Wirbel um Auftritt in der Olympiahalle

Nach Antisemitismus-Vorwürfen: Waters geht rechtlich gegen OB Reiter vor

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Roger Waters bei den French Open

Pink-Floyd-Star Roger Waters ist nach dem Ärger um seinen Auftrit in München sauer auf Dieter Reiter - er hat nun seinen Anwalt auf Münchens OB angesetzt.

München - Pink-Floyd-Mitgründer und Sänger Roger Waters hat erneut auf die Kritik von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) reagiert – diesmal juristisch. Der Berliner Rechtsanwalt Christian Schertz hat am Freitag im Namen seines Mandanten Waters von der Stadt verlangt, die Presseerklärung des Oberbürgermeisters von der Internetseite der Landeshauptstadt zu entfernen. Das berichtet die dpa. 

Darin hatte Reiter dem Musiker am Dienstag „zunehmend unerträgliche antisemitische Äußerungen“ vorgeworfen und sich ferner von dem Konzert Waters’ in der Olympiahalle distanziert. „Bedauerlicherweise wurde der Mietvertrag für dieses Konzert abgeschlossen, bevor der Stadtratsbeschluss ,Gegen jeden Antisemitismus‘ am 13. Dezember von einer breiten Mehrheit offiziell verabschiedet wurde. Juristisch ist der Auftritt von Roger Waters daher nicht mehr zu verhindern.“ 

Waters verglich Israels Politik mit dem Holocaust

Der 74-jährige Musiker war in der Vergangenheit zunehmend durch harsche Töne gegenüber dem Staat Israel aufgefallen. Zudem unterstützt Waters die antiisraelische Organisation BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) und rief mehrfach zum Boykott von Künstlern auf, die in Israel auftreten wollen – 2014 etwa die Rolling Stones. In Tel Aviv zu spielen sei moralisch gleichwertig mit einem Auftritt in Südafrika zu Zeiten der Apartheid, sagte Waters. 

Ferner verglich der 74-Jährige in einem Interview die Politik Israels mit dem Holocaust. „Es gab viele Menschen, die so taten, als wenn die Unterdrückung der Juden nicht stattfinden würde. Zwischen 1933 und 1946. Nun gibt es ein neues Szenario. Nur, dass es jetzt die Palästinenser sind, die ermordet werden.“ 

Der Vorwurf: „Neutralitätspflicht verletzt“

Waters hatte bereits bei seinem Konzert in der Olympiahalle gegen die Stellungnahme des OBs gewettert. Nun kritisiert sein Anwalt, dass Reiters Presseerklärung einem Boykottaufruf gleichkomme. Der Musiker habe sich zwar kritisch zur Politik Israels geäußert, aber niemals „abfällig über Menschen jüdischen Glaubens“. Reiter habe mit der Erklärung seine Neutralitätspflicht verletzt, meinte Schertz. Reiters Sprecherin wollte sich inhaltlich nicht zur Forderung Waters’ äußern. Das Anwaltsschreiben werde von der Rechtsabteilung der Stadt geprüft, sagte sie lediglich. 

Lesen Sie auch: Roger Waters in der Olympiahalle - so schoss die Rocklegende gegen OB Reiter zurück

Sascha Karowski

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