Neue Studie über Araber in der Stadt

Sie shoppt in München für 4000 Euro an zwei Tagen

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Nevine Zeim (59) aus Ägypten kauft alle zwei, drei Jahre in München für mehrere tausend Euro ein.

München - Shopping-Touristen lassen insgesamt eine Milliarde Euro pro Jahr in München - das ist ein Viertel des Gesamtumsatzes! Das besagt eine neue Studie. Wir haben uns umgehört.

Es gilt, keine Zeit zu verlieren. Nevine Zein (59) aus Ägypten hat eine lange Einkaufsliste und nur zwei Tage in München. Das Geld ist zweitrangig, heuer lässt sie 4000 Euro in den Kassen der Geschäfte. Dass solch ein Einkaufsrausch von Touristen aus den arabischen Ländern keine Seltenheit ist, belegt eine neu Studie. Demnach lassen Shopping-Touristen insgesamt eine Milliarde Euro pro Jahr in der City – das ist ein Viertel des Gesamtumsatzes!

Die BBE Handelsberatung hat Ende 2012 insgesamt 552 Touristen in der Innenstadt befragt. Besonders im Fokus: die arabischen Gäste. Denn laut den aktuellsten Zahlen des Tourismusamtes reisen die Gäste aus Nahost zunehmend das ganze Jahr über nach München. Im ersten Quartal kamen 82 000 zu uns, das ist ein Plus von 28,1 Prozent!

Das sind die Studienergebnisse im Einzelnen:

Einkaufen vor Kultur: Rund 26 Prozent aller Touristen kommen ausschließlich zum Shoppen ins Stadtzentrum – wegen der Sehenswürdigkeiten nur 17 Prozent.

Das geben sie aus: 142 Euro gibt jeder am Tag im Schnitt aus. Während die deutschen Touristen nur 101 Euro da lassen, geben die Araber mehr als drei Mal so viel aus: nämlich 351 Euro. Studienleiter Angelus Bernreuther sagt: „Die arabischen Gäste besuchen pro Tag durchschnittlich 22 Läden.“ Da bleibt keine Zeit für Kultur …

Nicht nur Luxus: Kleine Gruppen steinreicher Russen, Chinesen und Araber geben hier auf einmal unvorstellbare Unsummen aus. „Aber auch bei den arabischen Gästen hat ein Wandel stattgefunden“, sagt Bernreuther. „Verstärkt kommt nun die Mittelschicht nach München.“ 61 Prozent aller Araber kaufen mittlerweile im sogenannten mittelpreisigen Segment, also in den klassischen Geschäften der Fußgängerzone. Nur 6,3 Prozent wollen Luxusartikel.

Das kaufen sie: 43,6 Prozent geben die Befragten im Schnitt für Kleidung aus. Dann folgen Schuhe (13,5 Prozent), Kosmetik und Parfum (13,2), Lederwaren (8,7). Überraschend: Für Uhren und Schmuck gehen lediglich 6,9 Prozent der Ausgaben drauf.

Warenhäuser boomen: Die klassischen Kaufhäuser werden bei Touristen immer beliebter. Der Studie zufolge ist der Kaufhof am beliebtesten, dann folgen H&M und C&A. Aber: Rund acht Prozent der Besucher kaufen auch gerne in lokalen Traditionsunternehmen wie Dallmayr oder Beck ein.

Die Besucher-Magneten

Geschäft Beliebtheit
Galeria Kaufhof 31,0*
H&M 31,0
C&A 26,3
Karstadt 23,7
Oberpollinger 8,6
Hirmer 8,2
Zara 7,5
Kaufhaus Beck 5,8
Esprit 5,2
Hugendubel 4,5
s. Oliver 4,1

* So viel Prozent der befragten Shoppingtouristen besuchen die

Geschäfte.

Quelle: BBE Handelsberatung – Zum Zeitpunkt der Befragung hatten die Hofstatt und das Pschorrhaus noch nicht eröffnet.

In München ist manches billiger

München ist ein guter Ort zum Einkaufen. Hier findet man fast alles. In Asien fehlen einige Läden. Zum Beispiel gibt es in ganz Südkorea nur einen Abercrombie & Fitch. Ich bin zwar nur zwei Tage hier, nehme mir aber trotzdem genügend Zeit zum Shoppen. Was mich besonders freut: Bestimmte Marken sind hier in München billiger als bei uns. Insgesamt werde ich bis zu 300 Euro ausgeben.

