Arznei-Zuzahlungen

Armuts-Alarm: Verbände fordern Medizin-Zuschüsse für Münchner Rentner 

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Wohlfahrtsverbände fordern Arznei-Zuschüsse für arme Senioren. (Symbolbild)

Wohlfahrtsverbände und die AWO schlagen Alarm: Auf einer Armutskonferenz in München forderten Sie jetzt Arznei-Zuzahlungen für arme Senioren. 

München - Die Zahlen sind verheerend. Angaben des Sozialreferates zufolge, lebt mehr als ein Viertel der rund 265 000 Münchner über 65 Jahren unter der Armutsgrenze. Etwa 15 000 Personen beziehen die so genannte Grundsicherung im Alter.

Laut Statistischem Bundesamt lag die so genannte Armutsgefährdungsquote 2016 in Bayern bei 12,1 Prozent. Rein rechnerisch bedeute dies, dass 1,2 Millionen Menschen in Bayern von Armut bedroht seien, heißt es bei der Freien Wohlfahrtspflege, zu der sich sechs Verbände (AWO, Caritas, der Paritätische, das DRK, die Diakonie, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland) zusammengeschlossen haben. „Die Altersarmut steigt ständig an“, warnt AWO-Chef Christoph Frey im Gespräch mit der tz. „Immer mehr Menschen können von der Rente nicht mehr leben.“

Verbände sehen die Regierung in der Pflicht 

Die Wohlfahrtsverbände sehen den Staat in der Pflicht. Die Verbände schlagen unter anderem ein Altersgesundheitsgeld für von Armut betroffene Menschen ab 65 Jahre vor. Damit würde der Staat die Zuzahlung für Medikamente übernehmen. „Ein Großteil der armen Menschen geht auf das Sozialamt und beantragt Grundsicherung. Aber das tun längst nicht alle“, sagt Frey. „Wir gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.“

Bei den Lebenshaltungskosten spielen gerade im Alter Ausgaben für Medikamente oder medizinische Eingriffe eine große Rolle. „Die Zuzahlungen sind erheblich“, sagt Frey. Daher die Forderung nach einer Entlastung, wie das etwa bei einigen chronisch Kranken schon möglich ist. „Wenn ich als Gesellschaft einem Menschen einen würdigen Lebensabend zugestehen möchte, dann fängt das bei der Gesundheit an.“

Armut in München: Das sind die Fakten

17,4 Prozent aller Münchner sind laut dem aktuellen Armutsbericht der Stadt aus dem Jahr 2017 von Armut betroffen. Tendenz steigend. Die Münchner Tafel (Foto unten) etwa versorgt aktuell rund 20 000 Bedürftige mit Lebensmitteln. Dass diese Menschen nicht in der Lage sind, privat für das Alter vorzusorgen – logisch. „Immer mehr Menschen haben brüchige Biografien“, sagt AWO-Chef Christoph Frey. „Unserer Forderung beinhaltet daher auch ein Rentenniveau von mindestens 50 Prozent.“

9000 Menschen können sich in München keine Wohnung mehr leisten. Viele von ihnen leben in Pensionen, Notquartieren und Clearinghäusern. 2016 hatten 7300 Menschen kein eigenes Dach über dem Kopf. „Das Thema Wohnen ist in München gerade für Familien ein Armutsrisiko“, sagt AWO-Chef Christoph Frey. „Wir werden heuer eventuell die 10 000er-Marke knacken.“ AWO-Forderung: „Da muss auf Bundesebene mehr passieren. Stichwort: kalte Progression.“

105.000 Erwachsene sind allein 2016 in München in die Schuldenfalle geraten. Auch da steigt die Tendenz. Und: Schulden sind längst kein Thema mehr nur für Jüngere. „Das geht querbeet“, sagt AWO-Chef Christoph Frey. So trifft es die Familie, die ein neues Auto braucht, ebenso wie den Rentner, der sich einen medizinischen Eingriff nicht mehr leisten kann. Helfen kann die Schuldnerberatung – etwa der AWO. Doch: „Wir haben mittlerweile drei bis vier Monate Wartezeit.“ Wahnsinn! „Da brauchen wir mehr Kapazitäten.“

Lesen Sie auch: So will die Stadt Senioren vor Betrügern warnen - Kritik aus der Bayernpartei

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