Unechte Isar-Cards gedruckt

Diese Bande fälschte MVV-Tickets für 248.000 Euro

München - Sie fälschten Isar-Cards im großen Stil und brachten sie unter die Leute. Insgesamt entstand dem MVV ein Schaden von fast einer Viertelmillion Euro. Jetzt sitzt die Bande vor Gericht.

Als Busfahrer für den MVV war es für Elvis H. (30) leicht, Papierrollen für die Fahrkarten zu stehlen. Mit Computer und Drucker fälschte er zigtausend Monatskarten. Mit Hilfe seiner Ehefrau Ivana (30) und vier Bekannten brachte er die gefälschten Fahrscheine unter die Leute. Schaden für den Münchner Verkehrsverbund: mindestens 248 000 Euro! Jetzt sitzt die Bande auf der Anklagebank des Landgerichts.

Bei einer Großrazzia mit 300 Polizisten waren im Juni vergangenen Jahres 27 Objekte durchsucht worden. Insgesamt konnten 679 gefälschte Isar-Cards für den Juli im Nennwert von 33 000 Euro sichergestellt werden. Als Boss der Bande wurde Elvis H. verhaftet - kein Unbekannter für die Justiz. Nur acht Tage vor seiner Verhaftung war er wegen Fälschung von MVV-Tickets zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Als Fahrer für zwei Privatunternehmen, die zahlreiche Buslinien im Großraum München bedienen, hatte er Zugriff auf unbedruckte Fahrkarten. Er ließ massenweise Papierrollen für die Originaltickets mitgehen, ohne dass dies auffiel. Von März 2008 an druckte er laut Anklage monatlich bis zu 140 Fahrscheine. Auch seiner Ehefrau brachte er das Fälschen der Tickets bei. Familienmitglieder brachten die Isar-Cards dann unter die Leute.

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Bedient wurden vor allem die Mitarbeiter eines Altenheims. Die Abnehmer, die pro Ticket zehn Euro weniger als für ein Original bezahlten, ahnten wohl nicht, dass sie sich auf kriminelle Machenschaften einließen. Bis auf eine Person legten die Angeklagten am Montag über ihre Anwälte ein volles Geständnis ab. Sie bestreiten jedoch, als Mitglied einer Bande gehandelt zu haben. Fragen des Gerichts beantworteten sie nicht. Vorsitzender Richter Gilbert Wolf: „Ich hätte gerne gewusst, warum man sich auf so einen Käse einlässt.“ Der Prozess geht Dienstag weiter. Außer Elvis H., dem rund drei Jahre Haft drohen, werden die Angeklagten voraussichtlich mit einer Bewährungsstrafe davonkommen.

Eberhard Unfried

Rubriklistenbild: © Ebu

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