Wirte fürchten Planungskrise

Diese Änderung könnte für heftige Probleme in den Biergärten sorgen

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Oft geht es ganz schnell, dass die Sonne raus kommt, die Gäste in den Biergarten stürmen. Und dann?

Gastwirte müssen oft spontan reagieren, wenn ihre Biergärten bei schönem Wetter auf einmal voll sind. Diese Flexibilität könnte nun aber der Vergangenheit angehören...

München – Der Gasthof zur Post in Herrsching im Kreis Starnberg ist ein beliebtes Ausflugsziel. Mehrere hundert Plätze gibt es im Postgarten unter alten Kastanienbäumen direkt am Kienbach. Wenn die Sonne scheint und die Radfahrer und Spaziergänger in den schönsten Biergarten in München drängen, um ihre Brotzeit im Freien zu genießen, muss Wirtin Elisabeth Walch nicht selten spontan auf gutes Biergartenwetter reagieren und Aushilfskräfte je nach Bedarf anfordern. „Es wird immer schwieriger für uns“, sagt die Chefin von 40 Mitarbeitern. „Wir brauchen Leute, die flexibel sind. Oder soll ich den Gästen bei schönem Wetter sagen, dass sie nichts zu Essen bekommen, weil ich kein Personal habe?“

Das Problem kennt nicht nur Elisabeth Walch. Viele Restaurants und Cafés suchen „flexible, zuverlässige Aushilfen auf 450-Euro-Basis“. Gästezahlen und die Dauer von Veranstaltungen können Betreiber oft nicht einschätzen. Vor allem im Sommer kommt noch der Wetterfaktor hinzu: Scheint die Sonne, drängen Ausflügler in die Biergärten. Bedienungen und Kellner müssen flexibel sein.

Union und SPD möchten die Arbeit auf Abruf nun einschränken. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG, ist sogar dafür, sie ganz abzuschaffen. Zum Schutz der Arbeitnehmer – Einkommens- und Planungssicherheit müssten gewährleistet sein.

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Die Arbeit auf Abruf ist im Teilzeit- und Befristungsgesetz geregelt. Falls im Arbeitsvertrag keine Stundenzahl vereinbart ist, schreibt das Gesetz momentan noch eine Arbeitszeit von zehn Stunden pro Woche vor. Die wird vom Arbeitgeber vergütet, egal ob der Arbeitnehmer gebraucht wurde oder nicht. Der Koalitionsvertrag sieht nun eine 20-Stunden-Regelung bei nicht vereinbarter Arbeitszeit vor. Regnet es also die ganze Woche, und die Biergartenaushilfe wird nicht gebraucht, müsste sie trotzdem für die 20 Stunden bezahlt werden. Zudem soll ein Korridor für Zusatzarbeit eingerichtet werden. Demnach darf nicht mehr als 20 Prozent weniger oder 25 Prozent mehr als vereinbart gearbeitet werden. Bei einer für Minijobber typischen Zehn-Stunden-Regelung wären das zwischen acht und 12,5 Stunden. Nicht neu ist dagegen, dass der Arbeitgeber mindestens vier Tage vorher Bescheid geben muss, ob er seinen Mitarbeiter braucht.

Video: Die dreiste Biergarten-Abzocke

„Wir stellen oft Verstöße gegen das Arbeitsgesetz fest“

Doch auch das ist den Arbeitnehmervertretern zu wenig. „Die Ankündigungsfrist von vier Tagen reicht für eine wirkliche Planungssicherheit nicht aus“, sagt Karin Vladimirov, Sprecherin der NGG, „zumal sich Arbeitgeber oft nicht daran halten.“ Das bestätigt auch Christin Stampehl, die bei der NGG Bayern für die Region München zuständig ist. „Wir stellen oft Verstöße gegen das Arbeitsgesetz fest“, sagt sie.

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Wirte und der Gaststättenverband sehen das anders. „Ich sehe keinen Handlungsbedarf“, sagt Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. „Uns sind derzeit auch keine Probleme bekannt.“ Arbeitnehmer und Arbeitgeber wüssten, worauf sie sich einlassen. „Wir finden, dass das funktioniert.“ Man müsse jederzeit auf besondere Situationen reagieren können, meint Geppert. „Das Wetter hält sich auch nicht an feste Zeiten.“ Daher sei es wichtig, extrem flexibel zu sein und auch zu bleiben.

Bei Elisabeth Walch in Herrsching sind 450-Euro-Kräfte meist für zwei fixe Tage eingeplant. Bei schlechtem Wetter kriegen sie auch mal Bescheid, dass sie zu Hause bleiben können oder dass sie erst am Nachmittag statt Mittag zur Schicht erscheinen sollen. Wahlweise werden administrative Arbeiten in der Gaststätte für sie gesucht. Dass Politik und Gewerkschaft ein flexibles Arbeitsverhältnis einschränken beziehungsweise ganz abschaffen wollen, dafür hat die Wirtin kein Verständnis: „Dann könnten wir die Gäste nur noch schlecht bedienen“, sagt sie. „Das wäre der Tod für uns. Und ich glaube, die Individualgastronomie würde aussterben.“

Tamara Scheid

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