Der Diesel-Poker

Autohändler, Vermieter, Dieselfahrer und ADAC: Das sagen die Betroffenen zum Diesel-Verbot

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Es ändert sich einiges für Diesel-Fahrer. 

Für 79 Prozent der Handwerksbetriebe in München und Oberbayern ist der Diesel extrem wichtig, ergab eine Umfrage der Handwerkskammer.

Mögliche Fahrverbote machen vielen Betrieben Sorgen. Zumal es die meisten geeigneten Fahrzeuge bisher nur mit Dieselantrieb gebe, wie Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages, erklärt. Er fordert Ausnahmeregelungen. Was Autohändler, Vermieter, Dieselfahrer und der ADAC sagen:

Gaudino Tonino (52), Restaurantbesitzer: 

Gaudino Tonino (52), Restaurantbesitzer.

Ich habe in der Kapuzinerstraße ein Restaurant und fahre einen Diesel mit Euro-4-Norm. Daher muss ich den Wagen wechseln. Das ist nicht ganz günstig, aber die Gesundheit geht vor. Wird diese Straße für alte Diesel gesperrt, wird die Luft besser, und das wäre für unsere Gäste schön.

Harald Reiter (61), Verkäufer bei Auto Hemmerle in der Martin-Kollar-Straße:

Ich habe heute schon zwei gebrauchte Euro-4-Diesel verkauft, das Geschäft geht weiterhin gut. Wir haben Kunden aus ganz Bayern, ob vom Bayerischen Wald oder aus Garmisch, die regelmäßig weite Strecken fahren müssen. Sie sind nicht vom Fahrverbot betroffen und jetzt auf Schnäppchenjagd.

Susanne Egerer (56), Chefin der Apotheke an der Kapuzinerstraße:

Ich fahre einen Diesel, der ist aber mit Euro-6-Norm und daher nicht betroffen. Noch nicht. Jedenfalls behalte ich mein Auto. Hier an der Kapuzinerstraße ist zu den Stoßzeiten viel Verkehr. Immer mehr Kunden und Anwohner klagen über Atembeschwerden.

Susanne Egerer (56), Chefin der Apotheke an der Kapuzinerstraße.

Johannes Boos (39), Sprecher beim ADAC:

Autofahrer sollten nach dem Urteil Ruhe bewahren und ihr Fahrzeug nicht kurzfristig – möglicherweise unter Wert – verkaufen. Selbst wenn lokale Fahrverbote auf einzelnen Strecken kommen, können Autofahrer prüfen, ob Alternativen bestehen oder ob Ausnahmeregelungen greifen.

Frank Elsner, Sprecher bei Sixt:

Sixt hat nur Neufahrzeuge, von daher mieten Kunden immer neueste Technologie. Die Fahrzeuge werden maximal sechs Monate genutzt. So könnten wir schnell die Flottenzusammensetzung verändern, falls unsere Fahrzeuge wirklich von Fahrverboten betroffen wären. Dieselfahrzeuge sind bei unseren Kunden nach wie vor beliebt.

Franz Xaver Peteranderl (62), Chef des Bayerischen Handwerkstages:

Wir fordern Ausnahmen für Handwerksbetriebe, die sich Diesel kauften, die bei der Zulassung als sauber galten. Sonst drohen vielen Betrieben massive Umsatzeinbußen bis hin zur Existenzgefährdung. Auch können Betriebe es sich nicht leisten, über Nacht den Fuhrpark auszutauschen.

Michael Rebstock, Sprecher bei BMW:

Für BMW ist das Wort „Verhältnismäßigkeit“ wichtig, das das oberste Verwaltungsgericht hervorgehoben hat. Wir gehen davon aus, dass jetzt nicht Zigtausende Leute kalt enteignet werden. Und wir sind überzeugt, dass man den Spagat schafft, die Luftqualität weiter zu verbessern und gleichzeitig die Mobilität der Menschen zu sichern, auch mit Dieselfahrzeugen. Denn der moderne Diesel ist nach wie vor zukunftsfähig.

JS, MW

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