Baggern 19 Meter unter der Erde

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Die Bagger heben derzeit das 4. Untergeschoss aus. Ein Seilbagger zieht dann die Erde an die Oberfläche

München - Was passiert denn hinter ehemaligen Karstadt am Dom? Im Joseph-Pschorr-Haus graben die Bagger bereits im 4. Untergeschoss, 19 Meter unter der Erde. Die tz hat einen Baustellen-Rundgang gemacht.

Links: tz-Reporterin Nina Bautz auf der Baustelle

Alle paar Minuten bleiben Passanten vor der 5000 Quadratmeter großen Baustelle des ehemaligen Karstadt am Dom stehen und recken die Hälse: Was passiert denn da dahinter? Von der Fußgängerzone aus sieht es so aus, als würde sich kaum was tun am Joseph-Pschorr-Haus. Dabei graben die Bagger bereits im 4. Untergeschoss, 19 Meter unter der Erde. Die tz hat einen Baustellen-Rundgang gemacht.

Ganz tief da unten ist es feucht-kalt und dunkel, einzelne Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg hinunter. Nach und nach gräbt sich ein Bagger in die Wand. „Pro Tag hieven wir bis zu 1000 Kubikmeter Erde heraus“, erklärt Projektleiter Florian Hertling. Pro Stunde fahren zehn Lastzüge ab.

Die 5000-qm-Baustelle zwischen Neuhauser Str. und Altheimer Eck von oben

Obwohl unten gebuddelt wird, entsteht darauf schon das erste von fünf Obergeschossen. Das zeitgleiche Bauen in die Tiefe und in die Höhe macht das die sogenannte Deckelbauweise möglich, bekannt vom U-Bahn- und Tunnelbau. „Wir konnten nicht wie gewöhnlich erst eine tiefe Grube austragen“, erklärt Ulrich Pietzsch vom Bauherrn Bayerische Hausbau. Denn hier mitten im Zentrum ist die Bebauung sehr dicht, auf Höhe des zweiten Untergeschosses liegt zudem gleich daneben der S-Bahn-Tunnel, der nicht durch Erschütterungen beschädigt werden darf. Pietzsch: „Wir konnten keine Verankerung außerhalb unseres Areals in der Neuhauser Straße anbringen.“

Bei der Deckelbauweise hält sich das Gebäude quasi selbst und ist besonders stabil. Die Baufirma des Bauherrn Bayerische Hausbau hat dafür 52 rund 20 Meter lange Stahlstützen in den Boden versenkt. Im Oktober 2011 entstand dann eine Beton-Bodenplatte – der Deckel. Das ist gleichzeitig die Decke des zweiten Untergeschosses. Unter diesem stabilen Deckel gruben sich die Bagger dann Stock für Stock in die Tiefe. Auf dem 4. UG liegt ein weiterer Deckel, 1,50 Meter stark. Die Bodenplatte trägt bei der Fertigstellung im Herbst 2013 insgesamt 48 000 Kubikmeter Beton und 5500 Tonnen Stahl.

An einer Stelle ist die Sicht von oben frei bis zum 19 Meter tiefen Grund. Hier kommt die öffentliche Tiefgarage hin. In ihrer Spindel entsteht ein Lkw-Aufzug, in dem der Lieferwagen den ganzen Tag über von hinten am Altheimer Eck anfahren kann und einfach nach unten getragen wird zum Abladen der Waren. Bei dieser Baustellen-Tour wird klar, warum das Joseph-Pschorr-Haus einen hohen zweistelligen Millionenbetrag kostet.

Nina Bautz

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Auf den 28 000 Quadratmetern des Joseph-Pschorr-Hauses in der Neuhauser Straße entstehen im vierten und fünften Obergeschoss 25 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, die ab Oktober 2012 vermietet werden. Neben der öffentlichen Tiefgarage gibt’s hier dann ab Herbst 2013 rund 19 000 Quadratmeter Einzelhandel in den drei Ober-, dem Erd- und einem Untergeschoss. Die restlichen Untergeschosse dienen unter anderem der Lagerung.

Die neuen Mieter stehen schon fest: die Modekette Mango, die hier ihren größten Laden weltweit eröffnen wird (2300 Quadratmeter), sowie die amerikanische Modefirma Forever 21. Außerdem wird Sport Scheck von der Sendlinger Straße hierher ziehen und auf über 10 000 Quadratmetern sein neues Stammhaus mit einer 20 Meter-Front errichten.

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