"Der Christian wird’s scho richten"

OB Ude besucht die Schoppenstube

+
OB Ude nahm mit Gattin Edith von Welser-Ude neben Wirtin Gerti (r.) Platz.

München - Christian Ude hat die Schoppenstube besucht. Münchens OB ist die letzte Hoffnung für die Kult-Kneipe. Wirtin Gerti Guhl hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Christian Udes Chef-Fahrer Manfred Haugg läuft nervös vor der Fraunhofer Schoppenstube auf und ab. „Mensch, er sollte doch um 21 Uhr einen Film eröffnen. Was macht der denn so lang da drin?!“ Der Oberbürgermeister schunkelt und singt mit den Gästen im Kult-Lokal.

Udes Kneipenbesuch am Dienstagabend hat einen ernsten Hintergrund: Die Vermieter haben Wirtin Gerti Guhl nach fast 40 Jahren zum Jahresende den Mietvertrag gekündigt. Ude wollte helfen – „aber ich war noch nie hier. Und mir wurde von allen Seiten immer nur gesagt wurde: ‚Die Stimmung dort, die kann man nicht beschreiben – das muss man erleben‘. Deshalb mache ich mir selbst ein Bild.“

Eigentlich sollte es ein ruhiges Gespräch über die rechtlichen Möglichkeiten einer Rettung werden – erst mal wird daraus aber nichts. Schon am Eingang warten Dutzende Fans, einer trägt ein Plakat: Fraunhofer Schoppenstube forever. Drinnen ist es rappelvoll, Ude und seine Frau kommen kaum zu ihrem Platz durch. Dort stehen frische Rosen und ein Schild auf dem Tisch: „Herzlich willkommen, Herr Oberbürgermeister.“

Kaum sitzt Ude, singen auch schon alle lauthals los. „Ein Proooosit, ein prooosit der Gemütlichkeit!“ Alle Gäste und die Musiker zeigen, wie einzigartig die Stimmung hier ist. Ude ist ihre letzte Hoffnung! Der Oberbürgermeister bekommt einen Prosecco und Pumpernickel-Schnittchen. Ständig sagt ihm ein Gast, warum die Kult-Kneipe erhalten bleiben muss. Ude wirkt überrumpelt, aber lächelt in die Runde.

Was soll er auch tun? Vermieter und Wirtin sprechen kaum mehr miteinander. Die Kündigung ist rechtens. Deshalb verkündet Ude am späten Abend: „Ich bitte um Verzeihung, dass ich keine tollen Versprechungen machen kann.“ Er habe mit den Vermietern gesprochen, einer Erbengemeinschaft. „Das sind keine Miethaie, sondern alte Herren, die ihr Haus energie-effizient sanieren wollen. Sie können mit ihrem Eigentum machen, was sie wollen.“ Ude will die Wogen glätten.

Aber der OB wäre wohl nicht gekommen, könnte er nicht doch ein Fünkchen Hoffnung versprühen – es ist ja auch Wahlkampfzeit. „Ich versuche noch einmal, den Vermietern die Einmaligkeit des Lokals näherzubringen. Und ich kann mich um eine Fristverlängerung bemühen.“ Tosender Applaus. Aber er sagt auch, dass Gertis Lokal eventuell umziehen muss. „Dann wäre ich auch behilflich bei der Suche nach einem neuen Ort.“

Ude wollte eine knappe Stunde bleiben, daraus werden zwei. Er trinkt, singt, lacht und ratscht. Seine Bilanz? „Was soll ich sagen? Die Stimmung, die kann man nicht beschreiben – das muss man erleben“, sagt er lachend und spielt darauf an, was ihm alle im Vorfeld gesagt haben.

Nun liegt die Hoffnung auf Ude, dem Schoppen-Schlichter. Gerti ist sich sicher: „Der Christian wird’s scho’ richten!“

Nina Bautz

auch interessant

Meistgelesen

Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Stadt vs. Region: Wo sich das Landleben noch lohnt
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?
Zuhälter-Schorsch: Muss er jetzt für immer hinter Gitter?

Kommentare