1. tz
  2. München
  3. Stadt

Platz für 30.000 Menschen: München bekommt neuen Stadtteil - aber Absprache mit Landwirten nötig

Erstellt:

Von: Klaus Vick

Kommentare

Zwei Kräne stehen nebeneinander und ragen in Richtung Himmel
Rücken bald die Kräne an? In Münchens Nordosten soll ein neuer Stadtteil entstehen. (Symbolbild) © Daniel Bockwoldt/dpa

Auf 600 Hektar soll in Münchens Nordosten ein neuer Stadtteil entstehen. Dort könnten 30.000 Menschen leben. Doch erst einmal muss Einigung mit den aktuellen Besitzern getroffen werden.

München - Es ist eine Entwicklung auf Jahrzehnte hinaus, wobei die Zahl der künftigen Einwohner und Arbeitsplätze eine flexible Größe sein sollen: Dies betonte Stadtbaurätin Elisabeth Merk bei einer digitalen Informationsveranstaltung zum neuen Stadtteil im Münchner* Nordosten. Das Online-Format war sozusagen der Startschuss für eine Reihe weiterer Veranstaltungen und Workshops im Sommer und Herbst - sofern möglich auch in Präsenz.

Michael Hardi, der im Planungsreferat federführend dieses „Projekt von unglaublicher Dimension“ betreut, erklärte am Dienstagabend: „Wir wollen eine neue Ära der Beteiligungskultur schaffen.“ Dies dürfte auch notwendig sein, um die Bebauung im Einklang mit den Grundstückseigentümern verwirklichen zu können. Drei Viertel der 600 Hektar großen Fläche des Entwicklungsgebiets sind in Privatbesitz.

München: Neuer Stadtteil im Nordosten geplant - Es geht auch um Vertrauen der Bürger

Sowohl Vertreter des Bauernverbandes (BBV) als auch die Bezirksausschuss-Vorsitzenden von Bogenhausen* und Trudering*-Riem appellierten bei der Info-Veranstaltung eindringlich an die Stadt, Vertrauen bei den Bürgern zu schaffen beziehungsweise wiederherzustellen. Ralf Huber, BBV-Bezirkspräsident in Oberbayern, und Sonja Dirl, Kreisbäuerin in München, bewerteten die bisherige Kommunikationspolitik im Rathaus nämlich als mangelhaft. Man hoffe, dass sich dies nun bessere.

Huber sagte: „Unsere Landwirte hängen mit ihrer Seele an dieser Kulturlandschaft.“ Je weniger zubetoniert und je mehr Grün erhalten werde, desto besser. Die Frage der finanziellen Entschädigung oder eines Flächenausgleichs sei maßgeblich für die Mitwirkungsbereitschaft der betroffenen Betriebe an der städtebaulichen Entwicklung.

München bekommt neuen Stadtteil: Hofstellen von Landwirten und Gärtnereien betroffen

Nach Auskunft des BBV gibt es im Entwicklungsgebiet Nordost noch sieben Hofstellen mit praktizierenden Landwirten und zwei Gärtnereien. Dazu kommen drei bis fünf Bauern, die außerhalb wohnen, aber hier Flächen bewirtschaften. Die Anzahl der Grundstückseigentümer im Nordosten ist aber ungleich größer. Sie beträgt laut Stadt 525. In einem Gutachten soll derzeit geklärt werden, welche Preise die Stadt für Grundstücksankäufe bieten kann und darf.

Ein agrarstrukturelles Gutachten beschäftigt sich mit der Frage, wie viele Landwirte langfristig weitermachen wollen. Im Umgriff der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) Nord sind dies laut Merk etwa zwei Drittel der insgesamt rund 20 Landwirte. Die Stadtbaurätin versicherte: „Wir werden das nicht ignorieren.“

Neuer Stadtteil für München: „Wollen evolutionäre und keine revolutionäre Planung“

Der aktuelle städtebauliche Entwurf ist auf acht einzelne Wohnquartiere mit insgesamt bis zu 30.000 Einwohnern und 10.000 Arbeitsplätzen ausgelegt. Zahlen, die Merk allerdings für diskutabel hält und die im Zuge der Entwicklung des Projekts angepasst werden könnten. „Wir wollen eine evolutionäre und keine revolutionäre Planung“, so Merk.

Aktuell ist vorgesehen, dass die Hälfte des 600 Hektar großen Gebiets bebaut wird. Knapp 300 Hektar sollen weiterhin für Landwirtschaft, als ökologische Ausgleichsfläche und für den Pferdesport zur Verfügung stehen. Auch ein großer Badesee nahe dem Hüllgraben soll entstehen.

Florian Ring (CSU), Vorsitzender des Bezirksausschusses Bogenhausen, betonte im Hinblick auf die weiteren Planungen im Nordosten: „Nur Transparenz hilft.“ Er sprach sich für eine langsame Entwicklung der einzelnen Wohnviertel, den Erhalt der historischen Dorfkerne und den Verzicht auf Enteignungsdrohungen aus. „Und ohne eine Untertunnelung der S-Bahn*-Strecke zwischen Daglfing und Johanneskirchen geht gar nichts“, sagte Ring.

München: Neuer Stadtteil - Große Einigkeit bei Infrastrukturplanungen

Generell bestand bei der Infoveranstaltung - an der auch Stadträte verschiedener Parteien teilnahmen - eine große Einigkeit darüber, dass zunächst die verkehrliche Infrastruktur vorhanden sein muss, ehe die ersten Bürger im Nordosten überhaupt ihre Wohnungen beziehen. Geplant sind unter anderem eine Verlängerung der U4 und die Weiterführung der Tramlinien 17 und 19.

Etwa 350 Bürger hörten am Dienstagabend online bei der Veranstaltung zu. Im Live-Chat gingen dabei gut 500 Fragen ein. Die Anregungen will die Stadt in ihre weiteren Überlegungen miteinfließen lassen. Der Stadtrat soll dann im Oktober die nächsten Weichen für den neuen Stadtteil im Münchner Nordosten stellen. (kv) Noch mehr Nachrichten aus München lesen Sie hier. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare