Nockherberg ohne Live-Publikum

Derblecken digital: Starkes Solo von Maxi Schafroth - und keine Schläge mit der Corona-Keule

Nockherberg 2021: Schafroth kommuniziert „digital“ mit Bayerns Politker:innen.
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Nockherberg 2021: Schafroth kommuniziert „digital“ mit Bayerns Politker:innen.

Digitaler Nockherberg - geht das? Aber ja! Maxi Schafroth hat bewiesen, dass es kein Live-Publikum fürs Derblecken braucht.

München - Leere Stühle. Kein Stimmengewirr. Kein Bierdunst. So sieht er aus, der Humor im Home-office. In Mönchskutte betritt Maxi Schafroth die Bühne auf dem Nockherberg 2021 – und er weiß: Er muss jetzt alles geben, damit das hier irgendwie funktioniert. Ganz Bayern schaut zu. Schelmisch grinst der 36-Jährige in die Kamera. Er sieht ein bisserl aus wie Pumuckls älterer Bruder. „Wir müssen es uns hier schön machen“, betont er gleich zu Beginn seiner Fastenpredigt, hebt den Krug. Zwinkert. Kann man diesem Memminger vertrauen? Ja! Denn was Maxi dann zündet, ist ein starkes Spaß-Solo – mit viel Sinn und Verstand.

Maxi Schafroth am Nockherberg: Keine Schläge mit der Corona-Keule

Schnell wird klar: Hier werden heute keine Schläge mit der Corona*-Keule verteilt. Schimpftiraden über das Chaos in Impfzentren oder über den Mangel an Wirkstoffen? Tägliche Realsatire! Will keiner mehr hören. Nein, Maxi watscht ganz im Stillen ab: Herrlich amüsant ist das beispielsweise, als er Michael Piazolo in seine Derblecken-Runde zuschalten will – und das natürlich nicht klappt: „Michael, du musst dein Laptop aufklappen“, erklärt Schafroth dem Kultusminister dann übers Handy.

„Und du musst dann das Hansaplast von der Kamera abziehen.“ Das ist herrlich doppeldeutig – und rotzfrech. Oder auch, wenn Schafroth sich gleich bei Katharina Schulze von den Grünen für ihre digitale Anwesenheit auf dem Bildschirm bedankt und stichelt: „Sie ist extra für diese Übertragung nach Los Angeles geflogen, weil’s da noch hell ist – vorbildlich!“ Aua, diese Anspielung auf Schulzes weite Urlaubsreisen tut sichtbar weh. Und auch Münchens OB Dieter Reiter bekommt eine schnelle Watschn verpasst: „Der Herr Reiter, da sitzt er entspannt. Der Mietmarkt in München* ist es nicht.“

So wird jeder wichtige Politiker kurz am Monitor vorgestellt. Das hat was, da die Derbleckten ja nichts erwidern können. Grinsen müssen sie, ob sie wollen oder nicht. Wie damals im Festsaal. Tausendsassa Schafroth hat viele Stimmungs-Asse im Janker-Ärmel: Um ja zu vermeiden, dass sein Vortrag zu einem trägen Telekolleg-Monolog mutiert, baut der Kabarettist immer wieder Singstückerl ein. Auch das ist meist überraschend gewitzt: „Danke für Überstunden und Nachtschicht. Aber mehr Geld gibt’s dafür nicht!“, wird da geträllert und somit gleich Gesundheitsminister Jens Spahn mit seinem „nie gezahlten Pflege-Bonus“ durch den nicht vorhandenen Bier-Sud gezogen.

Andi Scheuer wird für sein Maut-Desaster abgewatscht

Natürlich läuft nicht alles perfekt bei dieser Premiere: Verkehrsminister Andi Scheuer wurde für sein Maut-Disaster schon von jedem (zurecht) so hergewatscht, dass seine Wangen ganz wund sein müssten. Da ist Maxis Kritik, dass der Minister „Geld verpulvert“ nur ein lauer Luftschlag. Und die Pausen nach den Musikeinlagen nehmen auch Geschwindigkeit aus der Gesamtvorstellung raus.

Aber Fakt ist: Maxi macht das Beste aus dieser Isolation im Saal. Sein Auftritt ist leidenschaftlich, voller Begeisterung. Der Allgäuer hat seinen Spaß dort auf der Bühne. Und er tut noch etwas, was ihn ehrt: Er bedankt sich am Ende seiner Rede für den Corona-Einsatz aller Politiker in diesen harten Zeiten. „In eurer Haut möchte wohl derzeit niemand stecken“, merkt er an. Stimmt. Keiner! Auch nicht am Nockherberg… Armin Geier - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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