„N-Wort stoppen“

Anti-Rassismus-Demo in München: 18-Jähriger nennt „Kleinigkeiten“, die ihm im Alltag immer wieder begegnen

Antirassismus-Demo auf der Theresienwiese.
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Antirassismus-Demo auf der Theresienwiese.

In München haben sich 500 Demonstranten versammelt, um ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist noch lange nicht beendet.

  • Am Wochenende haben auf der Theresienwiese 500 Menschen gegen Rassismus demonstriert. 
  • Noch vor drei Wochen waren es 25.000 Menschen auf dem Königsplatz.
  • Die Demonstranten wollen auch in kleinerer Zahl weiter kämpfen gegen Diskriminierung.

München - Unter dem Motto „N-Wort stoppen“ haben sich am Samstagnachmittag nach Polizei-Zählung rund 500 Demonstranten versammelt, um einmal mehr ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen. Das „N-Wort“, jene abwertend oder zumindest gedankenlos gebrauchte Bezeichnung für Menschen dunkler Hautfarbe, stand dabei symbolhaft für eine breite Palette diskriminierender Begriffe und Handlungsweisen. 

Antirassismus-Demo: Weniger Teilnehmer als vor drei Wochen - Kurzzeit-Phänomen bei Instagram-Generation?

Im überschaubaren Kreis ging es deutlich entspannter zu als am Königsplatz, wo sich vor drei Wochen 25.000 Teilnehmer drängten. Die Demonstranten trugen Masken und achteten größtenteils darauf, den Sicherheitsabstand einzuhalten. Zwei Stunden gab es Reden und Musik, unter anderem mit der Sängerin Gladys Mwachiti, bekannt durch den deutschen Titelsong von „König der Löwen“. Die Stimmung war gut, auch wenn manche der Demonstranten erkennbar enttäuscht waren, dass der Aufruf zur Demonstration keinen größeren Widerhall gefunden hatte.

So zum Beispiel die Schülerinnen Katia (17), Tabby (17) und Senovia (17) aus München*. „Es scheint, als hätten viele die Bewegung wie einen Trend auf Instagram gesehen“, kommentieren sie den drastischen Rückgang der Teilnehmerzahl.

Dabei sei Rassismus doch keineswegs ein Kurzzeit-Phänomen. Die drei sind sich einig: „Das N-Wort muss aus dem Wortschatz verbannt werden. Egal, mit welcher Intention es verwendet wird, es ist eine Beleidigung!“

Demonstration in München: Demo-Teilnehmer erleben häufig Rassismus

Sie komme „aus einer weißen Gegend in Amerika“, erzählt Lehrerin Carla Hartl, „und ich höre nicht selten das N-Wort im Unterricht“. Sie bedauere, dass Rassismus als Thema im Bildungswesen nicht behandelt werde.

„Wir sind hier, um die Black Community zu unterstützen und zu zeigen, dass man aktiv etwas tun muss, damit sich die Gesellschaft ändert“, sagt Basketballer Ralph Hounnou (18), der mit seinem Freund Samuel Maier (17) auf die Theresienwiese gekommen ist. Im Alltag, so erzählt er, begegne er häufig Rassismus. Oft seien es Kleinigkeiten, etwa „dass man gefragt wird, wo man herkommt, oder nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch angesprochen wird“. Doch er erlebe auch, „wie meine Mutter oft weniger wertgeschätzt wird als andere Leute“.

Samuel Maier und Ralph Hounnou auf der Antirassismus Demo auf der Theresienwiese.

Antirassismus-Demo in München: „Hinter rassistischer Einstellung steckt großenteils eine fragwürdige Erziehung“

Aus dem Bayerischen Wald ist die Auszubildende Lena (19) mit ihren Freundinnen Vanessa (18, Freiwilligendienst) und Verena (29, Mechatronikerin) angereist. „Hinter einer rassistischen Einstellung steckt großenteils eine fragwürdige Erziehung“, sagt sie. „Rassismus wird weitergegeben. Bei meinem Job als Kindergärtnerin bekomme ich mit, wie rassistisch manche Kinder erzogen werden. Hier muss sich unbedingt etwas ändern!“ Mehr Toleranz sei notwendig, davon sind die drei Frauen überzeugt. „Jeder Mensch ist gleich – das muss in die Köpfe der Gesellschaft gelangen.“

Das unterstreicht auch die Münchner Unternehmensberaterin Jenny G. (35), die mit ihrem dunkelhäutigen Mann Patrick vor dem Podium steht, in der Hand ein selbst gemaltes Pappschild mit der Aufschrift „N-Wort stoppen“. „In unserer Beziehung bekomme ich Rassismus als Zeugin mit“, erzählt sie. „Deswegen ist es für mich schon fast eine Pflicht, hier zu sein. Auch wenn man nicht von Rassismus betroffen ist, sollte man sich seiner weißen Privilegien bewusst sein.“ 

Der gewaltsame Tod von George Floyd löste eine Welle an Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Rapper Samy Deluxe schrieb nun einen Song in Anlehnung an Floyds letzte Worte. (Carolin Fuchs, Nina Bautz, Peter T. Sschmidt)*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionnetzwerkes

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