Die tz zieht Bilanz

Neue günstige Wohnungen: Die Stadt hinkt hinterher!

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Die Gewofag baut und saniert an der Führichstraße in Ramersdorf.

München - Die Stadt hinkt beim Bau bezahlbarer Wohnungen ihrem Ziel hinterher. Nach nur zwei Jahren fehlen Hunderte Wohnungen. Die tz vergleicht die Fertigstellungen mit dem noch vor wenigen Monaten konkret geplanten Bauprogramm aus den Wirtschaftsplänen.

Bauen, bauen, bauen: OB Dieter Reiter (56, SPD) sagt es immer wieder. „Wir brauchen noch mehr Wohnungen als bisher“, donnerte er beim Dreikönigstreffen. Kurz darauf sagte er bei seiner Jahresvorschau: „Wir müssen so viel bauen wie schon lange nicht mehr.“ Die Stadt prüfe, das Ziel von 7000 neuen Wohnungen pro Jahr zu erhöhen. Die Investoren schaffen das – mit vielen, vielen Luxus-Apartments. Aber: Die Stadt selbst hinkt nach tz-Recherchen beim Bau bezahlbarer Wohnungen ihren Zielen hinterher!

Die Horror-Mieten lassen grüßen: Schon vor eineinhalb Jahren verdoppelte der Stadtrat auf Drängen der damaligen Rathaus-Mehrheit von SPD und Grünen das Bauprogramm. Die städtischen Gesellschaften Gewofag und GWG müssen ab 2013 im Schnitt 1000 bezahlbare Wohnungen bauen.

Wo sind die jetzt? Nach den ersten beiden Jahren fehlen Hunderte Wohnungen! Die Bilanz – die tz vergleicht die Fertigstellungen mit dem noch vor wenigen Monaten konkret geplanten Bauprogramm aus den Wirtschaftsplänen:

"Die Stadt geht nur von 800 günstigen Wohnungen im Jahr aus"

2013: Gewofag (91 neue Wohnungen) und GWG (295) schaffen zusammen nur 386 Einheiten, statt der im Stadtratsbeschluss verzeichneten 487. Ein Minus von 101 Apartments oder 21 Prozent.

2014: Das Minus bleibt so groß: Gewofag (460 neue Apartments) und GWG (371) errichten zusammen 831 Wohnungen statt der im Stadtratsbeschluss verzeichneten 1052. Wieder ein Rückstand von 221 Wohnungen oder 21 Prozent.

Bau-Turbo? In den ersten beiden Jahren fehlt, gemessen an den eigenen Zielen der Stadt, ein kleines Quartier von mehr als 320 günstigen Wohnungen für bis zu 1000 Münchner – denn die Mieter zahlen bei Gewofag und GWG im Schnitt bloß 6,50 Euro pro Quadratmeter!

Grünen-Stadtrat Herbert Danner.

Bei dem Rückstand könnte es in Zukunft bleiben. Der baupolitische Sprecher der Grünen, Herbert Danner (60), sagt der tz: „Die Stadtverwaltung geht intern davon aus, dass die beiden städtischen Wohngesellschaften auf absehbare Zeit nur rund 800 Wohnungen pro Jahr fertigstellen.“ Tragisch: Auch wenn im vergangenen Jahr insgesamt wieder mehr als 7000 neue Wohnungen gebaut wurden, seien Gewofag und GWG neben den Genossenschaften die einzigen Unternehmen, die überhaupt noch in bezahlbare Apartments investierten!

Nallinger: "Wir trauen Gewofag und GWG noch mehr zu"

GWG-Chef Hans-Otto Kraus.

Die Wohngesellschaften wollen ein Minus in Zukunft verhindern. „Wir haben das Fernziel im Auge“, sagt Hans-Otto Kraus, Technik-Boss der GWG. Die Verzögerungen lägen an verschiedenen Faktoren wie Problemen mit den Baugenehmigungen (für die wiederum die Stadt zuständig ist) oder den finanziellen Möglichkeiten. Bei der Gewofag heißt es, die Schwankungen hingen neben den immer knapper werdenden Grundstücken „nicht zuletzt an den (personellen) Kapazitäten“. Deren Tochterunternehmen Heimag war Ende vergangenen Jahres in Schieflage geraten, weil ein millionenteurer Sanierungsbedarf erkannt wurde. Darum hat das Unternehmen immer noch keinen gültigen Wirtschaftsplan.

Beide Wohngesellschaften beteuern, gemeinsam am Ziel von 1000 Wohnungen im Jahr festhalten zu wollen – allerdings sprechen die bislang vorliegenden Zahlen eine andere Sprache.

  • Die Gewofag will in den nächsten zehn Jahren insgesamt zwischen 4300 und 5000 Wohnungen bauen – also rund 430 bis 500 pro Jahr.
  • Bei der GWG steht im neuen Wirtschaftsplan eine Gesamtzahl von 1836 Mietwohnungen bis 2019 – das entspricht 367 Wohnungen im Schnitt der nächsten Jahre. Geschäftsführer Kraus will die versprochene Zahl von 400 erreichen.

Zusammen sieht das Bauprogramm der nächsten Jahre also 800 bis 900 neue Einheiten vor, die sich auch der Otto Normalverbraucher leisten kann. Das reicht den Grünen nicht: Sie wollen die städtischen Wohngesellschaften so stärken, dass sie erst einmal die 1000 schaffen. „Wir trauen Gewofag und GWG noch mehr zu“, sagt Ex-OB-Kandidatin Sabine Nallinger (51). Ab 2017 sollen mit mehr Personal, Geld und neuen Grundstücken sogar 1300 günstige Wohnungen pro Jahr drin sein.

David Costanzo

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