Diese Debatte spaltet München 

Abends nur noch Massen und keine Halbe mehr im Biergarten: Maßlose Übertreibung?

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Ab 17 Uhr wird in vielen Biergärten Münchens nur noch Bier in Maßkrügen ausgeschenkt. Im Bild: Benjamin Dirk (30, r.),und Lars Tinas (32).

Mass oder Halbe? An dieser Frage scheiden sich in Münchens Biergärten die Geister. Lieber öfter an die Schänke rennen und dafür stets frischen Gerstensaft im Krügl? Oder besser den Masskrug stemmen, in dem das Bier oft schnell warm wird?

München - Stammkunden beschweren sich, dass es auf dem Nockherberg seit der Übernahme von Wirt Christian Schottenhamel ab 17 Uhr nur noch Bier aus dem Masskrug gibt. Wir haben mit Wirten und Gästen gesprochen und die bierige Debatte angestoßen: Mass statt Halbe – eine maßlose Übertreibung?

„Logistisch wäre es nicht anders zu bewerkstelligen“, erklärt Nockherberg-Chef Christian Schottenhamel. Er hat im vergangenen Jahr das Traditionswirtshaus übernommen und heuer eine neue Regel eingeführt: Ab 17 Uhr gibt es im Selbstbedienungsbereich des Biergartens nur noch Bier aus Masskrügen. „Wir versorgen mit einer Schänke 2000 Gäste“, sagt Schottenhamel. Ein Bierausschank in 0,5-Liter-Krügen würde wegen des schnelleren Verzehrs eine lange Schlange verursachen – was für Unmut bei den Gästen sorgen würde.

Mass Bier: Ein Stück Tradition, das erhalten werden müsse

Schankkellner Julian Etzelsdorfer pflichtet seinem Chef bei. Der 25-Jährige meint: „Mein Job ist nur noch so zu schaffen. Manchmal tun mir abends die Arme vom ständigen Zapfen weh.“ Wem eine Mass zu viel ist, kann sich laut Schottenhamel in den bewirteten Bereich setzen. Der bietet Platz für 300 Personen, es gibt dort eine Halbe – die kostet zehn Cent mehr als vor 17 Uhr im SB-Bereich.

Ab 17 nur noch Bier aus Masskrügen: Nockherberg-Schankkellner Julian Etzelsdorfer ist froh über die Regelung.

Und wie sieht’s in anderen Bieroasen aus? Wiggerl Hagn, der die Hirschau im Englischen Garten betreibt, regelt den Ausschank spontan. „Wenn ned viel los ist, gibt’s a Halbe“, berichtet er. Bei großem Andrang, wie etwa bei Fußballspielen, schenkt aber auch Hagn nur im Masskrug aus.

Bei Günter Steinberg greift die Mass-Regel in seinem Hofbräukeller sogar schon ab 16 Uhr. Er ist der Meinung, eine Mass sei ein Stück Tradition, das erhalten werden müsse. Aber auch Ausnahmen gebe es. Steinberg: „Eine betagte Dame bekommt natürlich auch eine Halbe.“

Und was denken die Biergartenbesucher? Lesen Sie die Antworten in unserer großen Umfrage!

Biergärten in München: Der große Überblick

Mass statt Halbe? Das sagen Biergarten-Besucher

Eva Blaschke (66), pensionierte Studiendirektorin aus Altötting: Wir Frauen trinken lieber eine Halbe. Meiner Ansicht nach ist das schon frauenfeindlich. Auf unsere Bedürfnisse wird ja keine Rücksicht mehr genommen, da wir Frauen doch meist lieber eine Halbe und nicht gleich eine ganze Mass trinken. Und das Teilen ist auch nicht immer möglich, denn die Freundinnen möchten vielleicht nicht oder haben ihre eigenen Getränke. Wenn man sich ein zweites Mal anstellt, ist man schon bei zwei Litern, und vielleicht möchte jemand hinterher noch mit dem Auto heimfahren, deswegen finde ich eine Verpflichtung zu einer Mass übertrieben.

Alexandra Hartmann und Moritz Wöllinger (beide 19), Selbstständige aus München: Bier wird viel zu schnell warm! Unserer Meinung nach ist das sehr unpassend. Die Besucher können doch nicht darunter leiden, dass die Biergärten logistische Probleme haben. Hier herrscht ja noch nicht einmal ein Massenandrang. Und außerdem wird die Mass schnell warm.

Benjamin Birk (30), IT-Berater aus München: Dann lieber eine zweite Schänke! Ich finde das überhaupt nicht gut, weil mir so eine Option genommen wird. Eine ganze Mass wird viel schneller warm. Außerdem ist hier unter der Woche im Normalfall eh nicht so viel los, als dass diese Neuregelung Sinn ergeben würde. Wenn die Schlange zu lang werden sollte, kann man immer noch eine zweite Schänke öffnen.

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Hans Krebs (84), Pensionär aus München: Man kann ja teilen. Diese Regelung ist mittlerweile in Münchner Biergärten nicht mehr ungewöhnlich. Ich habe kein Problem damit, immerhin kann man sich seine Mass ja auch teilen, wenn man eigentlich gerne eine Halbe getrunken hätte.

Harry Romanow (49), Gastronom aus München: Diese Regelung macht Sinn! Ich finde diese Regelung gut, man läuft sich ja sonst kaputt, wenn man sich nach jedem halben Liter neu anstellen muss. Insbesondere, weil die Schlangen hier oft wirklich wahnsinnig lang und ungeordnet sein können, vor allem bei Fußballspielen. Jedes Bier wird hier frisch ausgeschenkt, was auch nicht selbstverständlich ist, wenn man sich andere Biergärten ansieht. Deswegen finde ich, dass man diesen Preis, dass man sich nur noch eine Mass holen kann, ruhig zahlen kann.

J. Heininger, A. Khodakarim

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