbessern. Ich finde den Tag der Offenen Tür richtig gut. Man kommt an ­Plätze, die einem sonst verschlossen sind.

Heike Facklam-Schult (53), Designerin aus München

Zum Nachschlagen

So eine Bibliothek ist sehr wichtig. Als OB braucht man immer Experten: Man kann nicht alles wissen, aber alles, was ein OB sagt wird auf die Goldwaage gelegt und kann gegen dich verwendet werden. Es wäre spannend, OB zu sein. Die wenigsten wissen, welche Aufgaben wirklich bei ihm dazugehören.

Dorle Temme (23), Recruiterin, und Constanze Wolf (30), ­Assistenz der Geschäftsleitung, beide aus München

Blick in die Schatzkammer

Ich wollte meinem Enkel unbedigt mal das Rathaus von innen zeigen. Die Schatzkammer ist echt interessant. Meinem Enkel gefällt das Mikrofon am besten. Ich würde den Dolch in der schönen Kiste nehmen. Aber die Sachen sind alles Staubfänger. OB zu sein wäre aber sicher nichts für mich. Ich glaube, da hätte ich einfach nicht die Nerven ­dafür.

Renate P. (75), Rentnerin, Aschheim, mit Enkel Niko (10)

Was für ein schönes Gefühl!

Der Balkon ist dank der Meisterfeiern des FC Bayern schon ein besonderer Ort. Es ist aber wirklich schade, dass Bastian Schweinsteiger jetzt weg ist. Das nächste Mal müssen wir ohne ihn feiern! Wir waren noch nie hier oben – das ist echt ein schönes Gefühl. Der Tag der Offenen Tür ist echt eine gute Sache. Wir haben uns alles angeschaut.“

Petra (45) und Thomas Breuer (50), ­ Kinderbuchautorin und Gutachter, beide aus Aschheim

Japan-Fest: Bayern trifft Fernost

“Huah!“ Schreiend rennen die Samurai aufeinander zu. Aber nicht etwa in Tokio, sondern mitten in München! Genauer gesagt im japanischen Teehaus im Englischen Garten hinter dem P1. Japan-Fest in München! Das bedeutet Schwertkampf, Origami und Sushi! Bereits zum 20. Mal fand das Fest am Sonntag in München statt. Tausende Münchner kamen, um das Land der aufgehenden Sonne zu feiern. Japanische Schreiner fertigten wunderbar filigrane Möbel, Schwertkämpfer zeigten ihr können. München sagt „domo arigatou“ (Danke) für dieses tolle Fest!

Das bringen die nächsten 7 Tage

Es bleibt heiß in München: Auch diese Woche wird es wieder viele schöne Sommertage mit Temperaturen um die 30 Grad geben. Nicht nur draußen in der Sonne ist aber viel los. Hier der Überblick:

Montag: Ist die Villa in der Kolbergerstraße ein Denkmal? Darüber entscheidet heute das Verwaltungsgericht. Ein Investor wollte sie abreißen lassen, eine Bürgerinitiative wehrte sich dagegen. In der Maria-Probst-Straße 14 lädt das neue Ankunftszentrum für Flüchtlinge zum Tag der Offenen Tür. Und: Am Marienplatz soll wieder eine Pegida-Demo stattfinden.

Dienstag: Wie hat sich die Konjunktur im bayerischen Handwerk entwickelt? Darüber informiert heute die Handwerkskammer. Am Landgericht wird der Prozess gegen Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, und weitere Ex-Manager fortgesetzt. Sie sind wegen versuchten Betrugs im Kirch-Verfahren angeklagt.

Mittwoch: Im Bayerischen Hof startet der Jazzsommer. Wie jedes Jahr im Juli geben sich internationale Stars und Meister des Jazz und Latin im Night Club die Ehre.

Donnerstag: Am Luise-Kiesselbach-Platz joggen ab 19 Uhr 1500 Läufer durch den neuen Tunnel. Alle Startplätze sind schon vergeben.

Freitag: Jetzt wird’s musikalisch – mit der Wiederaufnahme von Don Carlo an der Staatsoper (18 Uhr).

Samstag: Dieser Tag hat es in sich! Im Olympiastadion steigt zum elften Mal der Münchner Sommernachtstraum. Auf der Bühne singen Billy Idol, Rea Garvey, Revolverheld und Gregor Meyle – dazu gibt’s ein Mega-Feuerwerk. Am Luise-Kiesselbach-Platz wird der Tunnel mit einem großen Bürgerfest eröffnet. Am Mariahilfplatz beginnt die traditionelle Auer Dult. Bierliebhabern sei der Craft Beer Crawl empfohlen: Zwischen 12 und 20 Uhr finden Verkostungen an 19 Stationen statt.

Sonntag: Himmlischer Gottesdienst in der Maximilianskirche (Auenstr. 1): Pfarrer Rainer Maria Schießler segnet Fahrzeuge aller Besucher – egal, ob Auto, Motorrad, Lkw oder Dreirad.

Johannes Heininger/Florian Fussek

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