Stadt soll radfreundlicher werden

Nächste Etappe der Radweg-Offensive: 20 neue Fahrradrouten für München - hier sollen sie laufen

Der neu gegründete Mobilitätsausschuss wird Maßnahmen zur Umsetzung des Bürgerbegehrens Radentscheid ergreifen: 20 neue Radwege sollen entstehen.

  • In Zeiten von Corona will die Stadt mehr auf den Radverkehr setzen.
  • In München* sollen deshalb 20 neue Radwege entstehen.
  • Das ist auch bitter nötig: Alleine auf der Nord-Süd-Achse werden täglich 12.000 Radfahrer gezählt. Diese soll beispielsweise verbreitert werden.

München - München macht Ernst mit der Umsetzung des Bürgerbegehrens. So sieht es Grünen-Stadträtin Gudrun Lux. „Gerade jetzt, da wegen der Corona-Pandemie viele Leute etwas zurückhaltender sind, Bus und Bahn zu fahren, setzen wir auch ein Zeichen für den Radverkehr“, meint Lux. Was die CSU wiederum argwöhnisch betrachtet. Fraktionschef Manuel Pretzl erklärt: „All diese Radwege einfach durchzuwinken ist für uns als CSU keine Option. Wir sind klar in der Verantwortung, jede geplante Maßnahme differenziert und sorgfältig zu prüfen.“ Bislang lägen auch keine konkreten Angaben zu den Kosten auf dem Tisch. Das sei aber vor allem angesichts der Corona-Krise ein entscheidender Punkt, sagt Pretzl, der überdies fordert, dass vor Beginn der Bauarbeiten Gespräche mit Anwohnern, Einzelhändlern und Gastronomen geführt werden.

Die Bürgerbeteiligung ist auch ein Kernanliegen der SPD. Hierzu solle ein Kommunikationskonzept ausgearbeitet werden, betont der radpolitische Sprecher Andreas Schuster. Die Fraktion drängt zudem darauf, die Sicherheit der Radelnden an Kreuzungen schnell zu erhöhen und adäquate Abstellmöglichkeiten im ganzen Stadtgebiet zu schaffen. Die Radweg-Offensive ist direkte Folge des Bürgerbegehrens Radentscheid. Demnach ist im Stadtgebiet bis zum Jahr 2025 ein großräumiger Ausbau vorgesehen. Die vier Pakete umfassen insgesamt 40 Einzelmaßnahmen. Paket eins, das unter anderem den Altstadt-Radlring beinhaltet, wurde bereits im Dezember 2019 beschlossen. Das zweite Zehnerpaket folgte im März.

In München gibt es seit der Pandemie fünf  vorübergehende Radwege.

Neue Radwege in München: Maßnahmen an der Truderinger- und der Landsberger Straße haben Priorität

Nun also soll das Planungsreferat beauftragt werden, die Maßnahmenbündel drei und vier in Angriff zu nehmen. Es umfasst eine Streckenlänge von 17 Kilometern. Lux ist zum Beispiel erfreut, dass die Isarparallele zwischen Reichenbach- und Luitpoldbrücke – eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen für den Radverkehr in München – verbreitert wird. Dort werden an Spitzentagen bis zu 12 000 Radfahrer pro Tag gezählt. Ebenso wichtig sei ein richtlinienkonformer Radweg an der Paul-Heyse-Straße im Abschnitt zwischen Bayer- und Pettenkoferstraße. Da gebe es jetzt schon sehr viele Radler. Die aktuelle Verkehrsführung werde dem nicht gerecht, sagt Lux weiter. „Das packen wir an und machen es besser.“ Nach Auffassung der SPD genießen ferner die Maßnahmen an der Truderinger- und der Landsberger Straße Priorität. Ob im ersten Mobilitätsausschuss alle 20 Straßenzüge beschlossen werden, ist indes noch unklar. „Entscheidend bei der Auswahl der Maßnahmen sind für uns das Radverkehrsaufkommen, die Verkehrssicherheit und die Auswirkungen auf den ruhenden Verkehr“, erklärt Nikolaus Gradl, verkehrspolitischer Sprecher der SPD.

Bei der Umsetzung des Altstadt-Radlrings ist unterdessen der Baubeginn für den Teilabschnitt entlang der Blumenstraße zwischen Sendlinger-Tor-Platz und Papa-Schmid-Straße erfolgt. Dort wird ein beidseitiger Radweg mit einer Breite von 2,80 Metern plus 50 Zentimeter Sicherheitsstreifen entstehen. Auch am Thomas-Wimmer-Ring werden derzeit beidseitig Radwege errichtet. Die Planungen für den Teilabschnitt vom Lenbachplatz über den Maximilians- und Odeonsplatz zur Von-der-Tann-Straße laufen. Die Abstimmung mit dem Bezirksausschuss sowie mit den Vertretern des Radentscheids solle noch im Herbst erfolgen, heißt es vom Planungsreferat. - KLAUS VICK, SASCHA KAROWSKI - *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

München: Die neuen Radwege im Einzelnen

Die Stadt hat sich bei dem Maßnahmenpaket zum Ziel gesetzt, dass der ÖPNV nicht beeinträchtigt wird, möglichst keine Baumfällungen vorgenommen und eine Verlagerung des Autoverkehrs vermieden wird. Folgende 20 neue Radwege schlägt die Verwaltung vor:

1) Erhardt-/Steinsdorf-/Widenmayerstraße – Verbreiterung zwischen Reichenbachbrücke und Luitpoldbrücke;

2) Paul-Heyse-Straße zwischen Bayer- und Pettenkoferstraße;

3) Isartalstraße zwischen Roecklplatz und Schäftlarn-/Lagerhausstraße;

4) Landsberger Straße/Bayerstraße zwischen Donnersbergerbrücke und Martin- Greif-Straße;

5) Rheinstraße zwischen Leopoldstraße und Bonner Platz;

6) Implerstraße/Thalkirchner Straße zwischen Lindwurm- und Brudermühlstraße;

7) Lagerhausstraße zwischen Thalkirchner- und Isartal-/Schäftlarnstraße;

8) Albert-Roßhaupter-Straße zwischen Partnachplatz und Mittlerer Ring;

9) Nederlinger Straße zwischen Wintrichring und Baldurstraße;

10) Englschalkinger Straße zwischen Freischütz-/Ostpreußenstraße und Marienburger-/Barlowstraße;

11) Vollmannstraße zwischen Denninger- und Englschalkinger Straße;

12) Truderinger Straße zwischen Baumkirchner Straße und Haringerweg;

13) Bad-Schachener-Straße zwischen Aschheimer-/Melusinenstraße und St.-Michael-Straße;

14) Anzinger Straße zwischen Rosenheimer- und Aschheimer-/Melusinenstraße;

15) Heinrich-Wieland-Straße zwischen St.-Michael-/ Hofangerstraße und Quiddestraße/Karl-Marx-Ring;

16) Claudius-Keller-Straße zwischen Balan- und Rosenheimer Straße;

17)Melusinenstraße zwischen Kölbl- und Bad-Schachener-Straße;

18) Karl-Preis-Platz zwischen Rosenheimer- und Kölblstraße;

19) Werinherstraße zwischen Tegernseer Landstraße und Balanstraße;

20) Hofmannstraße zwischen Kistlerhof- und Boschetsrieder Straße.

Rubriklistenbild: © Achim Frank Schmidt

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