Am Neudeck: Der Knast wird jetzt Kulturzentrum!

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Das ehemalige Frauengefängnis Am Neudeck wird bald Kultur-, Arbeits- und Feierzentrum für kreative Köpfe

München - Wo früher traurige Seelen ihr Dasein fristeten, gibt es in den kommenden Monaten Kunst und Kultur zu sehen: Im ehemaligen Frauengefängnis am Nockherberg entsteht jetzt das "Neudeck".

Schummriges Licht fällt in die engen Gänge, beiger Putz fällt von den Wänden, ein roter Streifen am Fußboden gibt Orientierung im Zellenlabyrinth: Das Frauengefängnis „Am Neudeck“ steht seit drei Jahren leer – doch jetzt soll endlich wieder Leben in die verlassenen Räume kommen. Wie "Hallo München" berichtet, wird der Knast zum Kulturzentrum!

Von Juli bis Oktober hat der Eigentümer, ein privater Investor, das Gelände für die Kunst freigegeben. Die Idee dazu stammt von Marco Böhlandt, der als Eventmanager bereits im Schwabinger Die Repüblik federführend war. „Es ist schade, wenn ein interessantes Gebäude wie das Frauengefängnis ungenutzt bleibt“, sagt der 37-Jährige.

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Platz genug für die Kunst gibt es: 124 Haftplätze für Frauen und jugendliche Straftäter umfasste das Areal, 2009 wurde es geschlossen, die Insassen zogen nach Stadelheim. Party hinter Gittern – ein makaberer Spaß? „Es gibt ja nicht nur Gefängniszellen, sondern auch 50 größere Räume ohne Gitter an den Fenstern, die nicht so beklemmend wirken“, sagt Böhlandt. Die bedrückende Atmosphäre werde aber verfliegen, sobald Leben im Neudeck einziehe. Trotzdem: Die düstere Geschichte des Ortes wolle man nicht ignorieren. „Es ist eine Ausstellung zur Vergangenheit des Gebäudes geplant.“

Neben einer Diskothek soll es aber auch Raum für Kunst und Kreativität geben: „Wir wollen hier das Gegenteil eines Gefängnisses schaffen: offene Räume, Kreativität und Unterhaltung.“ Künstler und Kreative werden über den Sommer Zellen und Gemeinschaftsräume beziehen und sie gegen geringes Geld als Arbeitsräume nutzen. „Das sind offene Ateliers und Werkstätten, wo der Clubgast auch mal dem Künstler über die Schulter schauen kann“, sagt Böhlandt.

Die Idee stößt auf großes Interesse: 150 Anfragen gibt es schon. Im großen Innenhof soll ein gemütlicher Biergarten mit Spielplatz entstehen. Auch Filmvorführungen an den Gefängnismauern sind geplant. Über 100 Zellen reihen sich im Neudeck aneinander, keine größer als zehn Quadratmeter. Die meisten davon dienen als Stauraum, einige verwandeln sich aber auch zur Location für besondere Veranstaltungen – zum Beispiel für Lesungen oder Musikkonzerte. „In den Zellen ist die bedrückende Geschichte des Ortes besonders präsent.“

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