Brenner-Drama: "Er war super als Fahrer und Mensch"

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Manfred K. saß in dem Sattelschlepper, der am Dienstag auf der Brennerautobahn von der Betonmauer zermalmt wurde.

München - Manfred K. wurde am Dienstag von einer Betonmauer zermalmt, als er in seinem Sattelschlepper auf der Brennerautobahn Richtung Italien unterwegs war. Inzwischen haben sich die Behörden eingeschaltet.

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Wie konnte der Brenner-Unfall nur passieren?

Es hätten Bilder der Freude werden sollen. Anfang April hätten Lkw-Fahrer Manfred K. (†51) und seine Kollegen von der Spedition für Firmen-Fotos posieren sollen. Die Lastwagen, die Fahrer: schöne Aufnahmen fürs Album. Jetzt ist alles anders. Es gibt nur noch ein letztes Foto, auf dem Manfred K.s Brummi zu sehen ist. Zermalmt unter einer Betonwand, nur noch Schrott.Manfred K. ist der Fahrer, der am Dienstag in den frühen Morgenstunden bei dem schrecklichen Unfall auf der Brenner-Autobahn ums Leben kam. Seine Familie, seine Freunde, seine Kollegen: Ihnen bleibt jetzt nur noch die Erinnerung. Seine Chefin erzählt der tz: „Manfred war super als Fahrer und super als Mensch. Er war sehr zuverlässig - und die Kunden waren immer zufrieden mit ihm. Da hat einfach alles gepasst.“

Bilder: Lkw aus München unter Mauer begraben

Bilder: Lkw aus München unter Mauer begraben

Am Dienstag war Manfred K. auf dem Weg nach Italien gewesen. Er hatte die Europabrücke passiert, fuhr kurz vor der Mautstelle Schönberg auf der rechten Spur. 5.15 Uhr, das unfassbare -Unglück! Eine Stützmauer brach, rutschte vom Hang und begrub Manfred K.s Lastwagen unter sich. 160 Tonnen Beton zerquetschten den Lkw - für Manfred K. gab es keine Rettung mehr. Die Rettungskräfte brauchten Stunden für die Bergung. Die Polizei rief bei Manfred K.s Chefin in München an. Sie solle nach Österreich kommen, um die Leiche zu identifizieren. Dazu kam es dann zwar nicht mehr, weil die Beamten zwischenzeitlich Ausweispapiere im Führerhaus fanden - allerdings musste die Chefin eine andere schlimme Pflicht übernehmen: „Ich habe Manfreds Sohn angerufen und ihm die traurige Nachricht überbracht. Es war ein furchtbarer Moment.“

Manfred K.s Tod: Er hat eine schmerzhafte Lücke gerissen. Das gilt für die Familie - und es gilt auch für die Firma: „Er ist erst seit drei Monaten für uns gefahren. Aber es hat sich angefühlt, als wäre er schon seit 20 Jahren da.“ Diese intensive Zeit: Jetzt ist sie zu Ende. Begraben unter Beton.

Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt

Wie konnte das nur passieren? Wie konnte eine Mauer, die eigentlich zum Schutz der Autofahrer gedacht war, zur Todesfalle werden? Der Berg war durchweicht von der Schneeschmelze und vom Regen - aber darf das reichen als Erklärung? Fragen wie diese sind jetzt ein Thema für die Justiz. Hansjörg Mayr, Sprecher der Staatsanwaltschaft Innsbruck, sagte der Zeitung Österreich: „Wir ermitteln wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung gegen Unbekannt.“

Auch Manfred K.s Firma will den Unfall nicht einfach auf sich beruhen lassen. In einer Stellungnahme ist die Rede von „Baupfusch“ und „Wartungsfehlern“ an der Betonwand. Die Wand sei seit 1980 nicht auf Mate-rialermüdung des Armierungs-Stahls überprüft worden. Allerdings ist die Unfallursache derzeit noch nicht geklärt. Alexander Holzedl, Sprecher der österreichischen Autobahngesellschaft Asfinag, weiß nur so viel: „Die Drainage-Rohre zur Entwässerung hinter der Mauer waren intakt.“ Bis auf Weiteres bleiben zwei Fahrspuren entlang der Mauer gesperrt. Außerdem werden die Betonwände mit Spezial-Ankern gesichert.

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