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Engpässe bei der Notfallversorgung in München: Situation verschärft sich – neue Zahlen sprechen Bände

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Von: Sascha Karowski

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Der Rettungsdienst ist immer öfter im Einsatz.
Der Rettungsdienst ist immer öfter im Einsatz. © IMAGO/Thomas Einberger/argum

Die Situation in der Notfallversorgung in München spitzt sich weiter zu. Das zeigen die Ergebnisse einer Studie, die im Auftrag der Stadt erstellt wurde.

München - Lange Wartezeiten in den Notaufnahmen, Verzögerungen beim Rettungsdienst sowie Engpässe in der Notfallversorgung: München hat eine Blaulicht-Krise. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die im Auftrag der Stadt erstellt wurde. Demnach haben sich zwischen 2015 und 2019 etwa 2,2 Millionen Mal Kliniken bei der Krankenhaus-Ampel abgemeldet, weil ihre Kapazitäten nicht mehr ausreichten.

Eingeflossen in die Studie sind Zahlen von zwölf Kliniken. Im Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis 31. Dezember 2019 wurden insgesamt 1.655.674 Fälle in die Auswertungen einbezogen. Bei den Rettungsdiensten sind zum Teil Daten von 2015 bis 2021 erfasst worden. Gemeldet wurden 1.193.738 Einsätze. Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) kümmert sich um Notfälle, meldete für diesen Zeitraum 1.096.304 Patienten der Kliniken und 1.304.380 Fälle des organisierten Bereitschaftsdienstes.

Sorge um Notfallversorgung in München: Notstand in den Notaufnahmen

Demnach war das Aufkommen sowohl bei den ambulanten (-5,5 Prozent) als auch bei den stationären (-3,5 Prozent) Fällen rückläufig. 60 Prozent der Erwachsenen und 80 Prozent der Kinder wurden ambulant in Kliniken behandelt. Im Schnitt waren im Jahr 2019 Erwachsene (ambulant) 41 Jahre alt (2015: 38). Patienten, die stationär aufgenommen wurden, waren 2019 im Schnitt 70 Jahre alt (2015: 67), Kinder (ambulant) vier und (stationär) drei Jahre.

Zur ambulanten Behandlung wurden 15 Prozent der Erwachsenen und sieben Prozent der Kinder mit dem Rettungsdienst gefahren. Stationär aufgenommen wurden 36 Prozent der Erwachsenen und 21 Prozent der Kinder und Jugendlichen. Die Zahl der Einlieferungen insgesamt nahm von 2015 bis 2019 um fünf Prozent zu. Zugelegt hat auch die Wartezeit: Im Schnitt verlängerte sich die Transportdauer von acht Minuten im Jahr 2015 auf zehn Minuten im Jahr 2021. Die Zeit von der Ankunft des Rettungswagens am Unfallort bis zur Abfahrt in die Klinik (On-Scene-Intervall) stieg von 28 Minuten im Jahr 2015 auf 33 Minuten im Jahr 2021. Und die Spanne vom Notrufeingang bis zum Eintreffen des Wagens am Krankenhaus (Prähospitalzeit) stieg gar von 48 auf 57 Minuten.

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München: Zahl der Patienten soll bis 2030 und 2040 noch weiter wachsen

Über das System IVENA, die sogenannte Krankenhaus-Ampel, wurden in 2.220.354 Fällen Notaufnahmen abgemeldet, weil einfach keine Kapazitäten mehr frei waren. Der Studie zufolge waren 2019 viermal so viele Akutzuweisungen notwendig wie noch im Jahr 2015. Das bedeutet: Obwohl sich eine Klinik mit einer Station abgemeldet hat, wurden Patienten in das Krankenhaus gebracht. Dabei herrschen laut Studie vor allem bei der Schlaganfallversorgung und bei Intensivbereichen Versorgungsdefizite.

Die Behandlungsfälle in den Bereitschaftspraxen der KVB sind in den Jahren 2015 bis 2019 um etwa 20 Prozent angestiegen. Laut Studie hatte die KVB das Bereitschaftsangebot seit 2018 deutlich ausgeweitet, was auch den Rückgang des Patientenaufkommens in den Kliniken erklären würde. Der KVB-Fahrdienst derweil verzeichnet einen Rückgang von 14 Prozent.

Die Zahl der Patienten wird weiter zunehmen. Bis zum Jahr 2030 rechnen die Studienteilnehmer mit 34.000 Fällen (neun Prozent) und bis 2040 mit 60.000 Fällen mehr pro Jahr. Für die Praxen der KVB wird bis zum Jahr 2030 eine Zunahme um 12.876 Fälle (8,2 Prozent) und bis zum Jahr 2040 eine Zunahme um 23.386 Fälle erwartet.

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