„Ich weiß nicht, was diese Vorwürfe sollen“

Besitzer von Münchner Szene-Kneipe verurteilt: „Eine Sauerei“

Der Besitzer des Sunshine Pubs erhält Bewährungsstrafe weil er 230.000 Euro veruntreute. Auch seine Frau und ein Partner mussten vor Gericht.

München - Einst war der Sunshine Pub in der Müllerstraße der Treffpunkt der Nachtschwärmer. Hier konnte man noch bis fünf Uhr morgens ein Helles trinken oder wonach einem sonst das Nachtschwärmer-Herz begehrte. Seit 2016 ist der Spaß längst vorbei: Die Stadt hatte dem Sunshine Pub den Riegel vorgeschoben, im wahrsten Sinne des Wortes: Seither darf die Kneipe nur noch bis drei Uhr nachts öffnen – und verlor dadurch Teile ihres Stammpublikums. „Eine Sauerei“, sagt Siegfried M. (63), der Besitzer.

Eine Sauerei hat er nun allerdings auch selbst begangen, und zwar im juristischen Sinne. Mit seiner Lebensgefährtin (62) und einem Geschäftspartner (41) musste Siegfried M. am Mittwoch vor dem Amtsgericht antreten. Die Staatsanwaltschaft hatte das Trio wegen Vorenthaltens und der Veruntreuung von Arbeitsentgelt angeklagt. Im Prozess ging es um rund 230 000 Euro. Weil Siegfried M. und die anderen beiden Angeklagten ihre Aushilfen nicht ordentlich angemeldet hatten, fehlten Sozialabgaben. Unter anderem im Sunshine Pub, aber auch im Prince Pub und einer Lounge.

„Ich weiß nicht, was diese Vorwürfe sollen“

„Ich weiß nicht, was diese Vorwürfe sollen“, sagte M. zu der neun Seiten starken Anklage. Seine Berater hätten das alles für ihn geregelt. Experten eben. Doch offensichtlich ging das schief. In einer Schwerpunkt-Aktion hatte die Münchner Polizei im Jahr 2015 die Gastro-Szene überprüft und war in den drei Lokalen von Siegfried M. auf Unregelmäßigkeiten gestoßen. Zuvor hatte es auch eine anonyme Anzeige gegeben. „Der Beschäftigungszeitraum der Angestellten passte nicht mit der tatsächlichen Arbeitszeit zusammen“, sagte ein Polizist vor Gericht aus. Er hatte daraufhin Durchsuchungsbeschüsse bei der Staatsanwaltschaft beantragt. So kam es dann zur Anklage.

Vor Gericht legte M. schließlich über seinen Verteidiger Franz Erlmeier ein Geständnis ab – im Gegenzug zu einem sogenannten Deal, den das Gericht angeboten hatte. Demnach durfte Siegfried M. mit einer Strafe nicht höher als zwei Jahre auf Bewährung rechnen, wenn er auspackt. Das nahm er an. Und musste anschließend noch rund 4000 Euro Geldstrafe zahlen, die laut Gericht acht Netto-Monatsgehältern entsprachen. Auch die übrigen Angeklagten wurden verurteilt. Elisabeth M. verurteilte das Amtsgericht zu acht Monaten auf Bewährung und rund 2000 Euro Geldstrafe. Markus K. erhielt wegen Beihilfe ein Jahr und acht Monate auf Bewährung sowie ebenfalls rund 4000 Euro Geldstrafe. 

Andreas Thieme

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Sebastian Kahnert

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