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Nach Gas-Schock: Unternehmer in Sorge - die Reaktionen auf den Notfallplan in München

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Von: Nina Bautz, Martina Williams, Christina Meyer

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Verdichterstation für russisches Erdgas
Russisches Erdgas, wie beispielsweise von der Erdgasverdichterstation Mallnow der Gascade Gastransport GmbH, könnte knapp werden. Die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas wurde deswegen ausgerufen. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. In München löst das bei vielen Unternehmen Angst aus.

München - Nachdem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) die Frühwarnstufe des Notfallplans Gas ausgerufen hat, ist die Angst vor einer Verschlechterung der Gasversorgung auch in München groß. „Ein Gas-Lieferstopp aus Russland wäre für das Bäckerhandwerk eine Katastrophe“, sagt Heinrich Traublinger, Obermeister der Münchner Bäcker-Innung. Gas sei bei Backöfen im Bäckerhandwerk am meisten verbreitet, sagt Traublinger. „Wird der Gashahn abgedreht, können wir nicht mehr backen und die Bevölkerung nicht mehr versorgen.“ Für sein Unternehmen mit 22 Münchner Filialen wäre das „ein immenser Verlust“, betont er.

München: Notfallplan sorgt für harte Zeiten bei lokale Unternehmen

Nicht nur auf Bäcker kommen harte Zeiten zu. Viele Unternehmen sorgen vor. So hat etwa der MAN-Vorstand unmittelbar nach Kriegsbeginn eine Task Force eingesetzt, die sich mit allen Fragen rund um den Krieg und dessen Folgen für das Unternehmen befasst. Seitens von BMW heißt es: „Die Strom- und Gaspreise werden durch verschiedene Mechanismen langfristig abgesichert.“

Ein weiterer betroffener Bereich wäre das Brauereiwesen. Laut Deutschem Brauerbund setzt sich der Energieverbrauch hier ungefähr zu einem Drittel aus Strom und zwei Dritteln aus Gas zusammen. Der Münchner Hofbräu setze derzeit sogar nur auf Gas, berichtet Sprecher Stefan Hempl. Vorgänge wie das Kochen beim Brauen sowie das Abfüllen seien sehr energieintensiv. „Wir haben den Vorteil, dass wir jederzeit auf Öl umstellen könnten. Das wäre dann aber natürlich eine Mengen- und Preisfrage.“ Der ohnehin schon steigende Bierpreis könnte so weiter anziehen (wir berichteten).

Münchens Gastronomie steht vor nächsten Krise

Die Gastronomie, noch schwer von Corona gebeutelt, steht vor der nächsten Krise. „Ich habe große Angst, dass wir wieder die Leidtragenden sind“, sagt Christian Schottenhamel, Wirt vom Paulaner am Nockherberg. Zwar läuft seine Küche wie die meisten Gastronomie-Küchen mit Strom, aber auch der wird teils aus Gas gewonnen. „Im schlimmsten Fall müssten wir bei einem Engpass schließen – wieder mal.“ Stephan Kuffler (Seehaus, Spatenhaus) stimmt zu: „Das volle Programm könnten wir im Fall einer Lieferbeschränkung nicht mehr anbieten.“ Optimistisch bleibt Gregor Lemke vom Augustiner Klosterwirt, Sprecher der Innenstadtwirte. „Ich bin sicher, dass der Ernstfall nicht eintreten wird. Und selbst wenn: Wir haben ohnehin keinen Plan B! Wir können ja schlecht zehn Gaskartuschen kaufen und an die Heizung hängen.“

Gas-Schock löst panische Anfragen bei Heizungstechniker in München aus

Olaf Zimmermann, Obermeister der Innung Spengler, Sanitär- und Heizungstechnik (SHK) München, berichtet: „Seit der drastischen Preissteigerung haben wir durchschnittlich 20 Kundenanfragen pro Woche, die ihre Gas- bzw. Ölheizung auf eine Wärmepumpe umstellen möchten.“ Aufgrund des Fachkräftemangels komme man da kaum hinterher. Aber ist das überhaupt nötig? Wie alle Netzbetreiber bereiten sich die Stadtwerke München jetzt noch intensiver auf eine etwaige Gasmangellage vor. „Kurzfristig sind allerdings keine Versorgungsengpässe zu befürchten“, beruhigt Sprecher Michael Silva. „Die ausgerufene Frühwarnstufe ändert für die Belieferung unserer Kunden zunächst nichts.“

Bei Gasmangellage: Industrie und Großkunden müssen Verbrauch reduzieren

Sollte sich die Situation weiter verschärfen, müsse nach dem Krisenplan in der dritten Stufe die Bundesnetzagentur über hoheitliche Maßnahmen wie das Abschalten entscheiden. „Wenn es tatsächlich zu einer Gasmangellage käme, dann wären Haushaltskunden und Wärmeversorger besonders geschützt und erhielten weiterhin vorrangig Erdgas.“ Industrie- beziehungsweise Großkunden würden dann aufgefordert, ihren Verbrauch zu reduzieren. Erst in einem weiteren Schritt würden dann bestimmte Großkunden, wie etwa Industriebetriebe, vom Netz genommen.

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