Serie: Die Zukunft in den Vierteln

Der Albtraum an der Marienhof-Grube: „Wir machen schon jetzt weniger Umsatz“

München wächst: Im Jahr 2035 werden rund 300.000 Menschen mehr leben als heute. In den Stadtvierteln wird daher kräftig gebaut. Wir zeigen, wie es künftig aussieht. Diesmal: Altstadt-Lehel.

Der Justizbeamte Wolfgang Neumer (59) ist ein Urgestein der Münchner Lokalpolitik. Der Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Altstadt-Lehel kann auf 16 Jahre Stadtpolitik zurückblicken. Für ihn ist das größte Thema des Jahres in seinem Bezirk: „Baustelle. Jahrelang“, sagt Neumer im Stakkato.

Friseurin Daniela Farnhammer muss an der Baustelle arbeiten.

Ob das vermeidbar gewesen wäre? „Ich glaube nicht, da müssen wir jetzt durch“, sagt er. Der BA-Chef erwartet, dass Münchens Mitte frühestens 2024 wieder halbwegs baustellenfrei wird. Das birgt naturgemäß Konflikte. Im Sommer beginnen Bauarbeiter hinter dem Neuen Rathaus am Marienhof, die 40-Meter-Grube der Zweiten Stammstrecke auszuheben. Anwohner und Anlieger werden den Albtraum mit dem Abraum erleben, wie die Inhaberin des Friseurbetriebes Coiffeur Robert, Daniela Farnhammer. „Bei Probebohrungen vibrierten die Stühle“, sagt sie, „wir werden unseren Kunden während der Bohrphase sicher Ohropax anbieten.“ Farnhammer klagt auch über Einbußen. „Wir machen schon jetzt bis zu 28 Prozent weniger Umsatz. Wie soll das werden, wenn täglich gebohrt wird?“

Heiß diskutierte Projekte: Lkws auf der Maximilianstraße und die Alte Akademie

Im Laufe des Jahres sollen auch die Tramgleise auf der Maximilianstraße saniert werden. Doch die Bahn, der Bauherr der Grube, möchte bis zu 77.000 Lkw-Ladungen über die Maximilianstraße abtransportieren lassen. Was Neumer nicht versteht: „Warum hält man an einer 120 Jahre alten Technik fest? Eine Tram wiegt leer 60 Tonnen – so viel wie ein Leopard-2-Panzer. Das lärmt und rattert!“ Neumer würde Elektrobusse vorziehen.

Die Erleichterung unter Anwohnern, Geschäftsleuten, BA-Mitgliedern ist beim Thema Sendlinger Straße groß, die zu einer Fußgängerzone umgebaut wird. Bis zur Entscheidung war es ein langer Weg. „Mir war als BA-Vorsitzender wichtig, dass Anwohner und Geschäftsleute gehört wurden“, sagt Neumer. Nun geht es um die Details. Neumer erwartet, dass der Umbau heuer im Herbst beginnt und mindestens bis 2021 dauert.

Ein heiß diskutiertes Objekt der Innenstadt ist seit Jahren die Alte Akademie. Der Freistaat überließ den Gebäudekomplex 2013 der österreichischen Signa-Gruppe in Erbpacht für 65 Jahre. Der Stadtrat hat bereits zugestimmt, dass die Arkaden verkleinert werden. Der Umbau beginnt Anfang 2019.

Der Bezirksausschuss hatte lange um den Erhalt der Arkaden gekämpft, um in einer enger werdenden Stadt öffentlichen Raum zu verteidigen. „Ich denke, der Umbau wird im ersten Halbjahr beginnen“, vermutet der BA-Chef, „das wird zusammen mit dem Aushub am Marienplatz eine enorme Belastung für die Stadt. Vielleicht sollte man Elektro-Lkw einsetzen.“

Im Frühjahr 2019 startet auch der Umbau des Viktualienmarktes. Neumer: „Alle Händler dürfen nach dem Umbau zurück. Das ist die beste Nachricht.“ Bis etwa 2025 soll saniert werden – aber nicht alles auf einmal. Die Händler können in ihrem Stand bleiben, bis ihr Häuschen dran ist. Dann ziehen sie vorübergehend um.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Altstadt/Lehel – mein Viertel“.

Hüseyin Ince

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