Vom Arabellapark in Banderas Arme

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Vom Interview-Sofa bei Premiere auf den roten Teppich: Natascha Berg und Antonio Banderas bei der Premierenfeier von „Haywire“ in Berlin.

München - Hollywood war ihr großer Traum – und sie hat ihn sich tatsächlich erfüllt: Noch vor vier Jahren lebte Natascha Berg in einem Appartement im Münchner Arabellapark.

Damals arbeitete sie als Moderatorin eines Kinomagazins für den Bezahlsender Premiere und interviewte die Hollywoodstars auf den roten Teppichen dieser Welt. Nun durfte sie selbst als Schauspielerin an der Seite von Antonio Banderas in Los Angeles und Berlin über den roten Teppich schreiten. Denn in Steven Soderberghs Actionthriller „Haywire“, der am kommenden Donnerstag ins Kino kommt, spielt sie die Ehefrau des legendären Latin Lovers. Wie hat sie das geschafft?

Natascha Berg, zweisprachig aufgewachsene Tochter eines Deutschen und einer Spanierin, musste schon früh erwachsen werden: Ihr Vater starb, als sie elf war. Kurz darauf verdiente sie mit Nachhilfestunden ihr erstes Geld; mit vierzehn begann sie erfolgreich zu modeln, ohne je eine Karriere als Fotomodell ernsthaft in Betracht zu ziehen: „Seitdem ich als vierjähriges Mädchen meinen Kinderarzt vergöttert habe, stand mein Berufswunsch fest“, erzählt sie. Konsequenterweise studierte sie Medizin – bis zum Abschluss des Physikums. Doch nachdem sie im Jahr 2000 zur „German Miss World“ gewählt wurde, nahm ihr Leben eine andere Wendung: Ihr Talent als Moderatorin wurde entdeckt. In den folgenden Jahren präsentierte Berg unter anderem diverse Magazine für Premiere. Als Hollywoodstars wie Salma Hayek oder Penelope Cruz auf ihrem Talksofa saßen, leckte sie plötzlich Blut: „Ich fand diese Menschen so inspirierend, dass ich sie nicht nur interviewen, sondern mit ihnen richtig zusammenarbeiten wollte.“

Daraufhin beschloss sie vor zweieinhalb Jahren, ihre Jobs zu kündigen und einen Neuanfang in Los Angeles zu wagen. Ein tollkühner Plan: Sie fand eine Agentin, investierte ihr Geld in diverse Schauspielkurse und zog allmählich mehr und mehr Casting-Einladungen an Land. So gelang es ihr, in den vergangenen zwei Jahren für fast 20 Werbespots engagiert zu werden und diverse Haupt- und Nebenrollen in Filmen zu ergattern. Im Kurzfilm „Shadows“ spielte sie eine Journalistin, die eingesperrt und grausam gefoltert wird – für Natascha die bisher größte Herausforderung. Der packende 23-Minuten-Streifen (ohne Dialoge), gewann das Los Angeles Latino International Film Festival.

So reich sind Hollywoods Männer

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Als Oscar-Preisträger Steven Soderbergh („Ocean’s Eleven“) für „Haywire“ eine spanisch sprechende Aktrice suchte, setzte sich Natascha Berg in mehreren Casting-Runden gegen sämtliche Konkurrentinnen durch. Nun sieht man im Film, wie sie Antonio Banderas neckt, ihn mit süßen Worten und einer Erdbeere verführt, mit ihm knutscht und ihn einen „schlimmen Finger“ nennt. Auf der Leinwand wirken die beiden wunderbar vertraut, obwohl nichts vorher abgesprochen war. Natascha hatte keine Angst davor: „In Impro-Kursen hatte ich gelernt, die Dinge zu benutzen, die vor Ort sind“, verrät sie. „Also griff ich in die Schale mit Erdbeeren, die da stand. Ich bin sehr dankbar, dass Antonio darauf eingestiegen ist und nicht gesagt hat: ,Die Alte spinnt wohl, mir eine Beere in den Mund zu stopfen!‘“ Von ihrem Filmpartner schwärmt sie in höchsten Tönen: „Antonio ist ein wahrer Gentleman. Es war sehr großzügig von ihm, mir als Newcomer diesen Freiraum zu geben.“

Nataschas spanische Großeltern, beide schon über 90, sind mächtig stolz auf ihre Enkelin – schließlich hat Banderas noch vor Penelope Cruz den Iberern den Weg nach Hollywood geebnet. Und als Nataschas Mutter erfuhr, dass ihre Tochter mit dem spanischen Nationalhelden drehen durfte, brach sie vor Freude in Tränen aus.

Trotz des Erreichten ist die sympathische 31-Jährige, die sechs Sprachen spricht, bescheiden geblieben: „Bei der ,Haywire‘-Weltpremiere musste ich mir immer wieder in den Oberschenkel kneifen, um zu spüren, dass ich nicht träume.“ Auch in Zukunft möchte sie nach den Sternen greifen, denn sie findet: „Wer aufhört zu träumen, hört auf zu leben!“

Marco Schmidt

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