Hoch-Saison im Advent

Marta aus Ungarn packt aus über Bettler in München

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Die Ungarin Marta sitzt jeden Tag in Eiseskälte auf der Straße und bettelt. Viele Passanten sind unschlüssig, wie sie reagieren sollen.

In München vor Weihnachten sind sie im Bahnhofsviertel, sondern auch im Tal in Scharen zu sehen – Bettler aus Osteuropa. Eine von ihnen -  ist Marta aus Ungarn.

München - Einen Pappbecher von McDonald’s in den Händen, darin ein paar Münzen, es sind keine fünf Euro. Marta kniet am Viktualienmarkt auf einem Stück Pappe und einer Stofftasche. Sie sagt, sie sei 30 Jahre alt. Aber sie wirkt viel älter.

Marta ist eine von vielen Bettlern, die überall in der Stadt zu sehen sind und auf Mitleid hoffen. Fast alle von ihnen kommen aus Rumänien, Ungarn oder der Slowakei. Bettler-Brennpunkt ist nicht nur die Gegend am Markt, sondern auch die Bayerstraße und die Goethestraße im Bahnhofsviertel. Auch übers Jahr sieht man hier viele Menschen auf dem Fußweg sitzen oder knien, die ihre bittenden Hände in Richtung der Passanten strecken – aber jetzt vor Weihnachten steigt ihre Zahl noch einmal deutlich an. „Leider sind diese Leute zur Adventszeit hier besonders präsent“, sagt zum Beispiel Fritz Wickenhäuser vom Verein Südliches Bahnhofsviertel. Seine Vermutung: „Professionelle Bettler erhoffen sich vor Weihnachten mehr Spenden.“ Er ist überzeugt, dass die meisten Bettler zu organisierten Banden gehören. „Wir haben beobachtet, dass ihre Einnahmen abgeholt werden“, sagt er.

Organisiertes Betteln in München oder große Not?

Tatsächlich gibt es seit Jahren Berichte über organisierte Bettelbanden. Für die Passanten sind die Begegnungen immer verbunden mit der Frage: Soll ich diesem armen Menschen am Straßenrand Geld geben? Oder unterstütze ich damit die Bettelmafia und verursache noch mehr Leid, weil ich auf das Geschäftsmodell böser Hintermänner eingehe? Fritz Wickenhäuser warnt zum Beispiel davor, in solch einer Situation Geld zu geben. Denn, bezogen auf organisierte Banden: „Dadurch wird dieser Markt erst lukrativ.“

Zurück zum Viktualienmarkt, zurück zu Marta. Sie kommt aus Ungarn. Ihre Mutter lebe dort – sie brauche eine Herz-OP, sagt Marta. Deswegen sei sie in München: Sie möchte Geld für ihre Mama erbetteln. Als wir fragen, ob sie zu einer Gruppe gehört, verneint sie. Aber während sie aufsteht und mit uns spricht, kniet sich eine andere Frau auf Martas Pappkarton und beginnt zu betteln. Marta sagt, sie kennen sich nicht. Und wieder tauchen Fragen im Hinterkopf auf.

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München: Die Verbotszone in der Innenstadt

München: Die Verbotszone in der Innenstadt.

Das sogenannte stille Betteln ist in München erlaubt – mit Ausnahme der Altstadt-Fußgängerzone und der Wiesn. Weil es viele Beschwerden gab, hat die Stadt 2014 aber verfügt: Im oben eingezeichneten Gebiet ist Betteln verboten, wenn es Bürger belästigt (etwa durch aufdringliches Angehen), wenn es in Begleitung von Kindern oder Tieren geschieht oder bandenmäßig organisiert ist.

Das sagt die Münchner Polizei über die Bettler

Die Polizei stellt zu Veranstaltungen wie Christkindlmärkten und der Wiesn jedes Jahr vermehrt Bettler fest. Strafbar ist Betteln nicht – aggressives und organisiertes Betteln zum Beispiel sind aber Ordnungswidrigkeiten. „Organisiertes Betteln können wir kaum nachweisen“, sagt Polizeisprecher Sven Müller. Aber: „Wenn alle aus Rumänien kommen, kann man davon ausgehen, dass eine Struktur dahintersteht…“

Das sagt der Pfarrer: „Niemand macht das freiwillig“ 

Pfarrer Rainer Maria Schießler bekommt jeden Tag mit, wenn Menschen an seiner Heilig-Geist-Kirche lehnen und betteln. „Als ich ein Kind war, hat mein Vater einen Satz gesagt, den ich nie vergessen werde“, sagt der Pfarrer. „Niemand macht das freiwillig.“ Seitdem hat er immer einen Strumpf mit Kleingeld dabei, um etwas zu spenden. „Aber mir wäre es recht, wenn man den Bettelbanden das Handwerk legen kann.“

Das sagt die Stadt: Betteln allein nicht kriminalisieren

Für den Kommunalen Außendienst ist Betteln – vor allem in der aggressiven Variante – ein großes Thema. Allein im September hatten die Sheriffs 116 Einsätze in dieser ­Richtung (Nr. 1 der Einsatzgründe). Organisierte Strukturen seien schwer nachzuweisen, heißt es beim Kreisverwaltungsreferat. Sprecher ­Johannes Mayer betont aber: „In erster Linie geht es um Menschen in Notlagen.“ Betteln allein dürfe nicht kriminalisiert werden.

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Video: Der teuerste Weihnachtsbaum Europas steht in München

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Kathrin Braun

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