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NS-Ehrentempel am Königsplatz: Aktion „Schutt und Ehre“ gegen das Vergessen

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Von: Claudia Schuri

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Rettungsringe und Bootsfender machen auf die Geschichte der NS-„Ehrentempel“ aufmerksam. Verblieben sind nur noch die Sockel.
Rettungsringe und Bootsfender machen auf die Geschichte der NS-„Ehrentempel“ aufmerksam. Verblieben sind nur noch die Sockel. © Miriam Schuster

Es ist eine braune Ruine: Von den so genannten beiden „Ehrentempeln“ der Nationalsozialisten sind nur noch die Sockel übrig. Die Geschichte ist bei vielen Münchnern in Vergessenheit geraten – ein Projekt soll jetzt wieder darauf aufmerksam machen.

Der Sockel ist mit Pflanzen bewachsen, er wirkt unscheinbar. Doch jetzt machen orangene Rettungsringe, Bootsfender und ein gelb-schwarzes Band auf die Ruine aufmerksam, die direkt an das NS-Dokumentationszentrum am Max-Mannheimer-Platz grenzt. Es handelt es sich um Überreste von Nazi-Bauten.

Will zum Nachdenken anregen: Kabarettist Christian Springer ist Initiator der Aktion.
Will zum Nachdenken anregen: Kabarettist Christian Springer ist Initiator der Aktion. © Miriam Schuster

Am nördlichen Sockel zeigt das NS-Dokumentationszentrum in Kooperation mit der Initiative „Schulterschluss“ des Kabarettisten Christian Springer die Installation „Schutt und Ehre“. Ziel sei, die Münchner zum Nachdenken anzuregen. „Beschäftigt euch mit dieser – eurer eigenen – Geschichte“, wünscht sich Springer. „Wir wollen deutlich machen, dass das Nachdenken und Reden über die Geschichte nie abgeschlossen sein kann“, erklärt er. Springer findet es schade, dass in Vergessenheit geraten sei, was an den Orten passiert ist – die Rettungsringe sollen das Hervorholen der Geschichte aus der Versenkungen symbolisieren.

Besonders Jugendliche und junge Erwachsene sollen durch das Projekt aufmerksam werden und sich damit auseinandersetzen, wie mit den belasteten Orten umgegangen werden soll. Schüler der Städtischen Berufsschule für Spedition und Touristik planen außerdem ein Videoprojekt. Am Ende des Schuljahres werden die Ergebnisse auf sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Solche Aktionen seien wichtig, bestätigt die Fachinformationsstelle Rechtsaktivismus in München. Zwar gebe es in der Stadt nur wenige Gruppen, die direkt auf die NS-Zeit Bezug nehmen. „Aber es gibt Gruppen, die versuchen, das Ganze in ein neues Gewand zu packen“, sagt eine Mitarbeiterin. Die Ideologie – sie bleibe.

Am 9. November 1935 hatte die NSDAP zwei sogenannte „Ehrentempel“ als Teile des neuen nationalsozialistischen Kult- und Machtzentrums am Königsplatz eingeweiht. Dort erhielten 16 Tote vom Hitler-Putsch 1923 eine Grabstätte. Eine „Ehrenwache“ der SS stand Tag und Nacht Spalier, Besucher mussten den rechten Arm zum Hitlergruß erheben.

Beseitigung nach dem Krieg: Die US-Militärregierung sprengte die Bauten im Jahr 1947.
Beseitigung nach dem Krieg: Die US-Militärregierung sprengte die Bauten im Jahr 1947. © Süddeutsche Zeitung Photo

Die Bauten überstanden den Krieg und wurden 1947 nach der Umbettung der Toten auf Anweisung der US-Militärregierung gesprengt.

Immer wieder gab es Diskussionen über die Nutzung. Denn die beiden Fundamente sind noch heute vorhanden, teilweise unter Büschen versteckt – unsichtbar aber sollen sie nicht sein.

Miriam Schuster und Claudia Schuri

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