Serie: Meine Welt ohne Wiesn

München ohne Wiesn - Berger-Familie: Autowerkstatt statt Vogelpfeiferl

Die Vogelpfeifer in ihrem Stand auf der Wiesn
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Die Vogelpfeifer in ihrem Stand auf der Wiesn

Was machen die Menschen, die jetzt jeden Tag auf dem Oktoberfest wären, ohne die Wiesn? Wir haben nachgefragt: Heute bei Horst und Tobias Berger, den Vogelpfeifern.

Die Zwei sind weit über das Oktoberfest hinaus bekannt und mittlerweile Kult: Die Vogelpfeiferl-Könige Horst (81) und Tobias Berger (52). Eigentlich sind sie zu dieser Zeit des Jahres in ihrem kleinen Holz-Standl zu den Füßen der Bavaria zu finden, wo sie die Festbesucher mit guter Laune und Vogel-Gezwitscher unterhalten und die kleinen Pfeifen verkaufen. Jetzt ist das Vater-Sohn-Duo schon seit zwei Jahren nicht mehr auf der Wiesn gelandet. Stattdessen: Alltag in der Werkstatt in Zorneding.

„Wir sind schon sehr traurig, dass die Wiesn dieses Jahr wieder nicht stattfindet“, sagt Horst Berger. Beide hätten sich schon gefreut, wenn’s dieses Jahr wieder auf die Theresienwiese gegangen wäre. „Ein Jahr Pause war eigentlich schon zuviel.“

Die Pfeiferl verkaufen sich übers Internet sogar nach China

Dabei ist es nicht so, dass die Bergers ansonsten nichts zu tun hätten: Ihre Werkstatt läuft gut und Tobias Berger führt zusammen mit seiner Frau auch noch ein thailändisches Restaurant. Außerdem verkaufen sie die Original-Pfeiferl über einen Online-Shop in die ganze Welt: Nach Italien, China, Spanien – die Nachfrage ist nach wie vor hoch.

Ist denn da überhaupt genug Zeit, um auf der Wiesn zu pfeifen? „Na, aber klar“, versichert Horst Berger. Auch wenn die zwei Wochen schon immer anstrengend seien.

Ab und zu gehen sie auch ohne das Oktoberfest zwitschern und unterhalten. Für Firmenfeiern zum Beispiel seien sie schon öfter gebucht worden. Aber natürlich sei das kein Ersatz für die zwei Wochen Halligalli auf der Wiesn.

Horst (re.) und Tobias Berger in ihrer Werkstatt in Zorneding

Das Zwitschern hat in der Familie eine Tradition

Das Vogelpfeiferl-Geschäft der Familie hat eine lange Tradition: Horst Berger ist seit 1982 selbstständig auf der Wiesn als Vogelpfeifer unterwegs. Aber auch davor hat er bereits zehn Jahre lang den Lebensgefährten seiner Mutter pfeifend begleitet. Von ihm übernahm er dann auch den Stand auf der Wiesn. Vor 25 Jahren ist schließlich sein Sohn Tobias mit ins Geschäft eingestiegen.

Die kleinen Pfeiferl stellen sie mit einer Maschine in ihrer Werkstatt selbst her. Früher noch mit Wachspapier, heute mit einer speziellen Kunststoffmembran. „Damit halten sie viel länger, sogar bis zu einem Jahr“, erklärt Berger. Zum Leidwesen so mancher Eltern, sagt er und lacht.

Das sei eh das schönste an der Zeit auf der Wiesn: Die Kinder, die in Scharen kämen und sich über die Vogel-Geräusche freuten, sagt er. „Die haben auch immer schneller den Dreh raus als die Erwachsenen.“ Das sei eine wahre Freude: Den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

„Natürlich machen wir weiter!“

„Wir kriegen immer mal wieder Anrufe von Leuten, die wissen wollen, ob wir weitermachen“, sagt Berger. Da könne er aber alle beruhigen: Sobald die Wiesn wieder stattfindet – „hoffentlich nächstes Jahr“ – sind er und sein Sohn am Fuße der Bavaria anzutreffen.

Man muss nur dem fröhlichen Vogelgezwitscher folgen, dann findet man sie leicht.

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