Sozialreferat reagiert

41 Jahre nach Oktoberfest-Attentat: Verwundete wartet auf „echtes Zeichen der Anerkennung“

Gabriele Six gehört zu den Opfern des Oktoberfest-Anschlags von 1980.
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Gabriele Six gehört zu den Opfern des Oktoberfest-Anschlags von 1980.

Am 26. September 1980 starben bei einem rechtsterroristischen Anschlag auf dem Oktoberfest 13 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Noch immer warten Verletzte und Hinterbliebene auf eine Entschädigung.

München - Der 26. September 1980 war der Tag, an dem Gabriele Six fast ihr Leben verlor. Die heute 76-Jährige wurde beim Oktoberfest-Attentat vor 41 Jahren durch die Bombe des rechtsextremistischen Attentäters Gundolf Köhler schwer am Fuß verletzt. Der Schmerz ist ihr ständiger Begleiter. Fast schlimmer als die körperliche Verletzung wiegen für die Rentnerin aber die seelischen Wunden. „Man lässt uns alleine“, sagt sie.

Das Bomben-Attentat am 26. September 1980 gilt als der schwerste rechtsterroristische Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Jahrzehntelang galt der Anschlag als Verbrechen eines verwirrten Einzeltäters. Erst 2020 stufte die Generalbundesanwaltschaft den Bombenanschlag als rechtsextremistische Tat ein.

Oktoberfest-Attentat: 1,2 Millionen Euro in Hilfefonds von München, Bayern und dem Bund

Die Weichen für die späte Anerkennung des großen Leids, das der Anschlag über Verletzte und Hinterbliebene der Todesopfer gebracht hatte, wurden ebenfalls 2020 gestellt: Zum 40. Jahrestag des Anschlags verkündeten der Bund, der Freistaat und die Landeshauptstadt München*, gemeinsam einen 1,2 Millionen Euro umfassenden Hilfsfonds einzurichten. Geschädigte konnten bis 31. März 2021 eine „Solidarleistung“ beantragen. Zwar hatte der Freistaat Hilfsgelder zur Verfügung gestellt, und auch die Stadt München hatte 2018 einen Unterstützungsfonds von 100.000 Euro eingerichtet, doch ein Großteil der Opfer war leer ausgegangen.

So wie Gabriele Six. Sie stellte Ende 2020 einen Antrag auf „Solidarleistung“. Die schrecklichen Bilder kamen wieder in ihr hoch: Wie sie am Haupteingang der Wiesn von einem ohrenbetäubenden Knall zu Boden gerissen wurde. Wie plötzlich alles schwarz wurde. Wie sie im Krankenhaus wieder zu sich kam. Orientierungslos. Unter Schock. „Ein Jahr musste ich in der Klinik bleiben.“

Seit sie den Antrag abgeschickt hat, wartet die Rentnerin gebannt auf Antwort. „Warme Worte“ reichen ihr nicht, sie vermisse „ein echtes Zeichen der Anerkennung“.

Okotberfest-Anschlag: Bescheide müssten demnächst bei den Antragstellern ankommen

Das soll es jetzt geben: Eine Sprecherin des Sozialreferats teilt auf Anfrage mit, dass die Bearbeitung der Anträge abgeschlossen sei. „Die Bescheide sind alle am 30. Juni verschickt worden und müssten demnächst bei den Antragstellern im Briefkasten sein.“ Angaben zur Höhe der Summen macht sie nicht. Eine gemeinsame Presseerklärung von Stadt, Freistaat und Bund sei in Vorbereitung.

Einer, der das Prozedere genau kennt, ist Werner Dietrich. Der Münchner Anwalt hat eine Wiederaufnahme des Verfahrens zum Oktoberfest-Attentat erreicht und vertritt 15 Verletzte, drei seiner Mandanten sind inzwischen verstorben. Knapp 100 Personen hätten Anträge auf eine „gesellschaftliche Solidarleistung“ gestellt. Zwar hält er die Summe von 1,2 Millionen Euro für zu gering. Dennoch ist er zufrieden: „Die Stadt macht das gründlich und hält sich an die vorher kommunizierten Fristen.“ - Daniela Pohl - *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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