„Immer mehr Leute ohne Respekt vor der Natur“

„Auf der Isar geht‘s schon zu wie auf der A95“: Schlauchboot-Verbot droht

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Sommer an der Isar.

Das Wasser plätschert, am Ufer ziehen die Bäume vorüber – es ist schon ein traumhaftes Erlebnis, so eine Schlauchbootfahrt auf der Isar.

München - Doch solche Touren nehmen oft gewaltige Ausmaße an: Da drängelt sich Boot an Boot, Musik dröhnt, Betrunkene schmeißen Müll ins Wasser. Der Kreis Bad Tölz- Wolfratshausen greift jetzt durch: Eine Isarverordnung soll den Bootsverkehr drastisch einschränken. Und das droht jetzt auch in München!

„Auch die Stadt München beabsichtigt Regelungen zum Schlauchbootfahren zu erlassen“, teilte das zuständige Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) am Freitag der tz mit. Details würden noch ausgearbeitet.

„Auf der Isar geht’s schon zu wie auf der A95“

Zig Interessen prallen bei dem Thema aufeinander: Da sind die Freizeitpaddler, die Sportler, die Naturschützer, Fischer, Bootsverleiher wie die „Isarpiraten“ – und die Rettungsorganisationen. Maiko Alpers von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft Geretsried am Freitag zur tz: „Im letzten Jahr hatten wir allein 42 Rettungseinsätze bei Booten auf der Isar. Es wird immer schlimmer. Auf der Isar geht’s schon zu wie auf der A95. Da fahren in einer Stunde 200 Boote!“

Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen: Bald deutliche Einschränkungen für Isar-Bootsfahrer (Merkur.de)

Das Tölzer Landratsamt hatte deshalb 3000 Leute zu möglichen Einschränkungen befragt: Soll es Fahrverbote zu bestimmten Zeiten (etwa zu Laich- und Brutzeiten, bei Hochwasser oder nachts) geben? Oder Verbote von Alkohol und Glasflaschen, eine Schwimmwestenpflicht? Das Ergebnis: Ein Großteil wünscht sich klare Regelungen. An der Isar südlich von München soll nun also eine Schlauchboot-Verordnung auf den Weg gebracht werden.

München wirbt für Bootsfahrten

Und in München? Im Stadtgebiet ist das Bootfahren bisher bis zur Höhe Thalkirchner Brücke erlaubt, so das RGU. Auch hier wächst die Zahl der Paddel-Freunde. Die Stadt München wirbt ja sogar selbst auf ihrer Homepage dafür: „Nach einer entspannten Bootstour mit Freunden schmecken Grillgut und Feierabendbier am Flaucher gleich viel besser.“

Für Manfred Siering vom Bund Naturschutz ein Unding: „Da sind immer mehr Leute unterwegs, ohne Respekt vor der Natur. Oft in Billigbooten aus dem Supermarkt, mit Extra-Boot fürs Biertragerl und Musik, die das Isartal beschallt.“ Dabei würden seltene Vögel bedroht, Biber, Fischotter und Fische kämen in Bedrängnis. Eine Verordnung zum Schutz des Isartals sei längst dringend notwendig.

Siering versteht aber auch, was die Menschen aufs Wasser treibt: „Die Natur ist eng geworden – die letzte kleine Wildnis an der Isar zieht den Menschen an.“

Lesen Sie auch: Flaucher-Frust geht munter weiter: Tonnenweise Party-Müll

A. Stinglwagner

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