Trotzdem wurde er befördert

Skandal in der Münchner Polizei: Chef der Wiesn-Polizei warnt Wirt vor Razzia - „Ungeheuerlich“

Um den ehemaligen Chef der Wiesn-Wache entwickelt sich ein Polizei-Skandal.
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Um den ehemaligen Chef der Wiesn-Wache entwickelt sich ein Polizei-Skandal.

Weil er einem Festzelt-Wirt vorab verriet, dass eine Razzia bevorsteht, entwickelte sich um den ehemaligen Chef der Wiesn-Polizei ein handfester Skandal. Die Politik ist empört.

  • Die Polizei in München* wird von einem weiteren Skandal erschüttert.
  • Im Zentrum steht der ehemalige Leiter der Wiesn-Wache.
  • Er verriet eine Razzia im Vorfeld an Wirt Peter Pongratz.

Update vom 21. November, 11.16 Uhr: Gegen den früheren Chef der Wiesn-Wache läuft ein Disziplinarverfahren. „Der Polizeipräsident Thomas Hampel hat zudem entschieden, den Beamten bis auf Weiteres außerhalb des Präsidiums einzusetzen“, sagte ein Sprecher der Behörde am Samstag. Er soll 2018 einen Wirt vor einer Razzia gewarnt haben (siehe Erstmeldung).

Der Beamte erhielt einen Strafbefehl. Das Verfahren soll inzwischen rechtskräftig abgeschlossen und die Strafe bezahlt worden sein. „Jetzt ermittelt das Landeskriminalamt im Disziplinarverfahren, welche persönlichen Folgen das Verhalten hat.“ Laut Polizei wollte sich der Betroffene zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern.

Skandal in der Münchner Polizei: Chef der Wiesn-Polizei warnt Wirt vor Razzia - „Ungeheuerlich“

Erstmeldung: München - Wieder erschüttert ein Skandal das Münchner Polizeipräsidium.* Ein Skandal, der viele Fragen aufwirft – und nur wenige Antworten liefert. Passiert ist Folgendes: Christian W. (50), der damalige Leiter der Wiesn-Wache, hat 2018 dem Wiesn-Wirt Peter Pongratz vorab eine Razzia in dessen Winzerer Fähndl verraten. Im Visier hatten Zoll, Steuerfahndung und Polizei damals den Chef der Reinigungsfirma, die in diesem Festzelt putzte. Der Geschäftsführer dieser Putzfirma wurde im Februar unter anderem wegen Steuerhinterziehung zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Auch Christian W. bekam einen Strafbefehl: Wegen Verletzung des Dienstgeheimnisses musste er eine Geldstrafe bezahlen.

Eine der drängendsten Fragen in diesem Fall: Warum hat sich ein so erfolgreicher Mann wie Christian W. dazu hinreißen lassen, eine Razzia zu verraten? Der 50-Jährige war drei Jahre lang Chef der Wiesn-Wache, außerdem lange Zeit Leiter der Polizeiinspektion Sendling. Christian W. liegt zudem die Kriminalprävention am Herzen: Als Geschäftsführer des Münchner Sicherheitsforums setzt er sich vor allem für den Schutz älterer Münchner ein. Bei sämtlichen Kollegen ist der 50-Jährige beliebt, auch der Presse gegenüber wirkte er aufrichtig und ehrlich.

Warum also dieser Verrat? Die Staatsanwaltschaft betont: „Unsere Ermittlungen haben keinen Hinweis auf eine Gegenleistung ergeben, ebenso wenig darauf, dass Beweismittel vernichtet wurden.“ Eine Kontaktaufnahme zu Christian W. war am Freitag nicht möglich. Seit Juli arbeitet er in der Abteilung Einsatz des Polizeipräsidiums. Er legte keinen Einspruch ein, der Strafbefehl ist rechtskräftig. Laut Staatsanwaltschaft liegt die Geldstrafe bei einer zweistelligen Anzahl von Tagessätzen, unterhalb der Grenze, bei der man als vorbestraft gilt.

Polizei München: Warum wurde W. zum Polizeidirektor befördert?

Zudem stellt sich die Frage, warum W. vom Polizeioberrat zum Polizeidirektor befördert wurde. Das geschah im April, obwohl das Präsidium von den Ermittlungen wusste. Die Antwort des Präsidiums: Zwar ist das Disziplinarverfahren noch nicht abgeschlossen, doch dies stelle nicht automatisch ein Beförderungshindernis dar.

Unterdessen reagiert auch die Politik auf den Vorfall. Katharina Schulze empfindet den Vorgang als „ungeheuerlich“. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag hatte im September eine Anfrage an die Staatsregierung zu den „Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung auf dem Oktoberfest 2018“ gestellt. Bei den Antworten fühle sie sich „wie in einen schlechten Kriminalroman“ versetzt, „aber nicht in alltägliche polizeiliche Arbeit“. Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kann die Beförderung nicht nachvollziehen. Dass versucht worden sei, dieses Fehlverhalten zu vertuschen, sei bedenklich. Er kennt W. persönlich und ist schockiert. „Das hätte ich nicht gedacht.“ (weg/kv) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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