Abriss oder Sanierung?

Bewohner in Angst: Was passiert nun mit dem Arabella-Haus?

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Am 2. Mai erfahren die Mieter, wie es mit dem Wahrzeichen im Münchner Osten weitergeht.

Am 2. Mai erfahren die Mieter, wie es mit dem Wahrzeichen im Münchner Osten weitergeht. Wird es abgerissen? Oder lediglich nur saniert? 

München - Nächstes Jahr wird das Arabella-Hochhaus 50 Jahre lang die Silhouette im Osten der Stadt geprägt haben. Doch der Koloss muss zittern – es könnte sein letzter runder Geburtstag sein. Am 2. Mai stellt sich heraus, ob der 70er-Jahre-Klotz abgerissen wird oder ob er mit einer Sanierung davonkommt. Die Gerüchteküche bei der Mieterschaft brodelt.

Vergangenen November war bekannt geworden, dass das Wahrzeichen im Münchner Osten womöglich abgerissen wird – Sanierungs- und Reparaturarbeiten am und im 75 Meter hohen Klotz häufen sich (tz berichtete). Verschiedene Alternativen werden deshalb geprüft – „auch die eines Neubaus“, sagte eine Pressesprecherin der Bayerischen Hausbau, dem Bauunternehmen des Eigentümers, der Schörghuber Gruppe. Neben dem Hotelbetrieb befinden sich heute circa 100 Büros und Arztpraxen sowie rund 500 Mietwohnungen in dem 23-stöckigen Gebäude.

Die Unsicherheit treibt viele Mieter um. „Ich bete, dass das Haus stehen bleibt“, sagt Mieterin Petra Klose-Groß (s. Umfrage). Was auf sie zukommt, werden die Mieter am 2. Mai erfahren: Die Bayerische Hausbau hat zu einer Infoveranstaltung eingeladen. Aktuell gebe es erste Überlegungen und Voruntersuchungen, heißt es in dem Schreiben. Genaueres lässt man noch nicht verlauten. Nur so viel: „Die bauliche Umsetzung dieser Planungen soll 2026 beginnen.“

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Robert Brannekämper befürchtet, dass der Abriss kommt. Der CSU-Landtagsabgeordnete, der auch im Bezirksausschuss Bogenhausen sitzt, hatte vergangenes Jahr den Hinweis über den drohenden Abriss erhalten und die Bombe im BA platzen lassen. Denn obwohl sich über die Schönheit des Hochhauses streiten lasse, sei es fest mit dem Stadtteil verbunden: „Das Hochhaus ist ein Relikt aus den 70er-Jahren. Es ist ein Stück Stadtteilgeschichte“, sagt Brannekämper. „Da bin ich diametral anderer Auffassung als der Generalkonservator, der das Gebäude als stinknormales Hochhaus abtut!“

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Das Landesamt für Denkmalpflege war zu dem Schluss gekommen, dass das Hochhaus keine Denkmaleigenschaft besitzt. Auch am Verhalten der Bayerischen Hausbau übt der CSU-Politiker Kritik. „Es wäre schön gewesen, wenn man uns als lokales Gremium mit einbezogen hätte. Ich hätte mir mehr Kommunikation gewünscht.“ 

Abriss fragwürdig

Ich wohne nicht im Hochhaus. Aber mein Vater hat hier in der Nähe ein kleines Bistro, da hört man von den Gästen natürlich einiges. Viele – auch ich – glauben, dass nicht abgerissen, sondern saniert wird. Vor allem, weil am Rosenkavalierplatz jetzt ein Hotel über einem Fitness- studio gebaut wird. Das würde man doch nicht machen, wenn man weiß, dass man über Jahre eine Baustelle als Nachbarn hat. 

Daniel Cia (20), Auszubildender

Mieten werden kräftig steigen

Ulla Zierer (61), Goldschmiedin

Ich habe meinen Laden seit fast 30 Jahren hier. Für mich wäre ein Abriss schlimm – ich kann den Laden ja dann nicht mehr verkaufen. Alles, was ich mir aufgebaut habe, wäre von heut auf morgen weg. Ich glaube, dass das Hochhaus saniert wird und die Mieten dann kräftig steigen. Das wird die alteingesessenen Mieter treffen – es gibt hier noch ganz günstige Mieten. Das wird sich dann alles ändern.

Ulla Zierer (61), Goldschmiedin

Angst vor Baustelle

Jetzt wohne ich mit meinem Mann seit sieben Jahren im Arabella-Hochhaus – wir wohnen sehr gern hier. Ich verstehe, dass renoviert werden muss. Ich hoffe nur, dass wir nicht jahrelang auf einer Baustelle leben müssen. Ich bin gespannt, was man uns in der Versammlung erzählt. Ich finde es jedenfalls schade, dass das Hochhaus nicht unter Denkmalschutz gestellt wurde. Damit wäre es auf jeden Fall gerettet. 

Petra Klose-Groß (56), Kauffrau

Es ist hier wie im Altenheim

Peter Bachér (90), Rentner

Ich wohne seit zehn Jahren im Hochhaus und ich muss sagen: Es ersetzt ein Altenheim. Es ist schön ruhig und man ist bestens versorgt mit den Dingen des täglichen Bedarfs. Mir gefällt es, dass man hier viele Nationalitäten sieht. Ich bin früher viel gereist und bin das gewohnt. Über einen Abriss mache ich mir keine Gedanken – der soll, wenn überhaupt, frühestens 2026 kommen – ich bin jetzt schon 90. 

Peter Bachér (90), Rentner

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