Wir messen nach, wo es am schlimmsten ist

Der Krach-Atlas: An diesen 20 Orten ist München am lautesten

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Reporter Marian Meidel misst die Lautstärke an der Landsberger Straße, wo gerade gebaut wird. 93,5 dB!

Baustellen, Autos, Feierwütige: In München gibt’s Lärm an allen Ecken und Enden! Wir zeigen, wo es in der Stadt am lautesten ist. Ein Experte erklärt uns außerdem die Hintergründe.

München - München ist die leiseste Großstadt Deutschlands – zumindest nach einer aktuellen Studie des Hörtest-Anbieters Mimi Hearing Technologies. Laut der „Wohntraumstudie 2016“ der Baufinanzierungsgruppe Interhyp ist dennoch jeder dritte Münchner vom Verkehrslärm genervt. Wir haben den heutigen „Tag gegen Lärm“ zum Anlass genommen, einen Experten zu fragen, wie gefährlich Lärm ist.

Umweltpsychologe: Bestimmte Geräuscharten wie Verkehrslärm können krank machen

Seit 20 Jahren beschäftigt sich Umweltpsychologe Dirk Schreckenberg aus Hagen (Nordrhein-Westfalen) damit, wie Umgebungslärm auf den Menschen wirkt. Sein Fazit: „Generell kann man sagen, dass bestimmte Geräuscharten wie Verkehrslärm, Fluglärm, Bahn- oder Straßenlärm krank machen können, wenn man ihnen auf Dauer ausgesetzt ist.“ Denn Krach macht Stress! „Wenn man lange an einem Ort lebt, an dem es eine hohe Straßenlärmbelastung gibt, kann das nicht nur Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden haben, sondern aufgrund der andauernden Stressbelastung auch auf den Körper“, so Schreckenberg. Es gebe immer mehr Studien, die einen Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Lärm herstellten. „Diese Verbindung haben Sie dann, wenn Sie zum Beispiel zehn, 15 Jahre im Umfeld eines Flughafens leben und dort anhaltender Belastung ausgesetzt sind.“

Und die Belastung fängt schon auf relativ niedrigem Niveau an! „Studien des Bundesumweltamtes sagen, dass die Risiken einer körperlichen Erkrankung ab einer Tagesdauerschallbelastung von 60 Dezibel erhöht sind.“ Das ist zwar nur ein Durchschnittswert, aber viel sind 60 Dezibel nicht.

Aber was kann man tun, um sich vor dem Krach zu schützen? „Bei dauerhafter Belastung von außen – zum Beispiel, wenn man in der Nähe einer ständigen Lärmquelle wohnt – sollte man sich an die Verantwortlichen oder gegebenenfalls an die Politik wenden“, sagt Schreckenberg. „Das ist ein langer, steiniger Weg, aber anders geht es nicht.“ Allgemein rät er dazu, sich immer wieder Möglichkeiten der Ruhe und Erholung einzurichten, um Lärm-Stress abzubauen. 

Lärm in München - das sagen Betroffene

Monika Herde (63), Sekretärin, wohnt am Flaucher: „Hier am Flaucher ist es in der Regel wunderbar ruhig. Nachts kann ich bei offenem Fenster sogar Eulen und Käuzchen hören, manchmal sogar das Fauchen der Löwen im Zoo. Das ist wie auf dem Land – außer, wenn Party ist, natürlich. Am Freitag und Samstag ist nachts oft ganz schöner Lärm. Aber das geht ja auch jedes Mal wieder vorüber.“

Monika Herde kann mit dem Party-Lärm vom Flaucher leben, denn unter der Woche ist es schön ruhig. 

Jens Wiskandt (43), Kellner im Hofbräuhaus: „Bei uns im Hofbräuhaus ist es oft extrem laut – ohne Ohrenstöpsel kann man da gar nicht arbeiten. Vor allem, wenn man immer wieder an der Musikkapelle vorbei muss. Besonders heftig ist es freitags und samstags. Da braucht man nach der Arbeit immer mindestens eine Stunde, um wieder runterzukommen von der ganzen Geräuschkulisse.“

Jens Wiskandt arbeitet im Hofbräuhaus. 

Franz Zwicknagel (57), Feinkosthändler in der Borstei: „Bei uns in der Borstei ist es zu jeder Tageszeit sehr ruhig. Ich sage immer, wir leben mitten in der Stadt auf dem Dorf. Das ist wie in einem Park, und sehr viel angenehmer als woanders. Nicht einmal der Lärm vom Mittleren Ring dringt zu uns herein. Ich wohne mittlerweile seit acht Jahren in der Borstei und bereue keinen Tag.“

Regelrecht idyllisch ist es in der Borstei, bestätigt Anwohner Franz Zwicknagel. 

Der Lärm-Atlas

Wir haben an bekannten Orten die Lautstärke gemessen, deren Lage finden Sie auch in der obigen Karte.

Ort

Maximalwert

Mindestwert

❶ Baustelle Landsberger Str.

93,5 dB

80,1 dB

❷ Hofbräuhaus (mit Musik)

92,6 dB

67,0 dB

❸ Frühlingsfest, Wilde Maus

91,2 dB

72,5 dB

❹ Baustelle am Marienhof

82,3 dB

57,8 dB

➎ Münchner Freiheit

81,3 dB

60,3 dB

➏ Eisbachwelle

81,0 dB

69,0 dB

❼ Tram-Haltestelle Amalienburgstraße

80,7 dB

55,7 dB

❽ Pasinger Bahnhof

80,0 dB

56,4 dB

❾ Landshuter Allee

79,7 dB

58,2 dB

❿ Dachauer Straße

78,8 dB

58,0 dB

⓫ Kaufingerstraße

78,1 dB

55,9 dB

⓬ Glocken der Frauenkirche

75,6 dB

45,7 dB

⓭ Baustelle Sendlinger Tor

74,2 dB

63,1 dB

⓮ Marienplatz

72,2 dB

58,6 dB

⓯ Schloss Nymphenburg

71,3 dB

51,9 dB

⓰ Hauptbahnhof, Halle

69,8 dB

67,4 dB

⓱ Stachus

69,4 dB

59,1 dB

⓲ Staatsbibliothek

64,3 dB

34,4 dB

⓳ Unsere Redaktion

60,9 dB

45,1 dB

⓴ Borstei

59,6 dB

47,6 dB

⓴ Hofgarten

57,9 dB

48,4 dB

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Marian Meidel

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