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Schock für Münchner Innenstadt - Nach fast 200 Jahren Schluss für Kult-Spielwarengeschäft

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Von: Carmen Ick-Dietl

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Spielwarenladen (Spiezeug-Fachgeschäft) Obletter am Stachus in Muenchen
An diesen Schaufenstern leuchten Kinderaugen. Doch ein Ende ist in Sicht. © Michaela Rehle

In der Münchner Innenstadt machen immer mehr alteingesessene Läden dicht. Nun trifft es einen weiteren großen Namen. Für das Spielwarengeschäft Obletter soll in einem Jahr Schluss sein. Der Eigentümer will seinen Mietvertrag am Stachus nicht verlängern.

München - Kuscheltiere, Baukästen, Puppen, Eisenbahnen - derzeit drücken sich die Kinder wieder an den Schaufenstern des fast 200 Jahre alten Spielwarengeschäfts Obletter die Nasen platt. Der Blick in die bunte Auslage am Stachus ist für kleine Wunschzettel-Autoren ein fester Programmpunkt in der Vorweihnachtszeit. Sie sollten ihn genießen, denn Anfang 2023 ist Schluss mit der schönen Spielwarenwelt.

Obletter will den Mietvertrag für die Räume am Karlsplatz nicht verlängern. Das traditionsreiche Münchner* Spielwaren-Fachgeschäft gehört seit 1997 der Müller Handels GmbH & Co. KG, bekannt durch ihre Drogeriemärkte. Eigentümer der Immobilie, dem Stachus-Rondell, ist die Bayerische Hausbau.

Obletter-Aus am Stachus: Müller äußert sich nicht zum Auszug

Müller habe ihnen „frühzeitig und partnerschaftlich signalisiert“, dass man seinen zum 31. Januar 2023 auslaufenden Mietvertrag am Karlsplatz 11 und 12 nicht verlängern wolle, erklärt Hausbau-Pressesprecherin Sabine Hagn auf Anfrage. „Wir haben daraufhin in den vergangenen Monaten intensiv eine Vielzahl von Optionen geprüft, um eine Fortführung des Traditionsgeschäftes zu ermöglichen.“

Laut Branchen-Insidern soll es um eine signifikant reduzierte Miete für die zwei Geschosse in Innenstadt-Bestlage gegangen sein. Müller hat dieses Angebot offensichtlich ausgeschlagen. „Wir bedauern sehr, dass die intensiven gemeinsamen Bemühungen nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben“, erwidert Hagn nur dazu. Zu den Gründen für den Auszug müsse man sich an die Müller-Gruppe in Ulm wenden. Dort aber lehnt man jede Stellungnahme ab. „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir uns dazu nicht äußern.“

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Obletter: Münchens ältestes Spielwaren-Fachgeschäft

Obletter ist Münchens ältestes Spielwaren-Fachgeschäft. 1825 wurde es von Josef Obletter, dessen Familie aus Südtirol stammte, gegründet. Der erste Laden lag am Marienplatz*. 1889 wurde Obletter königlicher Hoflieferant. Später zog die Firma an den Karlsplatz um. Bis etwa 1972 war das Unternehmen in Familienbesitz. Neben dem Hauptsitz am Stachus gab es noch Filialen in Schwabing* und am Marienplatz.

Spielwarenladen (Spiezeug-Fachgeschäft) Obletter am Stachus in Muenchen
Spielwaren in Bestlage: der Obletter im Stachus-­Rondell © Michaela Rehle

Dann kaufte Franz Carl Weber aus Zürich die Firma. Zu dieser Zeit wurde das Schaukelpferd zum Logo, das heute noch am Stachus über dem Laden hängt. Der neue Eigentümer gründete neue Geschäfte unter dem Namen Obletter. Als 1984 Probleme auftraten, gehörten etwa 30 Einzelhandelsgeschäfte zur Firmengruppe. Viele dieser Läden wurden geschlossen oder verkauft. Investoren führten zwölf Niederlassungen samt dem Hauptgeschäft am Stachus weiter, bis sie 1997 von der Drogeriekette Müller übernommen wurden.

Von diesen Filialen existiert heute nur noch der Obletter am Stachus. Das Traditionshaus blieb unter dem alten Namen erhalten. Was hier 2023 einziehen könnte, ist noch unklar. Die Hausbau will nach eigenen Angaben zeitnah Gespräche mit potenziellen Nachmietern führen. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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