Immer mehr Bauern setzen auf Bio

Aldi, Lidl, Netto und Co.: Sind Bio-Lebensmittel ihr Geld wert? Der große Test

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Bio-Bauer aus Leidenschaft: Franz Lenz junior rät jedem Landwirt, auf ökologisches Arbeiten umzusteigen.

Früher waren Bio-Lebensmittel ein Nischen-Produkt, heute sind sie in allen Regalen zu finden. Der große Test bei Aldi, Lidl, Netto und Co.

München - Bio boomt. In ganz Europa und vor allem in Deutschland. Schon jetzt gilt die Republik als größter Bio-Markt auf dem Kontinent, auch wenn die Dänen und Schweizer für ökologisch hergestellte Produkte mehr Geld ausgeben. Die Nachfrage wird immer größer, genauso wie das Angebot. Positive Zahlen kommen aus Bayern: Der Freistaat kann mit knapp 10.000 Bio-Betrieben eine gute Bilanz vorweisen. Jedes Jahr steigen mehr Bauern und Imker um.

Erst im Februar hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) im Vorfeld der Bio-Fachmesse einen erneuten Zuwachs um neun Prozent gefeiert. Doch Bio ist nicht gleich Bio. Mittlerweile gibt es allein in Bayern eine Vielzahl von Siegeln. Was sind die Unterschiede? Worauf sollen Verbraucher achten? Und sind die teureren Produkte ihr Geld wert?

Aldi, Lidl, Netto und Co.: Auch im Discounter ist Bio nicht billig

Ja, sagt mit Franz Lenz junior ein Bio-Landwirt, der sich auskennt. Er selbst hat nach der konventionellen Art sein Handwerk gelernt, der Hof des Vaters im Münchner Osten war Kartoffel-Zulieferer für die Pfanni-Werke. Nach dem Produktions-Aus in den 1990er-Jahren wagte die Zornedinger Landwirt-Familie den Neuanfang im Bio-Bereich. „Natürlich habe ich mehr Arbeit“, sagt der 58-Jährige. Aber: Dieser Aufwand komme der Natur, den Tieren und den Kunden zugute, die hochwertige Produkte erhalten – bei der Familie Lenz auch direkt am Hof.

Wer Bio wollte, musste früher ins Reformhaus oder in einen der wenigen Spezialläden gehen. Heute sind die Lebensmittel längst kein Nischenprodukt mehr, sondern in den Regalen der Supermarktketten angekommen. Und das nicht nur bei Vollsortimentern wie Rewe und Edeka, sondern bei allen Discountern. Nach wie vor gilt: Bio ist nicht billig.

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Aldi, Lidl, Netto und Co.: Verbraucherzentrale hält den Preisunterschied für gerechtfertigt

Bei einer identischen Einkaufsliste zahlen Kunden im Test für die Öko-Variante von Milch, Saft, Äpfeln, Tomaten, Kartoffeln, Brot, Fleisch und Eiern fast 80 Prozent mehr – und haben dabei viel weniger auf dem Tisch. Ein Preisunterschied, der aus Sicht der Verbraucherzentrale Bayern gerechtfertigt ist. „Schließlich ist die Erzeugung der Lebensmittel viel teurer“, sagt Sprecherin Anja Schwengel-Exner.

Bio-Äpfel und andere Bio-Lebensmittel gibt es inzwischen auch im Discounter.

Am deutlichsten werden die Unterschiede am Beispiel Fleisch. Bio-Schweineschnitzel, die den strengen Naturland-Vorgaben entsprechen, kosten das Doppelte im Vergleich zum Billigfleisch. Und das bei gerade einmal dem halben Gewicht. Dafür weiß der Kunde, dass die Schweine mehr Platz im Stall hatten, nicht tagelang quer durch Europa gefahren wurden und keine Antibiotika schlucken mussten. „Das alles hat seinen Preis“, sagt Schwengel-Exner.

Leisten kann sich das nicht jeder. Eine mögliche Devise könnte deshalb lauten: weniger, dafür besseres Fleisch essen. Wer bewusst einkaufen möchte, hat die Möglichkeit zu vergleichen: Welches Siegel trägt das Bio-Produkt, woher stammt es und ist mir die Qualität den Preis wert?

