Landgericht schickt Erkan G. auf Entzug

Bei Messerattacke in Nachtclub drei Männer verletzt - trotzdem kein Knast

Rechtsanwalt Adam Ahmed (li.) verteidigte Erkan G.

Erkan G. (31) hat in einer Table-Dance-Bar mit einem Messer um sich gestochen und drei Männer verletzt – ins Gefängnis muss er trotzdem nicht.

München - Das Landgericht verurteilte ihn am Freitag zwar wegen versuchten Totschlags, ordnete aber keine Haft an, sondern schickt den Messerstecher zum Alkoholentzug.

Ein brisantes Urteil! Denn nach dem Prozess durfte Erkan G. das Gericht ohne Handschellen verlassen und fiel seiner Familie glücklich in die Arme. „Es ist ein großer Erfolg“, sagte Verteidiger Adam Ahmed, der G. bereits im September 2015 vertreten hatte, als dieser erstmals vor Gericht stand. Urteil damals: acht Jahre Haft. Doch Ahmed konnte Richter Michael Höhne einen Formfehler nachweisen, weshalb der Prozess wiederholt werden musste – diesmal unter Vorsitz von Norbert Riedmann, der den Totschlags-Prozess nun seit November 2017 verhandelte. Er urteilte am Freitag: sechs Jahre! 

Nach dem Entzug kommt Erkan G. auf Bewährung frei

Klingt viel, ist es aber nicht. Denn nach dem Entzug muss G. nicht hinter Gitter, sondern kommt zur Bewährung frei. Grund: Er saß während und nach dem ersten Prozess bereits zweieinhalb Jahre in U-Haft. Bis Riedmann den Fall bekam und den Haftbefehl aufhob. „Der Angeklagte hat sein Leben radikal geändert“, lobte er. Schon im Knast begann Erkan G. mit einer Therapie. Als er freikam, suchte er sich einen Job und eine neue Freundin.

Seine Tat war dennoch brutal. Laut Riedmann hatte G. den Tod eines Mannes billigend in Kauf genommen, als er ihm „von hinten mit dem Messer in den Rücken“ stach. Sieben Jahre Knast forderte Staatsanwalt Laurent Lafleur. Doch Riedmann urteilte milde. G. sei sturzbetrunken gewesen und habe sich „regelmäßig weggetrunken“. Deshalb der Entzug. Das Meinungsbild danach: verständlich, einerseits. Andererseits schwer nachvollziehbar, dass jemand drei Männer niedersticht und so davonkommt…

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