Glas, Stahl und Beton

Betonklotz-Boom in München: Warum sich so viele Neubauten ähneln

Ein Modell des MK6 in Sendling.
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An der Ecke Radlkoferstraße und Pfeuferstraße entsteht auf 7886 Quadratmetern das MK6 in Sendling.

Schaut man sich einige Neubauten an, scheint München immer mehr zur Stadt der Bauklötze zu mutieren. Ein Architekt erklärt die Ähnlichkeiten im Design.

München – Viel Glas, viel Stahl, viel Beton – so sehen auffallend viele der großen Neubauten in München* aus. Die Nutzungen der Immobilien – meist eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten und Kultur – unterscheiden sich im Detail. Dennoch wirkt oft alles gleich. Bernhard Kurz (41), Architekt und Gründer des Architekturbüros „IFUB“, erklärt, warum.

Drei Punkte sind seiner Meinung nach maßgeblich: Die Auftraggeber, die Architekturbüros und die Baukosten beziehungsweise die Bauvorschriften. „Auftraggeber wollen natürlich kostensparend und dementsprechend eher nicht innovativ oder mutig bauen“, erklärt Kurz. Sie suchten sich Architekturbüros, die klassisch moderne Gebäude bauen – und hielten an diesen Büros fest. Soll ein neuer Kindergarten entstehen, werde beispielsweise allzu oft das Büro beauftragt, das schon fünf gebaut hat. Für kleine oder neue Büros ein schwer zu durchdringender Kreis, sagt Kurz.

Neubauten in München: Trend geht zum Betonklotz - Baukosten spielen eine Rolle

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Auch die Baukosten spielen eine Rolle: Die Gebäude bestehen häufig aus Stahlbeton, Zement ist also wesentlicher Bestandteil. Der ist sehr günstig, aber auch das schmutzigste Baumittel. „Wäre die Zementindustrie ein Land, wäre es das mit dem weltweit drittgrößten CO2-Ausstoß“, kritisiert Kurz. Alternative Bauweisen wie der Holzbau würden in den Bauvorschriften dagegen benachteiligt und kosteten im Schnitt zehn Prozent mehr. „Leider sind das die zehn Prozent, über die nicht diskutiert wird.“

Zwar versuche die Stadt das mit einigen Projekten schon aufzubrechen, zum Beispiel mit der Holzbausieldung im Prinz-Eugen-Park. Sie könnte aber in dieser Hinsicht noch aktiver werden und ihr Potenzial auch nutzen, findet der Architekt. Gerade die Kommunen hätten hier weitaus mehr Einfluss, als sie in Anspruch nehmen.

Bauen in München: Wettbewerbsprobleme - immer die gleichen Büros und Architekten

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Nachhaltiges Bauen hat für Bernhard Kurz nicht nur etwas mit Materialien zu tun, sondern auch mit der Form: „Nachhaltiges Bauen muss so aussehen, dass die folgenden Generationen gar nicht auf die Idee kommen, die Gebäude abzureißen“, postuliert der Architekt. Für ein vielfältigeres Stadtbild könne man zum Beispiel das Wettbewerbswesen in der Architektur reformieren, schlägt Kurz vor.

Aktuell sei es so, dass bei Wettbewerben immer dieselben Architekten und Büros gewinnen würden, beobachtet der Fachmann. Dabei könne man hier gut ansetzen, um etwas mehr Abwechslung in den Städtebau zu bringen. (Leoni Billina)*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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