Blick hinter die Kulissen

Die Baustellen des Deutschen Museums: Darum wird‘s immer teurer

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Im Deutschen Museum wird eifrig gebaut.

Das Deutsche Museum ist aktuell und noch bis 2025 eine Baustelle. Zudem sind die Kosten für den Umbau gestiegen. Wie schaut‘s aktuell aus? Wir haben einen Blick gewagt.

München - „Auf zu neuen Welten“ soll es mit der Sanierung für das Deutsche Museum gehen. Eins ist klar: In neue Dimensionen bewegen sich seit dem Baubeginn Ende 2015 die Kosten für den Umbau. Ging man einst bei der Kalkulation noch von rund 450 Mio. Euro aus, sind inzwischen 600 Mio. Euro fällig. Mindestens! 

Der Freistaat ist bereit, die 150-Millionen-Euro-Lücke zu füllen. Das wird Museums-Chef Wolfgang Heckl freuen. Weiteres Geld soll aber nicht fließen. Damit’s reicht, muss das Konzept überdacht werden. Immerhin sahen die Pläne vor, 50 Ausstellungen ganz neu zu konzipieren.

Die Baustellen des Deutschen Museums: Darum wird‘s so teuer

Warum wird’s teurer? Vor allem wegen der Konjunktur: Handwerker sind gefragt, entsprechend selbstbewusst sind ihre Angebote. Dieter Lang, Hauptverantwortlicher des Museums für den Bau, sagt zur Kostenexplosion: „So etwas habe ich in den letzten 30 Jahren nicht erlebt. Nicht einmal während der Sonderkonjunkturphase nach der Wiedervereinigung.“ 

Allein 100 Firmen mit zeitweise bis zu 400 Arbeitern werkeln derzeit. Alles muss koordiniert werden. Dazu kommt: Das beauftragte Architektenbüro hat Insolvenz angemeldet. Das verzögert den Einzug in den südlichen Abschnitt, der für Juni vorgesehen war. 

Offiziell halten die Verantwortlichen weiter an der Komplett-Einweihung des 70 000 Quadratmeter großen Baus im Jahr 2025 fest – zum 100. Geburtstag des Museums. Ob’s klappt? Wir erkläre, warum die Sanierung so kompliziert ist.

Die Baustellen des Deutschen Museums: Die Lage

Die Baustelle liegt mitten in der Stadt. Ausstellungsstücke wie ein kompletter Starfighter (siehe Foto) konnten nur nachts und per Schwertransport ins Zwischendepot gebracht werden. Bevor die ersten Laster und Maschinen auf der Museumsinsel rollen konnten, musste der westliche Uferbereich verstärkt werden. Zudem wurde mit einer Wannenkonstruktion der Überschwemmungsschutz verbessert. „Früher hatten wir schon mal Wasser unten in unserem Bergwerk stehen, ein Albtraum“, so Museumssprecher Gerrit Faust.

Die Baustellen des Deutschen Museums: Der Platzmangel

Der Baustellenverkehr quält sich auf einem schmalen Streifen entlang des Isar­ufers zwischen Innerer Ludwigsbrücke und Corneliusbrücke. Begegnungen führen ins Chaos. Draußen steht der Seenotrettungskreuzer Theodor Heuss vor einem Kieshaufen, als sei er auf Grund gelaufen. Drinnen sieht’s noch schlimmer aus. Enge Durchgänge erschweren den Materialtransport. Beteiligte sprechen mittlerweile genervt von der „größten Schubkarrenbaustelle Deutschlands“.

Die Baustellen des Deutschen Museum: Die uralte Technik

Die Gebäudetechnik ist an vielen Stellen mehrere Jahrzehnte alt. Ein Beispiel: Die Klimatisierung der Räume wurde seit 1925 über Öffnen oder Schließen der Fenster geregelt. Für empfindliche Ausstellungsstücke (wie zum Beispiel historische Instrumente) höchst schädlich. Die Konsequenz: Ein aufwendiges Belüftungssystem muss komplett neu installiert werden. 

Die Gebäudetechnik ist an vielen Stellen mehrere Jahrzehnte alt. Ein Beispiel: Die Klimatisierung der Räume wurde seit 1925 über Öffnen oder Schließen der Fenster geregelt. Für empfindliche Ausstellungsstücke (wie zum Beispiel historische Instrumente) höchst schädlich. Die Konsequenz: Ein aufwendiges Belüftungssystem muss komplett neu installiert werden. 

Die Baustellen des Deutschen Museums: Die marode Substanz

Trotz über 1000 Probebohrungen stießen die Arbeiter während des Baus immer wieder auf marode Betonteile (siehe re.), die aufwendig ausgebessert oder gar komplett ausgetauscht werden mussten. „Die schlechte Qualität des vorhandenen Betons hat uns überrascht“, räumt Dieter Lang ein. Um weiter schwergewichtige Exponate wie das Segelschiff „Maria“ zeigen zu können, braucht es eine robuste Statik.

Die Baustellen des Deutschen Museums: Die sperrigen Hindernisse

Besonders große oder schwere Exponate wie ein Airbus-Flügel, eine V2-Rakete aus dem Zweiten Weltkrieg, eine Brücke oder eine alte sechs Tonnen schwere Druckmaschine (li.) bleiben während der Arbeiten im Gebäude. Es muss um die geschützten Exponate drumherum gearbeitet werden. Das verzögert natürlich die Abläufe.

Die Baustellen des Deutschen Museums: Der laufende Betrieb

Während der bis mindestens 2025 laufenden Modernisierung wird der Museumsbetrieb jeweils in einem Gebäudeteil weitergehen. Das macht Provisorien erforderlich. So wird nur für den Übergang ein neuer Eingang an der Corneliusbrücke gebaut. Derzeit führt eine Gangway die Besucher wie am Flughafen ums Gebäude herum und dann rein ins Vergnügen.

Die Baustellen des Deutschen Museums: Das neue Ausstellungskonzept

Die bisherige Präsentation wirkte in manchen Bereichen recht angestaubt. Digitale Technik? Fehlanzeige. Das neue Konzept sieht interaktive Bereiche mit modernster Präsentationstechnik vor – von der Medizintechnik (oben ist zu sehen, wie der neue Raum aussehen soll) bis zu neuen Medien. Dazu sollen nicht nur neue Exponate her, das Museum muss auch mit passender Leitungstechnik aufgerüstet werden.

Nico Rading

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