Aldi, Lidl, Netto und Co.: Der Einkaufs-Check mit Bio- und Nicht-Bio-Produkten

Wir haben den Einkaufs-Check gemacht, waren in acht verschiedenen Läden und haben eine Auswahl an Lebensmitteln gekauft – je ein Produkt pro Geschäft, immer in Bio- und Nicht-Bio-Variante. Die Öko-Einkäufe summierten sich auf 21,58 Euro, das konventionelle Paket auf 12,88 Euro.

Der Test-Einkauf bestand aus diesen Produkten.
  • Apfelsaft bei Netto:
    Nicht-Bio: 1,5 Liter für 0,85 Cent. Fruchtgehalt: 50 Prozent, 8,9 Gramm Zucker pro 100 ml. Hergestellt in Maxhütte/Bayern.
    Bio nach EU-Siegel: 1 Liter für 1,49 Euro. Fruchtgehalt: 100 Prozent, 10,5 Gramm Zucker pro 100 ml. Hergestellt in Maxhütte/Bayern.
  • Milch bei Norma:
    Nicht-Bio: 1 Liter für 0,63 Euro, hergestellt in Schwäbisch-Hall/Baden-Württemberg.
    Bio nach EU-Siegel: 1 Liter für 0,95 Euro. Hergestellt in Bissingen/Bayern.
  • Äpfel bei Lidl:
    Nicht-Bio: „Rote Äpfel“ aus Italien, lose verpackt. 834 Gramm für 1,83 Euro.
    Bio nach Bioland-Siegel: Sorte Gala, Ursprungsland Italien, „neue Ernte“, 700 Gramm für 2,29 Euro.
  • Eier bei Hit:
    Nicht-Bio: 10 Eier Bodenhaltung, Gewichts-Klasse M für 1,89 Euro. Abgepackt im Großbetrieb Heinrich Goertz in Niederkrüchten/Nordrhein-Westfalen.
    Bio nach Bioland-Siegel: 6 Bio-Eier, Gewichts-Klasse L, für 2,99 Euro. Abgepackt beim Bio-Handel Biovum in Salgen/Bayern.
  • Tomaten bei Penny:
    Nicht-Bio: 650 Gramm Rispen-Tomaten für 1,79 Euro. Klasse I, abgepackt in Kirchweihdach/Bayern.
    Bio nach EU-Siegel: 500 Gramm Rispentomaten für 1,79 Euro, Klasse II. Abgepackt in Reichenau/Baden-Württemberg.
  • Brot bei Edeka:
    Nicht-Bio: Roggen-Vollkornbrot 500 Gramm für 0,59 Euro. Hergestellt in der Edeka-Zentrale Hamburg.
    Bio nach EU-Siegel: Roggen-Vollkornbrot mit 5 Prozent Leinsamen. 500 Gramm für 1,79 Euro. Hergestellt in Weissenstadt/Bayern.
  • Kartoffeln bei Aldi:
    Nicht-Bio: Sorte Musica 2,5 Kilogramm für 1,35 Euro. Hergestellt in Inchenhofen/Bayern.
    Bio nach EU-Siegel: Sorte Musica 1,5 Kilogramm für 1,99 Euro. Hergestellt in Neuburg/Bayern.
  • Fleisch bei Rewe:
    Nicht-Bio: „4 bis 5“ Schweineschnitzel, 600 Gramm für 3,95 Euro. Haltungsform-Siegel 1 (einfache Stallhaltung). Hergestellt in Hof/Bayern.
    Bio nach Naturland-Siegel: 2 Schweineschnitzel, 297 Gramm für 8,29 Euro. Höchstes Haltungsform-Siegel (Premium-Tierhaltung). Hergestellt in Altdorf/Bayern.

Bei Bio-Produkten gibt es unterschiedliche Klassifizierungen. Deswegen sollten Verbraucher bedenken, dass „Bio“ nicht gleich „Bio“ ist. Eine Expertin hat kürzlich vor dem Bio-Siegel gewarnt. Sie findet, es ist „Verarsche“. Darüber hat merkur.de* berichtet. Netto sorgt mit einer Werbung für Aufsehen: Der Discounter Netto macht Werbung für unverpacktes Obst und Gemüse - mit unverpackten Models.

Eine ZDF-Dokumentation hat die beiden Discounter Penny und Netto miteinander verglichen. Dabei kamen auch für Kunden erschreckende Wahrheiten ans Licht.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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