Seong uk Jeong (24) aus Südkorea





Hier gibt es die größere Auswahl

Der Anlass für unseren Shopping-Trip nach München ist der 20. Geburtstag meiner Tochter. Aber auch sonst kommen wir ein- bis zweimal pro Jahr nach München. Meistens vor Weihnachten, um Geschenke einzukaufen. In der Großstadt gibt es einfach eine größere Auswahl an Läden, die es in unserer Nähe gar nicht gibt. Heute haben wir schon ungefähr 400 Euro ausgegeben.

 Iris Link (44) und Tochter Christina Gastl (20) aus Friedberg

Das Einkaufsverhalten von Gästen aus In- & Ausland

Touristen aus … Deutschland arabischen Ländern restlichem Ausland
Tagesausgaben  Shoppingtouristen 101 € 351 € 139 €
Tagesausgaben  Übernachtungsgäste 74 € 351 € 86 €
Preissegmente

9,3 % Discount

84,3 % mittelpreisig

6,0 % Luxus

13,8 % Discount

61,0 % mittelpreisig

6,3 % Luxus

26,0 % Discount

61,6 % mittelpreisig

9,6 % Luxus

Bei den Ausgaben handelt es sich um Durchschnittswerte, basierend auf tatsächlichen Umsätzen.

Quelle: BBE Handelsberatung

„Araber kaufen alles, was glitzert“

Sonja Grau, Personal Shopperin

Mit der steigenden Zahl an Shopping-Reisen werden auch die persönlichen Einkaufshilfen für die Ausländer immer wichtiger. Eine dieser Personal Shopperin ist die Stylistin Sonja Grau (53), der auch Münchner Luxushotels wie das Vier Jahreszeiten oder das Mandarin Oriental Shopping-Kunden vermitteln. Die tz hat sie zu ihren Erfahrungen mit arabischen Gästen befragt.

Frau Grau, bei arabischen Gästen hat man sofort das Luxus-Klischee vor Augen.

Sonja Grau: Die meisten Klischees stimmen. Es kommt nicht selten vor, dass ich mit Kunden 25 bis 30 Tüten einkaufe, die wir zwischendrin immer zum Hotel bringen. Es gibt Gäste, die innerhalb einer Stunde fünfstellige Beträge ausgeben – und für ein Mitbringsel mehrere tausend Euro. Arabische Gäste haben immer eine lange Einkaufsliste dabei.

Und was ist an den nächtlichen, privaten Shopping-ausflügen dran?

Grau: Die gibt es. Wenn Kunden das wünschen und ich zu Designern oder Geschäften gute Kontakte habe, öffnen diese ihre Türen auch nach Ladenschluss oder am Sonntag.

Und worauf fliegen die Araber?

Grau: Auf alles, was glitzert. Araber wollen Glamour statt Klassik. Sie mögen alles von Swarovski- bis hin zu Edelsteinen. Egal ob auf dem Handy, der Uhr oder der Kleidung. Auch die Männer wollen außergewöhnlichere Sachen, zum Beispiel Hemden mit farbigen Krägen oder leichten Rüschen. Die Damen orientieren sich gerne an europäischen Königshäusern und suchen deshalb mittlerweile auch ausgefallenes wie Kopfschmuck mit Federn.

Wie verhalten sich denn die Damen beim Einkauf – so zurückhaltend wie auf der Straße?

Grau: Keinesfalls. Auch in Gegenwart ihrer Männer suchen sie selbst aus, was sie kaufen wollen. Viele tragen unter ihren Schleiern und großen Umhängen ganz normale Dinge, zum Beispiel Schminke, schicke Unterwäsche oder Blusen mit Ausschnitt.

Wer zahlt?

Grau: Das ist noch immer Männersache. Eine Frau käme auch nicht wie in Deutschland darauf, ihren Mann nach ihren Vorstellungen beim Shoppen einzukleiden. So weit geht es dann doch nicht. Nina Bautz

Nina Bautz

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