Au weia!

2. Stammstrecke voll verplant: Riesen-Panne am Hauptbahnhof

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Das Projekt 2. Stammstrecke muss direkt umgeplant werden. 

Paukenschlag beim Jahrhunderprojekt. Ein Jahr nach dem ersten Spatenstich für die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München muss das Projekt umgeplant werden!

München - Das Problem: Die unterirdische Haltestelle am Hauptbahnhof („Bahnhofplatz“) in 41 Metern Tiefe kann nicht wie geplant gebaut werden.

Eigentlich sollte sich der Koloss aus Beton und Stahl unter dem heutigen Vorplatz sowie der Haupthalle des Hauptbahnhofs in den Untergrund bohren. Offenbar gibt es dabei aber bautechnische Schwierigkeiten, da die Haltestelle parallel unter der bestehenden U1/U2-Strecke liegen würde. Bei einer Probeausschreibung hatte sich keine Baufirma gefunden, die dies ausführen könnte. Die Station soll jetzt nach Westen verschoben werden, bestätigte die Bahn Informationen der tz.

Zeitraubendes Verfahren möglich

Der Bau der neuen Station galt als große Herausforderung. „Um während der Bauzeit der neuen Stammstrecke den Betrieb der U-Bahn nicht zu gefährden, wird der U-Bahnhof von unten aufgefangen und gesichert“, hatte die Bahn angekündigt. Die Aufgabe, den U-Bahnhof während der Bauzeit stabil in seiner Lage zu halten, war dann aber offenbar doch zu anspruchsvoll.

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Offen ist, was die Umplanung für das bisher 3,84 Milliarden Euro teure Projekt bedeutet, das Ende 2026 in Betrieb genommen werden soll. Verschiebt sich jetzt der ganze Zeitplan? Fest steht: Die Deutsche Bahn hat bei der staatlichen Genehmigungsbehörde, dem Eisenbahnbundesamt (EBA), eine Planänderung beantragt. Die Station solle „kompakter und mit vereinfachter Bauweise“ entstehen, erklärte eine Bahnsprecherin.

Fehlplanung bei 2. Stammstrecke

Dann würden nur noch die beiden getrennten Tunnelröhren der zweiten Stammstrecke unter der U1/U2 liegen. Um wie viele Meter genau die Haltestelle verschoben wird, wollte die Bahn trotz wiederholter Nachfrage nicht bekannt geben.

Station muss verschoben werden

Dazu wird auf einen weiteren Eckpfeiler des Projekts verzichtet, einen Fußgänger-Tunnel im Osten, der bis Schützenstraße/Stachus führen sollte. Er war eigentlich fest eingeplant, da einige S-Bahn-Linien komplett in den zweiten Tunnel verlegt werden und am Stachus nicht halten. Dass der Tunnel nun entfallen soll, empört den Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Runge: „Das wäre eine Verschlechterung für werktäglich Tausende von Fahrgästen“, sagte er zur tz.

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Fahrgäste der S1 und der S6 auf dem Weg zum Shoppen in der Fußgängerzone hätten künftig das Nachsehen. Runge kündigte an, die Stammstrecken-Kritiker würden sich das Genehmigungsverfahren für die Änderungen genau ansehen. Er drängt auf eine verkürzte Planfeststellung mit Einwendungen und mündlicher Erörterung – ein zeitraubendes und teures Verfahren. Das EBA erklärte, darüber sei noch nicht entschieden. 

Die Pläne am Hauptbahnhof

Eigentlich wollte die Bahn den Bahnhof der zweiten Stammstrecke in 40 Metern Tiefe ­direkt unterhalb des ­U-Bahnhofs der Linien 1 und 2 bauen. Die ­Sicherungsmaßnahmen für dieses Projekt waren aber offenbar zu anspruchsvoll – es fand sich keine Baufirma, die das ausführen könnte. Jetzt muss die Station nach Westen verschoben werden

So soll die Röhre verlaufen

So soll die 2. Stammstrecke verlaufen. 

Auf dem Stadtplan unten sehen Sie den Lageplan der zweiten ­Stammstrecke – die neue Röhre ist dabei in Rot eingezeichnet. Die ­grüne Strecke markiert den bestehenden Tunnel. Zu den Plänen ­gehören auch drei neu gebaute ­Stationen – nämlich am ­Hauptbahnhof, am Marienhof und am Ostbahnhof.

Chronik eines Großprojekts

Oktober 2016

Nach jahrelangem Ringen – vor allem um die Finanzierung – gibt die Staatskanzlei im Oktober 2016 grünes Licht für die Milliardenröhre.

Februar 2017

Minister Joachim Herrmann (CSU) steht den Haidhausern Rede und Antwort. Die erste Bürgerversammlung musste aufgrund des hohen Andrangs abgesagt werden.

April 2017

Der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und andere Gäste feiern den ersten Spatenstich für die rund zehn Kilometer lange neue Strecke zwischen Laim und Leuchtenbergring.

Mai 2017

Die Bauarbeiten am Marienhof beginnen. Ab Sommer 2018 soll die Lärmschutzwand errichtet und eine über 40 Meter tiefe Schlitzwand zur Stabilisierung der Baugrube gebaut werden.

Februar 2018

Mit einem Vergleich werden die beiden letzten Klagen im Planfeststellungsabschnitt Ost (Haidhausen) vor dem Bayerischen Verwaltungs­gerichtshof beendet.

Dirk Walter

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