Stadtrat beschließt Verbot ab 2024

Trotz Kritik: Aus für Ponyreiten auf Wiesn und Dulten - „Wir sehen es als den richtigen Weg an“

 
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Ein Pony auf der Oiden Wiesn 2010.

Auf der Wiesn und auf allen anderen Volksfesten wird es kein Ponyreiten mehr geben. Das hat der Stadtrat entschieden. Das Verbot greift aber erst ab 2024, weil die Politiker der einzigen Betreiberfamilie aus München eine angemessene Übergangszeit gewähren wollte.

München - In der Straße 3 auf der Wiesn 2019 steht einer der letzten seiner Art: der Betrieb der Familie Schubert. Die Pony-Reitbahn wird bereits in vierter Generation geführt und gehört seit über 60 Jahren zum Bild auf dem Münchner Oktoberfest und den Dulten. Doch damit ist es bald vorbei. Der Stadtrat hat gestern mehrheitlich beschlossen, dass Ponyreiten auf Volksfesten zu verbieten. Zuvor hatte es Gespräche zwischen Politikern und der Familie Schubert gegeben. „Das war das härteste Gespräch, das ich in einem Jahr Stadtrat hatte“, sagte Julia Post (Grüne) gestern im Ausschuss. „Wenn man geschildert bekommt, was das für Auswirkungen hat. Das hat uns nicht kalt gelassen.“ Gemeinsam mit der SPD hatten die Grünen den Änderungsantrag eingebracht, damit das Verbot erst ab 2024 greift, um der Familie Schubert eine angemessene Übergangszeit zu gewähren. Ursprünglich war es schon im kommenden Jahr vorgesehen.

Zu Begründung des Verbots sagte Post, es gebe genug Expertenaussagen darüber, dass dieses „stupide und ewige im Kreis Laufen zu Schädigungen bei den Tieren“ führe. Überdies seien Pferde Fluchttiere, sie würden unter der Reizüberflutung auf den Volksfesten leiden. „Außerdem müssen wir uns fragen, welches Bild von Tieren als empfindsame Lebewesen wir im 21 Jahrhundert vermitteln wollen.“

München: Aus für Ponyreiten auf Wiesn und Dulten - „Wir sehen es als den richtigen Weg an“

CSU-Chef Manuel Pretzl kritisierte, dass Grüne und SPD mit dem Antrag für ein Ponyverbot an die Öffentlichkeit getreten waren – ohne vorher mit der betroffenen Familie zu sprechen. „Das hätte man vielleicht mal vorher machen sollen. Man muss sich vorstellen, wie das für die Familie ist, wenn sie es aus der Zeitung erfährt.“

Die CSU derweil werde am Ponyreiten festhalten. Es gebe schließlich genug Aussagen aus der Stadtverwaltung, dass keine Verstöße gegen den Tierschutz festgestellt wurden. Die zwölf Ponys der Familie Schubert würden maximal drei Monate im Jahr im Kreis laufen, es gebe zudem längere Ruhezeiten während des Betriebs. „Und den Rest des Jahres leben sie auf freien Weiden, Ich behaupte mal, dass es denen besser geht als 90 Prozent der Haustiere, die in Wohnungen gehalten werden.“ Das Argument, Pferde seien Fluchttiere, wollte Pretzl schlechterdings nicht gelten lassen. „Pferde sind seit Jahrhunderten domestiziert. Das Argument könnte man bei jeder Hochzeitskutsche und bei jedem Brauereiross auch anführen.“

München: Verbot für Ponyreiten auf Wiesn und Dulten

Für viele Kinder, insbesondere für Mädchen, seien sollche Angebote wie das Ponyreiten auf den Volksfesten die einzige Möglichkeit, sich Pferde real anzuschauen. „Das kann man nicht wegdiskutieren, das macht schon etwas für die Kinder aus.“ Gabriele Neff (FDP) pflichtete Pretzl bei. „Das war auf dem Volksfest das allererste, was Mädchen sehen wollten.

SPD-Stadtrat Klaus Peter Rupp sagte, das Ponyreiten sei seit Jahrhunderten eine Tradition. „Das ist uns schon bewusst.“ Daher habe man sich die Entscheidung auch nicht leicht gemacht. „Wir sehen es dennoch als den richtigen Weg an.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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