Schub für die Mobilitätswende

Schluss mit teuren Fahrkarten! Kommt jetzt das Ein-Euro-Ticket für ÖPNV-Nutzer in München?

Das 365-Euro-Ticket soll in München mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen
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Das 365-Euro-Ticket soll in München mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen.

Im gesamten MVV-Gebiet für einen bestimmten Preis unterwegs sein? Das gibt es schon. Durch ein neues Angebot soll der ÖPNV in München jedoch deutlich attraktiver werden.

  • Der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) in München* ist teurer als in anderen Städten - soll jedoch attraktiver werden.
  • Ein Schritt dorthin ist die Einführung des 365-Euro-Tickets. Im Rathaus fand deswegen eine Pressekonferenz statt.
  • Wir stellen die Pläne für einen Schub der Mobilitätswende vor. Es dreht sich um die Reduzierung von Autoverkehr.

München - Ein 365-Euro-Jahresticket für alle Münchner – das fordern die Oppositionsfraktionen im Stadtrat. Für umgerechnet einen Euro am Tag soll jeder Bürger im gesamten Gebiet des Münchner Verkehrsverbundes (MVV) unterwegs sein können – durch Subventionen der Stadt!

Um ihren gemeinsamen Plan vorzustellen, haben sich Vertreter der ÖDP, Linken und CSU am Dienstag zu einer gemeinsamen Pressekonferenz im Besprechungszimmer der CSU im Rathaus getroffen – eine politisch eher ungewöhnliche Konstellation. Am Tisch: die Fraktionschefs Manuel Pretzl (CSU), Stefan Jagel (Die Linke/Die Partei) und Tobias Ruff (ÖDP/Freie Wähler). Und sie sprachen von einem breiten Bündnis, das sich für das Projekt einsetzen möchte.

München: 365-Euro-Ticket bereits eingeführt - und ein gefragtes Angebot

Fahren für einen Euro am Tag – das geht freilich schon. Aber halt nicht für alle. Seit 1. Juli gibt es das günstige Billett für Schüler und Azubis. Es gilt für das gesamte Gebiet des MVV. Seit Einführung ist die Nachfrage entsprechend hoch. Bereits in den ersten Wochen verzeichnete die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) schon mehr als 20.000 Verkäufe.

Noch wesentlich mehr Resonanz soll das 365-Euro-Ticket für alle Münchner bringen. So sei beispielsweise durch die Einführung des Ein-Euro-Billetts in Wien die Zahl der ÖPNV-Nutzer um 120 Prozent gestiegen. Die Vorteile eines solchen Tickets lägen mithin auf der Hand. Günstige Fahrpreise animierten dazu, das Auto auch mal stehen zu lassen, Staus würden vermieden, die Luft würde besser und die Lebensqualität höher, heißt es in dem Antrag der Fraktionen.

Das 365-Euro-Ticket leiste demnach einen wichtigen Beitrag zur Mobilitätswende und beachte ökologische, soziale und ökonomische Aspekte.

München: Wer trägt Kosten für geplantes 365-Euro-Ticket? Stadt würde MVG/MVV bezuschussen

Die Fraktionen rechnen mit Kosten von rund 110 Millionen Euro, die die Stadt jährlich schultern müsste. Damit würde das Fahren für Münchner quasi subventioniert und MVG und MVV entstünden keine Mindereinnahmen. „Wir gehen aber von Synergieeffekten aus“, sagt Pretzl. Die Nachfrage nach dem Ein-Euro-Ticket werde beispielsweise größer sein als die nach den herkömmlichen Fahrscheinen. „Für einen Euro am Tag durch ganz München fahren – ein besseres Argument für die Nutzung des ÖPNV gibt es nicht“, sagt Pretzl. Die Verkehrswende könne nur gelingen, wenn der Umstieg auf U-Bahn, Bus und Tram so attraktiv wie möglich gestaltet werde. „Die öffentlichen Verkehrsmittel sind das Rückgrat der Mobilität in dieser Stadt.“

ÖDP/Freie Wähler-Chef Tobias Ruff unterstrich den Nutzen für das Klima. „Über die Hälfte des Feinstaubs und Stickstoffdioxids in München sind auf den Kfz-Verkehr zurückzuführen. Damit unsere Stadt lebenswert bleibt und wir nicht mit noch mehr Vollgas in die Klimakrise schlittern, müssen wir umweltfreundliche Verkehrsmittel stärker fördern.“ Die Linke/Die Partei-Chef Stefan Jagel war überdies der soziale Aspekt wichtig. „Die ökologische Wende in der Verkehrspolitik muss aus unserer Sicht sozial gestaltet werden.“ Viele Menschen seien auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, darunter Personen mit geringem oder ohne Einkommen. Auch für diese müssten die öffentlichen Verkehrsmittel bezahlbar sein. „Die Menschen sollen ebenso mobil sein können wie alle anderen auch. Das verstehen wir unter sozialer Gerechtigkeit.“

München: MVV-Ticketpreise werden noch im Dezember 2020 steigen

Außerdem werden die Ticketpreise für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember um durchschnittlich 2,8 Prozent steigen. Das hatte die Gesellschafterversammlung des Münchner Verkehrsverbundes (MVV) beschlossen (wir berichteten). Der Preis der Einzelfahrkarte für die Zone M wird um 10 Cent auf künftig 3,40 Euro erhöht. Der Preis der Streifenkarte wird von bisher 14 Euro auf 14,60 Euro angehoben, der Preis der Streifenkarte U21 von bisher 7,70 Euro auf künftig 8 Euro. Die Preise der Tageskarten werden zwischen 1,2 Prozent und 2,3 Prozent angehoben. So wird der Preis der Gruppen-Tageskarte für die Zonen M - 5 von 24,30 Euro auf 24,70 Euro erhöht. Der Preis der Single-Tageskarte für die Zone M steigt um 10 Cent auf 7,90 Euro.

Fünf neue Radschnellwege* von München in das Umland sind machbar, so das Ergebnis einer Untersuchung. Allerdings wären die Trassen mit großen Eingriffen ins Verkehrsnetz verbunden. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digitalnetzwerks

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