Kostenexplosion nach Planungspannen

Neue Sehenswürdigkeit in München lockt Fotografen aus dem Umland an - erste Klagen gibt es bereits

Der Steg verbindet die Schwantherhöhe (rechter Bildrand) mit München-Neuhausen
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Der Steg verbindet die Schwantherhöhe (rechter Bildrand) mit München-Neuhausen.

Der Arnulfsteg im Westen von München lockt viele Betrachter an. Komplett gelungen erscheint das neue Bauwerk jedoch nicht. Manche Nutzer beklagen die Umsetzung.

  • Im Westen von München* gibt es eine neue Sehenswürdigkeit. Sie erfreut sich vieler Besucher aus Nah und Fern.
  • Der Arnulfsteg bietet für Eisenbahnfreunde eine gute Aussicht auf die Bahngleise in Richtung Hauptbahnhof*.
  • Die Verbindung dient auch als Entlastung für Fußgänger und Radfahrer. Kritik ruft das Bauwerk dennoch hervor.

München - Kaum ist der Arnulfsteg eröffnet, entwickelt sich der neue Bahnübergang zwischen Donnersberger- und Hackerbrücke schon zur Sehenswürdigkeit. Der Blick über die Gleise ist beeindruckend, besonders für Eisenbahnfans. Sogar aus dem Umland kommen die Kiebitze, um Fotos zu schießen. Immerhin überspannt die neue Rad- und Fußgängerbrücke 37 Bahngleise, ist 240 Meter lang und verbindet zwei Stadtteile.

München: Neue Sehenswürdigkeit Arnulfsteg beeindruckt nicht nur Eisenbahnfans

Die Vorgeschichte des Arnulfstegs ist auch beeindruckend, allerdings eher im negativen Sinne. Es gab Planungspannen, Bauverzögerungen und eine Kostenexplosion. Am Ende stand eine stolze Summe von 26,9 Millionen Euro zu Buche. Fast neun Millionen Euro mehr, als 2014 kalkuliert worden war. Mit dem Arnulfsteg wird ein Brückenschlag von der Schwanthalerhöhe (Philipp-Loewenfeld-Straße) nach Neuhausen (Erika-Mann-Straße) vollzogen. Der barrierefreie Übergang verläuft in einem leicht gewölbten Bogen über die Gleise des Hauptbahnhofs. Die seitliche Verglasung dient der Sicherheit, als Windschutz und ermöglicht eine gute Aussicht auf die Stadt. Zum S-Bahn-Haltepunkt Donnersbergerbrücke gibt es einen direkten Zugang.

München: Neuer Arnulfsteg ruft Kritik hervor - Kommen sich Fußgänger und Radfahrer in die Quere?

Kritik gibt es allerdings auch schon. Nutzer der Brücke beklagen, dass der Rad- nicht vom Fußgängerbereich abgetrennt ist und die Auffahrtsrampen für Radler unübersichtlich und zu schmal seien. Das Baureferat entgegnet auf Nachfrage unserer Zeitung, dass der Arnulfsteg in allen Bereichen den geltenden Vorschriften entspreche. Die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswege empfehle bei gemeinsamen Geh- und Radwegen auf Überführungen eine Breite von vier Metern. Der Arnulfsteg weist an den Enden eine Mindestbreite von fünf Metern auf und weitet sich zur Brückenmitte auf sechs Meter auf. Laut Baureferat ist auch bewusst von einer Aufteilung der Verkehrsfläche abgesehen worden, „weil davon auszugehen war, dass die Fußgänger den durch die Verglasung möglichen Ausblick auf beiden Seiten des Bauwerks nutzen wollen“.

Bei den Rampen sei der zu überwindende Höhenunterschied durch das Geländeniveau und den erforderlichen Abstand zu den Gleisen vorgegeben. Der im Rahmen eines europaweiten Wettbewerbs realisierte Entwurf sei auch deshalb ausgewählt worden, weil die vorhandenen Flächen durch die Anordnung der Rampen optimal ausgenutzt worden seien, erklärt das Baureferat. Erstmalig in München bei einer Geh- und Radwegbrücke sei die Erschließung nicht nur über Treppen und Rampen, sondern zusätzlich über Aufzüge gewährleistet. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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